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Die Wahrheit · 1926-05-14 · Heft 21 (14.5.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 21 (14.5.1926)
Date
1926-05-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 brecher einnimmt. Soll man zu seinen Gunsten daran erinnern, daß er auch Jahre hindurch seine schützende Hand über das Haupt bestialischer Mörder breitete, denen man selbst die Schändung unglücklicher Frauen mit „patriotischem Ueberschwang" zu begründen gestattete. Bei der Durchführung des „patriotischen" Francsfälschungsunternehmens war dem Herrn Landespolizeichef die hohe Mission zuteil geworden, für die Beschaffung falscher Pässe, für den Schutz aller Teilnehmer an dem Verbrechen und bei eventuellem Mißlingen für die Vertuschung der Sache zu sorgen. Man muß zugeben,, daß sich in keinem Staate ein Mann finden ließe, der mehr Macht zur Vollbringung dieser Aufgabe hätte, als der oberste Chef der Polizei. Aber man wird auch nicht leugnen dürfen, daß der Polizeipräsident in der Regel sich eher dazu berufen fühlt, die Besitzer gefälschter Pässe einsperren zu lassen und überhaupt alles daran zu setzen, daß Verbrechen nicht vertuscht, sondern enthüllt werden. + Interessant ist auch die Rolle, die sich ein gewesener Ministerpräsident in dieser Angelegenheit zurechtgelegt hat. Graf Teleki hat in der vielfach beneideten Lage eines Zeugen ausgesagt, daß er es zwar gewesen, der Gero, den hervorragenden Fachmann und leitenden technischen Beamten des Kartographischen Instituts, das sich dann so hingebungsvoll in den Dienst der Francsfälschung stellte, mit dem Prinzen Windischgrätz zusammenbrachte. Aber nur zu dem Zwecke, damit der ausgezeichnete Fachmann den Prinzen von der Unduchführbarkeit der Sache überzeuge. Es wäre vielleicht einfacher gewesen, wenn der Graf lieber den Versuch gemacht hätte, dem Prinzen die Ueberzeugung beizubringen, daß man Verbrechen auch ohne Prüfung ihrer Durchführbarkeit unterlassen möge. Kein Zweifel, Graf Teleki wird es jetzt um so aufrichtiger bedauern, diesen Versuch verschmäht zu haben, als der angeklagte Gero um keinen Preis sich daran zu erinnern vermag, daß ihn der Graf zu der Abgabe eines ungünstigen Gutachtens ermuntert hätte. Der hervorragende Fachmann hat in der Tat falsche Francs hergestellt, die nach der witzigen Behauptung der Franzosen besser als die echten waren. Nur das Papier war leider zu dünn. * * *. Vielleicht beneidet Graf Teleki jetzt sogar einen anderen hochgestellten Zeugen, den hochwürdigen Bischof Zadrawetz, der nach seiner eigenen Aussage gar nicht einmal in der Lage gewesen wäre, jemandem von der Teilnahme an dem Francsunternehmen auch nur abzuraten. Man habe nämlich ihm überhaupt nicht anvertraut, um welchen „patriotischen Zweck" es sich handle. Von ihm sei nur verlangt worden, daß er jenen, die dieses Vertrauens gewürdigt worden, einen Eid der Verschwiegenheit abnehme. Der Bischof hätte nur ein schlechtes Beispiel der Plauderhaftigkeit gegeben, wenn er erst genaue Auskunft über den „patriotischen Zweck" verlangt hätte, über den unverbrüchliches Schweigen zu bewahren er anderen zur heiligen Pflicht machen sollte. Der Bischof gab vielmehr ein Beispiel, wie man schweigen müsse, fragte nicht und ging an die Beeidigung. Mit großem Erfolg. Keiner der Angeklagten hat in der Verhandlung eine Aeußerung darüber fallen lassen, worin der „patriotische Zweck" bestand, dem mit der Francsfälschung gedient werden sollte. # * * Es hat allerdings — wenigstens in den ersten Tagen — auch in der Verhandlung niemand darnach gefragt. Der Leiter der Verhandlung, Präsident Töreky, strebt offenbar nach dem Ruhm, nicht nur der mildeste Richter, sondern auch einer der gebildetsten Männer zu sein, die je eine Gerichtsverhandlung geleitet haben. Er erinnert wenigstens immer wieder an das berühmte Wort: „Der Gebildete ist nicht neugierig." Es ist zwar die Pflicht des Präsidenten, an die Angeklagten Fragen zu richten, aber wie diskret kommt er dieser Aufgabe nach. Sagt der Angeklagte einmal dem Präsidenten: „Darauf kann ich nicht antworten," so macht der Präsident ein andermal den Eindruck, als ob er sich sagte: „Danach kann ich nicht fragen." In der Tat, der Präsident Töreky übt selbst die größte Vorsicht in der Wahl seiner Fragen; verweigert der Angeklagte die Antwort oder gibt er nur eine ausweichende, läßt der zartfühlende Präsident sofort die Frage fallen. Sie ist dem Angeklagten peinlich, also reden wir von etwas anderem. Ja, man glaubt mitunter, daß der Präsident in seiner menschlichen Milde so weit geht, nicht nur dem Angeklagten die peinlichen Fragen zu schenken, sondern im äußersten Notfalle ihm sogar mit dem Nahelegen einer bequemen Antwort zu Hilfe zu kommen. Selten sieht man solch gütige, verständnisvolle Menschen auf dem Sitze, den Präsident Töreky einnimmt. Und das soll derselbe Mann sein, über dessen Härte man bisher so oft klagen gehört? Unglaublich! * Wenn es in Ungarn einen Menschen gibt, der, was den Mangel an Neugierde betrifft, den Präsidenten Töreky übertrifft, so ist es der Ministerpräsident Graf Bethlen. Der wollte nicht nur früher von der Francsfälschung nichts gewußt haben, sondern auch später von ihr nichts wissen. Als er dann in unabweisbarer Form davon verständigt wurde, Se. Durchlaucht Prinz Windischgrätz beschäftige sich mit der Herstellung falscher Francs, legte Se. Exzellenz der Ministerpräsident die Angelegenheit vertrauensvoll in die bewährten Hände Nadossis und ging seelenvergnügt — auf die Jagd, und von da unverzüglich nach Genf. Hätten die Franzosen den Grafen Bethlen nicht immer wieder an die leidige Geschichte erinnert, er hätte sie längst vergessen gehabt. Ego. oamen^'-^ab6i w:\\«tr Weide« w „iesichge«*»»* - ^/fa «fln^'^-Z^Mg-BT . Ku»aeB ÄftSSSSSlU S^^^-^d

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