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Die Wahrheit · 1926-05-07 · Heft 20 (7.5.1926) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 20 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 20 Seite 9 B Wahrheiten vom Tage fi Die antisemitische Internationale. In ewier unserer letzten Nummern wurde ari leitender Stelle ausgeführt, daß es angesichts der gerade von völkischer Seite ausgehenden Hetze gegen die angebliche „jüdische Internationale" doppelt verwunderlich erscheinen muß, daß dieselben Kreise, die in diesem Pharttasiegebilde etwas besonders Schändliches und Verwerfliches an den Pranger stellen wollen, ihrerseits sich die Schaffung einer antisemitischen Internationale fortgesetzt angelegen sein lassen, ja sich ihrer Bestrebungen nach dieser Richtung sogar rühmen. Einen weiteren Beitrag zu diesen damals ausführlich behandelten Bestrebungen der antisemitischen Bewegung nach einem internationalen Zusammenschluß, die allerdings nur verhältnismäßig geringe Erfolge zu erzielen vermochten, finden wir in der von dem „deutschen Edelmann" Alfred Rosenber? geleiteten antisemitischen Monatsschrift „Der Weltkampf", in der der italienische Faszist Guiseppe Fredrigotti den Werdegang Mussolinis — natürlich ganz entstellt — schildert. Er spricht von den angeblichen fruchtlosen Bemühungen Mussolinis, sich von dem „jüdische Polyp" loszumachen: meint aber: „Ein Staat allein vermag sich den Fangarmen der jüdischen Hochfinanz nicht zu entziehen. Nur einheitliches Vorgehen ehrlicher, sozial fühlender Männer aller Kulturnationen vermag die Fesseln zu sprengen, in die eine ruchlose Verschwörergesellschaft in feiger List die redlich schaffende Menschheit geschmiedet hat. Die Vorbereitungen hierzu sind im Gange." Das verkündet zur Ehre Mussolinis ein Italiener in einem gut deutschen Blatte, wenige Wochen nachdem derselbe Mussolini sich in großsprecherischer Weise gegen die Deutschen Südtirols und damit gegen das ganze deutsche Land gewendet hatte. Wenn ein „internationaler Jude" derlei täte- Ja dann wäre es Hochverrat. So aber Tühmte ein internationaler Antisemit die kommenden Geschehnisse, und angesichts deren Notwendigkeit muß jeder Zweifel an der wahrhaft nationalen Denkungsart dieser Herrschaften verstummen. Die antisemitische Geschichtsforschung steht hinter der antisemitischen Rassenforschung keineswegs zurück. Wie diese die bemerkenswerte Entdeckung gemacht hat, daß alles Schlechte vom jüdischen Blute und mag es auch nur ein winziger Tropfen sein, herkomme, so ist jene bemüht, diese wertvolle Erkenntnis bei ihren geschichtlichen Forschungen zu verwerten. Die Ergebnisse dieser neuen Methode sind in der Tat verblüffend, ja sie erscheinen geeignet, eine Revolution auf dem Gebiete der Geschichtswissenschaft hervorzurufen. Denn alles, was wir bisher in Geschichte gelernt haben, ist falsch oder zumindest in entstellter Form übermittelt. In dieser Geschichtsfälschung, bzw. Geschichtsverfälschung offenbart sich wiederum der böse Geist Judas und der römischen Kirche, was ja im Grunde genommen ein und dasselbe ist. So behaupten wenigstens die Vertreter der arisch-antisemitischen Geschichtsforschung. „Wer jüdische Zwecke fördert oder die Fuhren (!) der römischen Kirche tut, wird zum .Großen' gestempelt." So zu lesen im „G r o b i a n", einem in Salzburg erscheinenden antisemitischen Wochenblättchen, vom 30. Ostermond 1926, und zwar in einem Artikel, in dem sich ein Herr K. H., hinter welchem Pseudonym sich der Herausgeber des Blattes, der österreichische Mittelschulprofessor Karl Hellering verbirgt, krampfhaft bemüht, vermittels eingangs erwähnter Methode die jüdische Abkunft Karls des Großen zu beweisen. Bitte, das ist kein schlechter Witz, sondern die wissenschaftliche Ueberzeugung eines Menschen und noch dazu eines Mittelschulprofessors, der es nicht verschmerzen kann, daß jemand, der jüdische Zwecke fördert, zum „Großen" gestempelt wird. Wer hat übrigens Alexander von Mazedonien und Friedrich von Hohenzollern zum „Großen" gestempelt? Haben die auch „die Fuhren der Kirche getan" oder die Zwecke Judas verfolgt? Doch bleiben» wir bei Karl dem Großen. Dieser wahrhaft gewaltige Herrscher, der Europa aus der Finsternis der Barbarei befreite und die Grundlage für die europäische Staatenbildung gelegt hat, wird als „eines der größten Scheusale der Geschichte" bezeichnet. Also kann er — dies folgt schon aus der Rassentheorie — nur ein Jude gewesen sein. Doch Herr K. H. bleibt uns den Beweis für diese seine Behauptung nicht schuldig: „Gewöhnlich wird dieser Henkerkarl (!) als großer, stattlicher Germane dargestellt, in Wahrheit war Karl der Gr—auenhafte mittelgroß, hatte dunkles, kurzgelocktes Haupthaar, dünnen Schnurbart, seitlich übergehend in den kurzen, gekräuselten Backenbart (negroid), Glotzaugen, einen runden Schädel, einen Spitzbauch, eine Kastratenstimme und einen hämischen Charakter — kurz ein scheußlicher Bastard der basiardierten ripuarischen Franken. Sein angeblicher Vater war Pipin der Kurze, Karl selbst war ein uneheliches Kind, dessen wirklichen Vater (Jude) man festzustellen .vergaß' — darum seine Vorliebe für die Synagoge, seine jüdischen Wechsler. Agenten und Sklavenhalter." Leider hat Herr Hellering nicht — wie es sich für einen ernsten Geschichtsforscher ziemt — die Quellen angegeben, aus denen er seine Wissenschaft schöpft. Denn daraus, daß Karl der Große einen Spitzbauch hatte oder das Christentum unter den heidnischen Germanen einführte, folgt noch lange nicht, daß er der Sohn eines Juden gewesen sei. Herr Hellering müßte uns doch wohl mehr über die von ihm behauptete Vaterschaft Karls des Großen mitteilen, die bloße Aufstellung einer Behauptung genügt noch lange nicht. Oder meint er, daß die unkritischen Gemüter seiner bereits im voraus von der Richtigkeit der Rassenforschungsergebnisse überzeugten' Leser einen Beweis ebenso für überflüssig halten wie der Herr Professor die nähere Begründung seiner sonderbaren Behauptung. Wahrlich, die Rassentheorie treibt merkwürdige Früchte. Kaum haben arische Rassenschnüffler gefunden, daß der Schöpfer des Christentums ein Germane gewesen ist, stellt ein anderer geistesverwandter Forscher fest, daß der Verbreiter des "Christentums unter den Germanen ein — Jude war. Wer wird bei so wichtigen Entdeckungen noch nach Beweisen fragen? An ihnen zu zweifeln wäre v/irklich — jüdische Frechheit. „Ein Beamter muß doppelt korrekt sein." Ueber vier Jahre ist es her, da machte der Justizobersekräter Voß am Amtsgericht in Bochum eine BeschwerJe an den Landgerichtsoräsidenten in Bochum notwendig, weil er während der Verhandlungen im Gerich fcssaai sein Hakenkreuz nicht ablegte und so zum Ausdruck brachte, daß er die über ihn in Bochum allgemein bestehende Auffassung, er sei einer der eifrigsten Führer der völkischen Bewegung am Orte, als berechtigt anerkenne. Nun hat Herr Voß erneut einem Gerichte Gelegenheit gegeben, sich mit ihm zu beschäftigen. Diesmal war es" das außerdienstliche Verhaken dieses vorbildlichen Beamten. Voß hatte gelegentlich eines Zusammentreffens mit einer jüdischen Dame in einem Straßenbahnwagen diese durch die Bemerkung, daß alle Juden Gauner, Blutsauger, Wucherer. Halsabschneider seien, beleidigt. Das erweiterte Schöffengericht in Bochum hat ihn wegen dieser Aeußerung und we^en der nachfolgenden, die Jiuien gehören alle nach Palästina, dort seien sie am besten aufgehoben, zu 150 Mark Geldstrafe, den Kosten und Publikation des Urteils verurteilt. Der Schutz des § 193 StGBl., auf den der Angeklagte sich berief, wurde ihm nicht zugesprochen, da sein« Interessen in dem Straßenbahnwagen gar nicht berührt und erst recht nicht verletzt gewesen seien. Seine beleidigenden Aeußerungen seien vielmehr lediglich als ein Ausfluß des Judenhasses anzusehen. Als Beamtem habe dl er Angeklagte doppelt die Pflicht gehabt, erst recht vorsichtig zu sein und auf korrektes Wesen zu achten. -- Es gibt noch Richter im Deutschen Reich, bei denen ihre österreichischen Kollegen lernen könnten. Es wäre nicht zu ihrem Schaden! Lord Reading, der erste jüdische Marquis. Der ehemalige Vizekönig von Indien, Lord Reading (Sir Rutus Isaacs) und Gattin, waren am 20. April Gäste des Königs in Windsor. Der König verlieh Lord Reading in Anerkennung seiner Verdienste während seiner Amtszeit als Vizekönig von Indien den Marquis-Titel. Er ist der erste Jude, der diesen Rang erhält. Die Fememorde in Deutschland. Das Wahnsinnstreibcji der Feme, jener geheimen Organisation, die sich über ganz Deutschland erstreckt, gehört wohl zu den traurigsten und furchtbarsten Kapiteln der deutschen Gegenwartsgeschichte. Wie eine verheerende Seuche sich über das ganze Land ausbreitet und zahllose unschuldige Opfer fordert, so hat auch die Feme den durch den Krieg und die Nachkriegszeit geschwächten Körper des Reiches ergriffen, die Herzen der Jugend vergiftet und viele Opfer gefordert, Opfer, die in grauenvoller Weise hingemordet worden sind. Die schwarze Reichswehr, der Bund Stahlhelm und Oberland, die Roßbach- Truppe und viele andere bewaffnete und radikale Rechtsorganisationen hängen mit der mittelalterlichen Einrichtung der Feme innig zusammen, sie sind die Brutstätten der Verbrecher, welche Deutschland noch immer nicht zur Ruhe kommen lassen. Der deutsche Reichstag, beziehungsweise sein besonderer Ausschuß, der über die Fememorde und Geheimorganisationen eine Untersuchung anstellte, hat insbesondere die politischen Zusammenhänge

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