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Die Wahrheit · 1926-05-07 · Heft 20 (7.5.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 20 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 DIE WAHRHEIT Seite 3 Selbstverständlich wurde sofort eine Hilfsaktion für die Opfer des Brandes eingeleitet, die aber nicht imstande ist, die Folgen des Unglücks ganz zu beheben, sondern nur die momentane Not zu lindern vermag. Da nun zahlreiche Wiener Nikolsburg noch immer als ihre Heimat betrachten, an der sie mit Leib und Seele hängen, wende ich mich im Auftrage unserer Kultusgemeinde an die lieben Heimat- sowie an andere edle Glaubensgenossen mit dem dringenden Appell, zur Linderung der großen Notlage der so schwer betroffenen Glaubensbrüder nach Möglichkeit Jhr Scherflein beizutragen. Allfällige Spenden mögen freundlichst an die Kultusgemeinde Nikolsburg eingesendet werden. Ich bin überzeugt, daß auch in diesem Unglück, wie so oft sich wieder das alte talmudische Wort bewahrheiten wird: „Ein Jude ist Bürge für den anderen!" Rabb. Dr. Alfred W i 11 m a n n. Nikolsburg. wm^wMmwwvwvv'^ Unsere geehrten Abonnenten die mit dem Abonnement für das erste Halbjahr 1926 noch immer im Rückstände sind, bitten wir, sich der eingesandten Erlagscheine bedienen zu wollen und den Betrag baldfreundlichst einzusenden. Wir ersuchen dringend, uns weitere Mahnungen und die damit in Verbindung stehende Arbeit sowie die erwachsenen Portospesen zu ersparen und die Propaganda für unser Blatt unentwegt und überall zu betreiben. Redaktion und Administartion der „Wahrheit". wurde, jeder Nationalhaß fremd ist, die Beziehungen der Völker vorurteilsfrei besprechen, für Gewissensfreiheit, freie Bewegung und Bewertung aller geistigen Kräfte ihre Stimme erheben." Die Juden sind Zeitungsleser, und wenn sie vorziehen, statt des Wirtshauses das Kaffeehaus aufzusuchen, so geschieht das mit aus dem Bedürfnis, Zeitung zu lesen. Man mißt sogar die Kultur eines Volkes nach der Zahl der Zeitschriften, die in demselben erscheinen und gelesen werden. Man wird auch die Kultur des jüdischen Volkes nach der Zahl der jüdischen Zeitungen bemessen. Wert und Notwendigkeit der jüdischen Zeitung hat J. Singer in seiner immer lesenswerten Schrift „Presse und Judentum" vor mehr als 40 Jahren behandelt und vieles von dem, was in dieser Schrift gesagt ist, hat seither die jüdische Zeitung erfüllt. Nur eines muß sich noch notwendig erfüllen: Wie jeder Mensch heutzutage eine Zeitung lesen muß, muß auch jeder Jude eine jüdische Zeitung lesen. Noch gibt es aber viele, die erschrecken vor dem Rauschen des jüdischen Blattes und fliehen, wie auf der Flucht vor dem Schwerte. Das ist ihr eigener Fluch! Auch diesen abwenden, muß der Jud~e lernen. Nicht das „Judenblatt", aber auch nicht das jüdische Blatt geringschätzen. Jeder lerne die Voirteile einer regelmäßigen Berichterstattung über die Vorgänge im Judentum, einer Beleuchtung der Ereignisse der großen Welt vom Standpunkte des Judentums, einer Belehrung über jüdische Leistungen auf jeglichem Gebiet als eine Notwendigkeit für seine jüdische Intelligenz bewerten. Die Erkenntnis muß allenthalben durchdringen, daß in jedem jüdischen Hause mindest eine jüdische Zeitung gelesen werden muß Die „Stimme des Blattes" wird gern gehört werden und eine segensreiche, beruhigende Wirkung hervorbringen, weil auch das Judentum für alle damit zum Worte kommt. K. Die „Protokolle der Weisen von Zion". Die „Protokolle der Weisen von Zion", die zürn erstenmal Ende 1919 in Berlin aufgetaucht sind, haben ihren Siegeszug über die Welt noch nicht vollendet. In den letzten Monaten sind sie in arabischer Sprache in Aegypten, Palästina und Syrien, und gleichzeitig in spanischer Ueber- Setzung auf der iberischen Halbinsel und im lateinischen Amerika stark verbreitet worden. Henry Ford, der geldgewaltige Beschützer der russischen Monarchisten, fährt fort, sie in Nordamerika zu propagieren, und die deutschen und österreichischen Hakenkreuzler werden nicht müde, in ihren Blättern immer neue Ausgaben und Erläuterungen der Protokolle anzukündigen. Unser Mitarbeiter Benjamin Segel (der Verfasser des Buches „Die Protokolle der Weisen von Zion", kritisch beleuchtet, eine Erledigung, Berlin 1924, Philo-Verlag) hatte die Frage aufgeworfen, ob die Wissenschaft nicht zu dieser fortwährenden Verfälschung der öffentlichen Meinung und Vergiftung der Volksseele Stellung nehmen sollte. Der hervorragende Sozialpsychologe und Geschichtsphilosoph Ferdinand T ö n n i e s in Kiel regte einen „Kollektivprotest der Vertreter der deutschen Wissenschaft gegen die dreiste Fälschung" an. Der Nestor der deutschen Historiker, Hans Delbrück in Berlin, dagegen schrieb: „Sehr geehrter Herr Segel! ... Sie verlangen von der deutschen Wissenschaft zu viel. Die Wissenschaft kann nur auf wissenschaftlichem Boden kämpfen, mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Gegen die »Weisen von Zion' kommt man weder mit wissenschaftlichen Gründen, noch mit wissenschaftlicher Autorität auf. Es war gewiß sehr nützlich und nötig, daß ein Gelehrter sich aufopferte, um das ganze Lügengewebe aufzurollen, und Sie haben sich dadurch ein bedeutendes Verdienst erworben, aber damit ist die Sache für die Wissenschaft auch abgetan; höchstens, daß man einmal gelegentlich diese Schwindelei als ein weiteres Beispiel für diese Sorte Bösartigkeiten anführt, mit denen die Menschheit von je geplagt worden ist und noch heute geplagt wird. Berlin-Grunewald, den 27. August 1925. Mit vorzüglicher Hochachtung, Ihr ganz ergebener Hans Delbrück." Ferdinand T ö n n i e s schreibt: „Kiel, den 30. März 1926. Sehr geehrter Herr Segel! ... Es ist für mich unbestritten, daß Sie sich durch Ihre eingehende Untersuchung der berüchtigten »Protokolle' ein großes und bleibendes Verdienst erworben haben. .... In allen Hauptstücken ist Ihre Anklage unwiderleglich. . . . Das römische Sprichwort sagt es vom ,Tage' aus, daß er die Wahngebilde vertilgt; das ist richtig, wenn man dem historischen Tag eine Länge von zwölf Jahren zuschreibt; ich schätze, daß demnach noch viereinhalb Jahre übrig sein mögen, die wir abwarten müssen, bis die unsauberen Dünste verstoben sein werden, die das für Europa, und besonders für Deutsch-

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