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Die Wahrheit · 1926-04-30 · Heft 19 (30.4.1926) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 19 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 tue waubh&t i'ot* ffr. iö Steuerraaxiuium bloß 3000 S beträgt. Obwohl diese Summe relativ gering ist, hoffe ich, daß wir nicht gezwungen sein werden, an eine Erhöhung des Steuermaximums zu schreiten, und daß wir mit diesem Betrage wie im abgelaufenen so auch in diesem Jahre unser Auslangen finden werden. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Medizinalrat Dr. Haase dankt dem Redner für seine ausgezeichneten Ausführungen und erteilt dem Präsidenten der „Union" Dr. Jakob Ornstein das Schlußwort. Dr. Ornstein legt die Gründe dar, die zur Einberufung dieser Versammlung geführt haben. Die Kultusgemeinde soll für jeden Juden eine feste Stütze und ein sicherer Hort in guten und bösen Tagen sein und deshalb ist es notwendig, daß jeder Jude die Gemeinde näher kennen lernt, er soll wissen, was diese Gemeinde ist und was sie leistet, und soll auf diese Weise in ein näheres Verhältnis zu ihr treten. Ferner fühlen wir auch das Bedürfnis ihm als unseren Wähler gewissermaßen einen Rechenschaftsbericht über unsere Tätigkeit zu geben. Wir hätten hierzu keinen besseren finden können als Herrn Dr. Oppenheim, der sein gewaltiges Wissen auf ökonomischem Gebiete und seine große kaufmännischen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinde gestellt hat. Sie haben aus dem Munde dieses berufenen Leiters der Gemeindefmanzen gehört, was die Gemeinde auf den verschiedensten Gebieten ihrer Tätigkeit leistet. Sie haben vernommen, welche gewaltigen Aufwendungen auf dem Gebiete der Jugenderziehung gemacht wurden und weiter gemacht werden müssen. Denn die Zukunft des Judentums liegt in der jüdischen Jugend, die, wo immer sie lebt, berufen ist, für das jüdische Volk zu arbeiten. Die Fürscrgetätigkeit bildet, wie bereits mein geschätzter Vorrredner ausgeführt hat, das Ideal und den Stolz unserer Gemeinde. Wir haben die Pflicht, die Arbeit unserer Väter fortzusetzen und die Anstalten und humanitären Institutionen, die diese errichtet haben, müssen wir erhalten und weitet ausbauen. Damit sorgen wir für unsere armen Brüder und Schwestern und erfüllen hierdurch eine der vornehmsten Pflichten unserer Religion. Neben den Pflichten gegen unsere Religion haben wir jedoch auch die Pflichten gegen den Staat, gegen unser österreichisches Vaterland, denn Oesterreich i s t unser Vaterland, gewissenhaft zu erfüllen. Gestatten Sie, daß ich Sie an einen Ausspruch eines unserer Weisen erinnere, dessen Ursprung fälschlich auf eine andere Quelle zurückgeführt wird. Die Juden Palästinas waren zur Zeit des Bestandes des großen Tempels in Jerusalem verpflichtet, jährlich einen Schekel zur Erhaltung des Heiligtumes zu entrichten. Als nach der Besitzergreifung des Landes die Römer das für den Tempel Gottes bestimmte Geld für den Tempel des Jupiter verwendeten, herrschte darob unter den Juden große Erbitterung und diese wandten sich an einen ihrer Weisen mit der Bitte um Rat. Dieser aber gab ihnen folgende Antwort: „Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist." So wollen auch wir unsere Pflichten gegen unsere Religion nicht vernachlässigen und dem Staate das geben, was ihm gebührt. Anderseits beanspruchen wir auch, daflf man unsere Rechte i<n Staate und an«. Staate nicht verkürzt. Denn wir sind hier inT wahrsten Sinne des Wortes bodenständig und wenn ein Führer der Christhdisozialen vor einiger Zeit vom „bodenständiger, christlichen Vclk" gesprochen hat, dann sei er daran erinnert, daß das Judentum bereits mit den Römern in dieses Land gekommen, zu einer Zeit, in der es überhaupt noch kein „christliches Volk" hier gegeben hat. Wir haben daher dasselbe Anrecht auf diesen Boden hier wie unsere christlichen Mitbürger, mit denen wir gemeinsam an dem Wohle unseres Vaterlandes arbeiten wollen; v/ir sind hier kein „Gastvolk" und sie nicht das „Wirtsvolk", sondern wir bekennen uns voll und ganz zu Oesterreich und wollen an unserem Vaterlande auch in Zukunft in Treue festhalten. (Lebhafter Beifall.) Theaterskandal ohne Ende. Es wurde in einer der letzten Nummern von einem kleinen Skandal berichtet, den einige arische Literaturignoranten zwecks Reinigung der deutschen Kunst vom „fremdrassigen Geiste" im Akademietheater veranstaltet haben, und auch eine „geharnischte" Erklärung der „Deutschen Kunstgiememschaft" veröffentlicht, in der gegen die „Entartung" des Burgtheaters (dem bekanntlich das Akademietheater angeschlossen ist) protestiert, die Ausmerzung des „ausländischen" Geistes und die Entfernung jener Männer gefordert wird, die den „fremdländischen" Geist besonders pflegen. Der Inspirator dieser Erklärung war der ehemalige Burgtheaterdirektor Millenkovich, der seinerzeit bei der Einführung des von ihm entdeckten „christlich-germanischen Schönheitsideals" schmählichen Schiffbruch erlitten hat. Wir haben bei dieser Gelegenheit die Frage aufgeworfen, ob der Erfolg des christlich-germanischen Intermezzos des Herrn Millenkovich, das eigentlich eine Tragikomödie war, die Herren eines Besseren belehrt habe, und müssen heute mit Bedauern feststellen, daß dies leider nicht der Fall war. Im Gegenteil. Der „christlich-germanische Geist" treibt im Gebäude auf dem Franzensring wieder sein Unwesen. Oder sollte die Erklärung der literarischen Rassenschützler einen so raschein „Erfolg" gezeitigt haben? Sollten sich die verantwortlichen Leiter des Burgtheaters zur Anschauung dieser bekennen, die Kunstfragen von rassischem Gesichtspunkte aus behandelt wissen wollen? Sollten nunmehr an dieser ersten Sprechbühne unserer Republik nicht die Anschauungen von Künstlern^ sondern die von Schweinezüchtern, die sich ja berufsmäßig mit Rassenfragen beschäftigen müssen, maßgebend geworden sein? Manches spricht dafür. Denn zunächst hat Herr H e r t e r i c h, der derzeitige Burgtheaterdirektor, kein Opfer finanzieller und ideeller Natur gescheut, um den ersten Programmpunkt der besagten Erklärung zu erfüllen. Die Aufführung eines Stückes eines der bedeutendsten französischen Dramatiker, das bereits einstudiert war, wurde im letzten Moment auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine fadenscheinige Erklärung der Burgtheaferdirektion sucht die wahren Gründe dieser Maßregel zu verschleiern. Diese sind nämlich nicht, wie Herr Herterich glauben machen will, in technischen Schwierigkeiten gelegen, sondern in den Schwierigkeiten, die der erwähnte „Geist", der im Burgtheater herumspukt4 in diesem Falle macht. Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich. Denn noch gilt es, auch den zweiten Programmpunkt der Erklärung, nämlich die Entfernung der den „fremden Geist" pflegenden Männer, zu erfüllen. Wie die Wiener Blätter melden, wurde der bisherige Regisseur des Burgtheaters 0 p h ü 1 s für die kommende Saison als Oberregisseur an das Neue Theater in Frankfurt a. M. verpflichtet. Herr Ophüls, der erst vor einem halben Jahre engagiert worden war, wurde Knall und Fall entlassen, ohne daß man ihm Gelegenheit gegeben hätte, seine Fähigkeiten als Regisseur an irgendeinem geeigneten Stück zu zeigen. Auf seine Anfrage, warum man ihn aus Deutschland geholt habe, um ihn nach einem halben Jahr zu entlassen, ohne ihm Gelegenheit gegeben zu haben, seine Regiebegabung an irgendeinem geeigneten Stück erweisen zu können, erhielt er von Direktor Herterich die höchst merkwürdige Antwort, „der Direktor bedauere die Kündigung zwar recht herzlich, könne aber dagegen nichts unternehmen, das heißt sie nicht rückgängig machen. Man habe Herrn Ophüls in „Orlowa" als Schauspieler gesehen und da seien maßgebende Persönlichkeiten darauf gekommen, daß er Jude sei." Sollten das dieselben „maßgebenden Persönlichkeiten" sein, welche auch die Absetzung der „L'Aiglon"-Premiere vom Spielplan der Saison bewirkt haben? Die Direktion des Burgtheaters setzt der Darstellung, die. der „Tag" über die Grund© der Entlassung des Herrn Ophüls gebracht hatte, ein Dementi entgegen, dessen Wahrheitsgehalt von der anläßlich der „L'Aiglon'-Affäre er- 1AC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborsiraße 44

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