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Die Wahrheit · 1926-04-23 · Heft 18 (23.4.1926) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 18 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 DIE WAHRHEIT Seite 11 1 Theater, Kunst u. Literatur Max Kastl: „Drahtverhau" (Muverla A. G.. München). Nochmals der Krieg mit allen seinen Schrecken. Ein Dichter schildert in knappen Tagebuchnotizen, wie er auf das Tun und Treiben seiner Umgebung reagierte. Damals, als er das Buch schrieb, stand Deutschland noch im Kampfe. Heute ist es zusammengebrochen, wir spüren die Nachwehen des grausigen Ringens auch in unserem kleinen Oesterreich und wir wissen heute, daß gerade die übertriebene militärische Disziplin zur Ueberschätzung der eigenen Kräfte führen muß. während das Individuum zum Werkzeuge des Zufalls erniedrigt wird. Sprach man doch im Kriege vom Mensenschen niemals anders als vom „Material", das man hin- und herschieben durfte, wie man es gerade brauchte. Und der „Heldentod", den die blühende Jugend starb, galt als notwendiges Pflichtgebot, bis man allmählich erkannte, daß man den Interessen weniger das "beste Volksgut dargebracht habe. Jetzt müssen wir den verhängnisvollen Irrtum in jahrelanger Abhängigkeit sühnen. Macht uns das Unglück besser und einsichtsvoller, dann wird In ferner Zukunft vielleicht aus der dunklen Macht des Hasses tmd der Verbitterung das Licht der Menschlichkeit neu erstrahlen. Dr. Otto Fröhlich. Max Lohr: ,Das Deutoronomium" (Berlin, Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Mk. 3.—). Lohr .gehört zu den Alttestamentlern, die den seit Wellhausen in Schwang gesetzten Uebereifer in der Zersplitterung unseres Bibelkanons zu bremsen bestrebt sind. Auch in der vorliegenden Studie bemüht er sich mit Erfolg um den Nachweis, daß es sich bei dem nach 2. Buch Könige 22 aufgefundenen Buche der Lehre nicht um eine Neukonstruktion, sondern wirklich, um die Auffindung eines alten Buches handelt, das durch seinen Inhalt selbst auf die Zeit eines Mose als sein Entstehungsdatum hinweist. G. Jüdische National-Biographie. Wir erachten es für wichtig und notwendig, in der jüdischen OeffenÜichkeit auf ein Werk hinzuweisen, das sowohl Gelehrten als Ungelehrten, Laien als Fachleuten ein Führer und Wegweiser durch das Kulturleben der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart zu werden verspricht. Es fehlt nicht an Werken ähnlicher Art und es werden von verschiedenen Seiten Versuche gemacht .werden, es zu schaffen. Die große englische Enzyklopaedie war das letzte große Werk in diesem Sinne. Bald wird in Berlin im Jüdischen Verlage in deutscher Sprache eine jüdische Encyklopädie erscheinen. Ein umfassendes biographisches Lexikon ist in neuerer Zeit nicht erschienen. Nun besitzen wir es in dem ersten Band eines Werkes mit dem Titel „Große jüdische Na tio n al-Biogr ap hie", dessen Verfasser Herr S. Wininger in Czernowitz ist Es ist nicht uninteressant zu erfahren, daß Wininger ein bescheidener Beamter war, der es sich aus Begeisterung für die jüdische Kultur zur Aufgabe gemacht hat, dieses Monumentalwerk zu schaffen. Unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen arbeitet dieser durch nichts zu beeinflussende Idealist. Wir hatten Gelegenheit, ihn in den bösesten Kriegszeiten in Wien kennen zu lernen. Schon damals war ein Teil seines Manukriptes hergestellt und wenige Bogen versuchsweise gedruckt. Alle Anstrengungen einiger Wiener Gelehrter, ihm Gönner zu verschaffen, schlugen fehl. Nun ist es ihm gelungen, einen Mäzen zu finden und der erste Band des auf fünf Bände berechneten Werkes liegt gut ausgestattet vor uns. Das Werk soll die Lebensbeschreibungen von ungefähr achttausend namhaften jüdischen Männern und Frauen aller Zeiten und Länder umfassen; es soll ein Nachschlagewerk für das jüdische Volk sein. Der erste Band (Abarbanel-Czernowitzer) hat 612 Seiten, auf die ein Namenregister von 18 und ein alphabetischer Stellennachweis von 8 Seiten folgen. Es ist gedruckt in der Officin „Orient" Cernauri strada ^Schiller 5, und kann bei der Redaktion der Großen jüdischen National-Biographie S. Wininger, Ceirnauti, Piata Decebal 4, bezogen werden. Das Vorwort belehrt über Zweck und Anlage des Werkes, über die ungewöhnlichen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren in den 18 Jahren unermüdlicher Arbeit, sowie über den enormen Fleiß und die bewundernswerte Ausdauer des für sein Werk begeisterten Verfassers. Ein Riesenmaterial ist verarbeitet, um eine Uebersicht über die Haupt- Jeistungen des jüdischen Volkes zu geben. „Das Werk soll -eine Lücke ausfüllen, wodurch jener oft bestrittene Anteil der Juden am Kulturwerk der Menschheit dokumentarisch festgelegt wird; es soll ein Monumentum nominis Judaici sein. •Das Werk ist wissenschaftlich in dem Sinne, daß es auf Grund verläßlichen Quellenmaterials gearbeitet ist, gleichzeitig ist es volkstümlich in der Form, daher lesbar für die weiten Kreise der Gebildeten des Volkes und von allgemeinem Interesse, bestimmt für Juden und Nichtjuden" (aus dem Vorwort). Es ist noch nicht an der Zeit, ein endgültiges, kritisches Werturteil abzugeben und hier nicht die Stelle, auf Einzelheiten einzugehen, welche schon beim Durchblättern des ersten Bandes sich ergeben. In jedem Falle muß der Verfasser, muß sein Werk Förderung finden. Es ist für alle eine Fundgrube des Wissens und der Belehrung. Es ist geradezu Pflicht, diesen ebenso bescheidenen als in seiner hingebungsvollen Arbeitsfreude und Bienenemsigkeit bewundernswerten Autor mit ganzer Kraft zu fördern und für Vollendung seines Lebenswerkes die Möglichkeit zu schaffen. Er sagt selbst: „Vollkommenheit bei der ersten Ausgabe zu erreichen, ist wohl unmöglich, es ist aber in des Lesers Hand gegeben, sein Interesse an dieser Arbeit zu beweisen und auch durch Berichtigungen, Ergänzungen von Biographien, Anregung und Ratschläge zu unterstützen" (Vorwort). Nur bei entsprechender Beteiligung durch Ankauf können die weiteren Bände in je fünf aufeinanderfolgenden Monaten erscheinen. Es ist zu wünschen und zu hoffen, daß das, so rasch es nur geht, ermöglicht werde. Feuchtwang. Anti-Ford oder „Von der Würde der Menschheit" vom Peter Mennicken, Verlag „Die Kuppel", Aachen. Henry Fords Buch „Mein Leben und Werk" ist zur Bibel der zivilisatorischen Menschen geworden, das sind jene Menschen, die, wie der Verfasser richtig meint, an den Notwendigkeiten des Lebens haften bleiben, ohne das Bedürfnis zu empfinden, eine höhere Sphäre des Seins zu erreichen. D^m zivilisatorischen Menschen, der auch homo faber genannt und kurz als der „Tüchtige" bezeichnet werden kann, stellt Mennicken de» kulturellen Menschen gegenüber, den er als homo sapiens bezeichnet. Dieser ist bestrebt, sich durch sich selbst zu erhöhen, er ist sich seiner Unvollkommenheit bewußt, doch wendet er seine Blicke nie ab von den ewig leuchtenden Gestirnen. Während die Errungenschaften der Zivilisation: Technik, Handel und Verkehr, Werke des homo faber sind, der in der ihm eigenen niederen Sphäre Vollkommenes leisten kann, wird alles kulturelle Leben von der Gattung homo sapiens getragen. Diese ist es auch, welche das Genie gebiert, das nicht haftend an dem Gewordenen sich eine neue Welt schafft. Die Kraft des Genies kann sich nur auswirken im Philosophen, im Künstler und im religiösen Menschen. Denn in allen anderen Sphären menschlichen Waltens wird keine neue Welt geschaffen, sondern bestenfalls Altes erneuert. Henry Ford nun ist der ausgeprägteste Typus des zivilisatorischen Menschen. Er besitzt alles, was diese Menschenart an Wertvollem besitzen kann, ihm fehlt alles, was dieser Menschenart fehlt. Daß sein Werk, das ein Bekenntnis zum zivilisatorischen Menschentum ist, eine gewisse Bedeutung auch diesseits des Ozeans erlangt hat, ist ein Beweis dafür, daß der zivilisatorische Mensch auf der Erde immer mehr der herrschende wird. Die Welt des Ford-Menschen ist einfach und unkompliziert. Das einzig Positive bildet für sie eine draufgängerische Aktivität, welche sich jedoch im rein Mechanischen erschöpft Die Würde des Menschen erfordert aber mehr, als Werke um ihrer selbst willen zu vollbringen, sie verlangt, daß der Mensch sich weiterbilde und sich durch rastlose Arbeit an sich selbst veredle, um zu dem zu werden, wozu ihm der Schöpfer bestimmt hat zu einer Offenbai ung des Geistes, des Lichtes und der Schönheit Der steinige Weg, der zu diesem Ziele führt heißt Kultur, die beste Straße aber, die von ihm wegführt, trägt den Namen Zivilisation: Mennickens Buch wird allen denen willkommen sein, welche den Schlagworten des Tages abhold, nach wahrem und reinem Menschentume streben. Dr. W. Drei Lebensbilder hervorrasender Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus und Kommunismus hat Dr. Willy Cohn in Breslau entworfen. In drei im Verlag der Breslauer „Volkswacht" erschienenen Heften bringt der unseren Lesern bekannte Autor je eine ausgezeichnete Biographie von Karl Marx, Friedrich Engels und Robert Owen. Obwohl sich der Verfasser das Ziel steckte, besonders der Jugend die Bekanntschaft des geistigen Oberhauptes des modernen Kommunismus, Karl Marx, und seines Epigonen Engels, wie auch des englischen Sozialisten Owen zu vermitteln, findet selbst der reifere Mensch mancherlei Lesenswertes. Alle drei Werke sind mit gleicher Liebe behandelt und verraten das eingehende Studium der in Frage kommende« Literatur. Werbet und wMHt die „Wahrheit"!

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