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Die Wahrheit · 1926-04-23 · Heft 18 (23.4.1926) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 18 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 18 sondere wird auf die Reden des Präsidenten Coolidge bei der Grundsteinlegung für das jüdische Volkshaus in Washington und bei der Konvention der amerikanischen Legionäre in Omaha, Nebrasca. hingewiesen, die die Legenden der Ku- Klux-Klan und der anderen rassenantisemitischsn Verbände schlagend widerlegten. Der Bericht stellt fest, daß im Jahre 1925 keine irgendwie nennenswerte antisemitische Propaganda in Amerika geführt worden ist. Mit Bedauern wird vermerkt, daß sich in Oesterreich, Ungarn und Rumänien der Antisemitismus verstärkt hat. Das Rffualmordmärchen. Im Prager „Cech", welcher der klerikalen Partei nahesteht, erschien unlängst ein Artikel, in welchem an den nun gerade 35 Jahre zurückliegenden berüchtigten Ritualmordnrozeß von Pol na erinnert und anschließend gegen die Juden in gehässiger Weise Stimmim?: gemacht wird. In der Brüimer „Jüdischen Volksstimme" erschien infolgedessen em an den Erzbischof von Prag Franz Kordac gerichteter offener Brief, der an die Auslassungen im ,.Cech" anknüpft und an den Kirchenfürsten die Bitte richtet, den in dem genannten Blatte veröffentlichten Hetzereien, unter denen sogar eine Verherrlichung deT an Zynismus kaum zu überbietenden Talmudillustrationen des tschechischen Malers Karel Relink paradiert, entgegenzutreten. Die Prager ..Wahrheit" hat sich an den Würdenträger der Hierarchie selbst dessen tolerante und unzweifelhaft liberale Ideen bekannt sind, mit der Bitte um Fixierung seines diesbezüglichen Standpunktes gewendet. Nun äußerte sich der Kirchenfürst: Was ich im allgemeinen von dem Ritualmordmärchen halte, wollen Sie wissen? Daß der sogenannte Ritualmord wiederholt dem Judentum als solchen zur Last gelegt wurde, ist bekannt, doch müßten erst überhaupt die kritischen Untersuchungen die angeblichen Fälle erklärten. Ohne weiters diese traditionelle Legende dem jüdischen Volke im allgemeinen gegenüber aufrecht zu erhallen, halte ich für ungerecht. Solchen Pauschalverdächtigungen und Anklagen soll man nicht nachgeben. Der Anschauung, daß etwa gar die katholische Kirche jemals dergleichen judenfeindliche Bestrebungen stillschweigend geduldet oder gar offensichtlich unterstützt hätte, widersprechen eindeutige historische Tatsachen. So wurden im XIV. Jahrhundert von pänsth'cher Seite unter der Strafe des Bannes anläßlich der großen Judenverfolgung alle Ausschreitungen verboten, aber auch Johann XXII. und früher schon Gregor der Große nahm die Juden in Schutz. Im X. Jahrhundert widersetzten sich die spanischen Bischöfe dem Pöbel, der sich zu einem Judenmassaker rüstete, was Alexander II. belobend anerkannte. Bekannt ist auch besonders der Schutz, den die Pärjste jüdischen Friedhöfen an gedeihen ließen: so ist u. a. Alexander TU.. Innozenz II.. Gregor IX zu nennen, während Kiemems VI. den verfolgten Juden eine Freistatt zu Avignon gewährte. Was von der im „Cech" erschienenen Publikation und ihrer ganzen Aufmachung zu halten ist? — meinte der Kirchenfürst auf eine diesbezügliche Frage, so bin ich sicherlich gerechtfertigten Appellation zugänglich. Vor allen Dingen ist zu betonen, daß der „Cech" keineswegs das persönliche Organ des Episkopates ist, wie es in dem offenen Briefe in der ..Volksstimme" heißt. Allerdings wird er seiner konservativen Richtuns: halber zu Kundgebungen des Episkopates benützt, doch gibt der betreffende beanständete Artikel selbstverständlich nicht meine persönliche Meinung wieder, die aus der obigen Aeußerung klar genug und unzweideutig hervorseht. Glaubenstreue. In einer Predigt über Frömmigkeit und Gottesfurcht führte ein katholischer Priester in der Servitenkirche den Andächtigen einen jüdischen Kaufmann, dessen Geschäft sich in der Nähe der Kirche befindet als leuchtendes Beispiel vor Augen und wies darauf hin, daß dieser Geschäftsmann an allen Samstagen und jüdischen Feiertagen sein Geschäft geschlossen halte und selbst an einem Tage, an dem er einen besonders großen Gewinn hätte erzielen können, wie es der Samstag vor Ostern war. sich nicht veranlaßt gesehen habe, ein Gebot seiner Religion zu übertreten. Er ermahnte die Gläubigen, in gleicher Treue an ihrer, der christlichen Religion, festzuhalten, wie dies dieser Jude an seiner, der jüdischen Religion, tue. Er achte und schätze jeden Menschen, der die Pflichten, die ihm seine Religion vorschreibt, treu erfülle. — Der in der Predigt des katholischen Pfarrers erwähnte jüdische Kaufmann ist ein uns gut bekanntes Vorstandsmitglied des Tempelvereines in der M ü 11 n e rg a s s e._ Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"! •Angebot | Warenhauses I Brüder Schiffmann Tq|. 47-1-7» II., Taborstraße 48 Tel. 47-1-79 Unerreicht billige Kaufgelegenheit! y Nachstehend einige Beispiele: Waschwaren per Meter —'98 - - T25 Blaudruck •]........ Cotton de Itene •....... 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