Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 17 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JfcJl Seite 3 Dieses deuische Volk hat eine gemeinsame Kultur, eine Literatur, die sich auf der deutschen Sprache aufbaut, die ja selbst eine hoch durchgebildete Kultursprache ist Wir haben eine deutsche Kunst, eine deutsche Wissenschaft und Technik — wobei wir freilich nicht verkennen dürfen, daß Kunst und Wissenschaft auch international sind, daß es töricht wäre, nicht von anderen Völkern lernen zu wollen; daß die Kultur eines Volkes die des anderen befruchten muß. Zu glauben, alles aus sich heraus selbst entwickeln, von Fremden nichts lernen zu können, ist eine Torheit. Goethe hat in einem köstlichen Gedicht einen Menschen, der diese Anschauung vertritt, mit dem Wort charakterisiert: „Das heißt, wenn ich ihn recht verstand, ich bin ein Narr auf eigne Hand". Aber trotzdem gibt es eben eine gemeinsame deutsche Kunst und Wissenschaft, Technik und Wirtschaft, die auch sich wieder nicht auf unsere Grenzen beschränkt, sondern die das deutsche Volk in Deutschland, der Schweiz, im Elsaß und Oesterreich, die Sudetendeutschen und die in Polen und Ungarn lebenden umfaßt. Auch das Ausland hat diese deutsche Kulturarbeit anerkannt und dem deutschen Volk den stolzen Ruhmestitel „des Volkes der Dichter und Denker" zuerkannt. In unserem heutigen Deutschland leben unter 62& Millionen eine halbe Million Juden; seit unvordenklicher Zeit; gerade hier am Rhein zum Teil schon vor der christlichen Zeitrechnung; gar manche haben hier die Völkerwanderung überdauert, andere sind nach ihr wieder zum Rhein gezogen. Sie sind also im höchsten Grade bodenständig. Und von diesen behauptet die antisemitisch-völkische Bewegung, daß sie eine uns fremde und minderwertige Rasse seien, gegen die die höhere arische Rasse im schärfsten Gegensatz stehen müsse, um sich kulturell fortzuentwickelnist schon der Begriff der „arischen Rasse" ein überaus unklarer, ungemein unsicherer, wissenschaftlich höchst bestrittener Begriff, so hat es eine semitische Rasse nie gegeben, sondern nur semitische Sprachen. Vor rund 140 Jahren hat ein deutscher Gelehrter zuerst den Begriff der semitischen Sprachen aufgebracht; ein französischer Gelehrter, Ernest Renan, ist es gewesen, der den Begriff einer semitischen Rasse entwickelt hat; aber er selbst hat sich noch bei Lebzeiten überzeugt, daß er dabei einen Irrtum begangen habe, und alles, was er über die Mängel der semitischen Rasse ausgeführt hat, beruht auf dem Irrtum, daß er die babylonische Sprache — und Babylon war die Wiege aller Kultur — für eine arische Sprache hielt, während sie nachgewiesenermaßen eine semitische Sprache ist. Semitische Sprachen wurden von den verschiedensten Rassen gesprochen, von den Arabern und Syrern, von Aethiopiern (Negern) und Südrussea Gab es doch jahrhundertelang in Südrußland ein jüdisches Königreich der Cbazaren. Nie hat es eine semitische Rasse gegeben. Auch die Juden haben sich, als sie in das gelobte Land" einwanderten, mit der dort ansässigen Bevölkerung der Amoriter vermischt; nicht einmal König David hatte eine rein iüdische Abfromme Olaobcnsgenossen! Herr Ober-Rabbiner Simon Schreiber aug Erlau bestätigt in seinem Hekscher, daß ihr den J echten und das'ganze" Jahr hindurch ohne jedes mindeste Bedenken genießen könnt, .weil,, dieser Zusatz verläßlich koscher ist Er wird runter ständiger;Aufsicht frommer verläßlicher Israeliten nach den persönlichen Weisungen Seiner Ehrwürden des Herrn Ober- Rabbiner Schreiber erzeugt Achtet beim Einkaufe jedoch darauf, daß ihr den einzig aechten Franck in Fliedensqualität bekommt, mit der Schutzmarke: .KAFFEEMÜHLE" und der Unterschrift: FRANCK i* IS stammungl Sie sind von jeher, wie* alle anderen lebenden Kulturvölker, ein Mischvolk gewesen und sie sind aufgegangen in den Völkern, unter denen sie leben; der englische Jude ist Engländer, der französische Franzose, der deutsche Deutscher jüdischer Religion. Sie sprechen die Sprache der Völker, unter denen sie wohnen, denen sie angehören, als Muttersprache und sie arbeiten mit an der Kultur dieser Völker. Gerade an der deutschen Kultur haben sie in den Naturwissenschaften, in der Medizin, in der Technik, in der Philosophie, in der Sprachforschung, in der Rechtswissenschaft, in der Wirtschaftslehre unendlich vieles geleistet, dankbar sollen Flecken". Das Bunte, Grelle, die Augen auf sich Lenkende, die Blicke Herausfordernde ist eine Krankheit, die dem Kleide und dem Träger innewohnt. Es gibt sogar ein Tier, das seine Farbe je nach der Umgebung wechselt, dessen Anpassungsfähigkeit so weit geht, in jeder Lage die vorherrschende Farbe anzunehmen. Die Menschheitsgeschichte kann ein Gleichnis von dem gottähnlichen Erdensohn erzählen, der nicht nur die Farben seines Gewandes, sondern sogar die Gesinnung je nach Bedarf der herrschenden Richtung und Mode anpaßt Im alten Palästina gab es das Fest des 15. Ab, bei dem die Töchter Israels in erborgten Kleidern erschienen, damit sich die Jünglinge Israels bei der Wahl ihrer zukünftigen Lebensgefährtinnen nicht durch den Reichtum oder die Armut der Kleidung bestimmen lassen könnten. Das war recht zweckdienlich. Die Menschen gehen die ganze Lebensreise in geborgten Kleidern einher. Das Kleid des Fürsten wie das des Bettlers sind geliehen; sie bleiben zurück, wenn die Reise beendet ist. Glück des Lebens, der Ehe, des Hauses auf der Pracht des Gewandes zu gründen, wäre töricht und unbedacht. Man soll nicht um des Kleides willen lieben oder hassen, achten oder geringschätzen. Der Mensch trägt seinen Wert in sich und nicht auf sich. Aber es gibt sehr viele, die nicht nur durch das Gewand in der Meinung der anderen gelten wollen, sondern mehr noch ihre Gesinnung schon am Kleide kenntlich machen wollen. Aus den Knopflöchern des Mannes soll erkannt werden, was und wie er denkt. Das ist eine Kleiderkrankheit denn die ehrliche, anständige Gesinnung muß aus Taten und Benehmen erkannt werden. Verrät das Zeichen am Kleid« eine unschöne Owtoiroma so Ist es «in Flecken, der eine kranke Seele bloßlegt. Es gab eine Zeit die den Juden gezwungen hat einen grellen Flecken an sein Gewand zu heften, damit der Jude von außen erkannt werde. Die Juden nannten diesen Flecken Jsesem schel schirnzo'*, „Flecken der Schande", denn die Welt wollte dadurch den Juden demütigen, aber sie hat damit nur die Krankheit ihrer eigenen Seele für Zeit und Zukunft kenntlich gemacht Das Judentum forderte vom Juden, daß er den Faden von himmelblauer Wolle an seinem Gewände trage, damit er an Gott erinnert werde, damit sein Tun und seine Gesinnung den göttlichen Geboten entspreche. Nicht das Kleid macht den Menschen. „Schaue nicht auf den Krug, sondern auf das, was darin ist". Denn zum S-hluße ziehen alle dieselben Kleider an. Schlichte Linnen sind die Hülle, wenn wir die Welt des Scheins verlassen und in das Reich der Wahrheit einziehen. Jehuda halevi, der gottbegnadete Sänger, der Dichtkumt Meister aus Spaniens Glanztagen, hat so schön gesungen: Siehe, du Kind der Welt, Alles ist auf nichts gestellt Zieh aus der Freude Kleid. Zieh an das Linnen vom Leid, Das modert auch mit Dir. Wie Du hinschwindest von hier Das ist, was man behält. Von aller Mühe der Welt". Das ist das Ende aller Kleiderkrankheit, um derentwillen viel« ein Leben lang an ihrer Seele krank waren» K.