Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 14-15 (29.3.1926)
- Date
- 1926-03-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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for. 14/15 m WAmwr Seite 13 Theater, Kunst u. Literatur Agudas Jisroel. Die Ortsgruppe Wien dieser*, die ganze Welt umfassenden Organisation des thoratreuen Judentums veranstaltete Sonntag, den 21. März, lA% Uhr abends, im Festsaale des alten Rathauses einen überaus gut besuchten Vortragsabend, in welchem Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, der vor kurzem von einer Reise nach Palästina zurückgekehrt ist, über seine „Eindrücke in Erez« Jisroel" berichtete. Er gab ein ungeschminktes Bild der tatsächlich in Palästina herrschenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zustände. Man mache sich hier von der derzeit auf ganz Palästina, besonders aber auf dem jüdischen Hauptorte Tel-Äwiw lastenden schweren wirtschaftlichen Depression gar keinen Begriff. Das traurige an dieser furchtbaren Wirtschaftskrise ist es, daß sie gerade den jüdischen Mittelstand, die sogenannte IV. Aliah, am schwersten getroffen hat, einen Stand, der durch seine geistigen und finanziellen Kräfte viel zum Wiederaufbau hätte beitragen können. Dr. Kohn sprach sodann auch über die A r a b e r f r ä g e, welche durch die verfehlte jüdischnationale Politik mutwillig verschärft worden sei, und über das Verhältnis zur englischen Mandatarmacht. Er schloß seine von tiefer Begeisterung durchgedrungenen Ausführungen mit der Aufforderung an alle Anwesenden, das ihrige dazu beizutragen, damit sich auf dem der ganzen Menschheit heiligen Boden ein in der Treue zur Ueberlieferung wurzelndes und darum wahrhaft jüdisches Leben entfalten könne, das der ganzen Judenheit zur Ehre gereiche. Die. Anwesenden, unter welchen man den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde .Dr. Jacob 0 r n s t e i n, zahlreiche Kultüsvorsteher, Rabbiner lind andere hervorragende jüdische Persönlichkeiten bemerkte, lohnten die nicht nur inhaltlich, sondern auch in rednerischer Hinsicht hervorragenden Ausführungen Dr. Kohns mit reichem Beifall und Herr Kultusvorsteher Wolf Pappen heim, der den Vorsitz in der Versammlung führte, dankte dem Redner in warmen Worten. Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisenstadt und den sieben Gemeinden, bearbeitet von Dt. Bernhard Wachstein Wien-Leipzig, 1926. West-Ungarn,,unter dem Namen Burgen 1 and in den letzten Jahren der österreicheschen Republik angeschlossen, ist hiedurch dem allgemeinen Gesichtskreis nähergerückt worden. Sandor Wolf, ein ebenso literaturfördernder wie selbst literarisch tätiger Mann, hat das Verdienst, die Geschichte einiger im Burgenlande gelegenen jüdischen Gemeinden uns erschlossen zu haibeit, und zwar sowohl durch eigene Arbeiten wie namentlich durch Herausgabe der grundlegenden Werke Doktor Wa.chsteins. Die im Jahre 1867 erfolgte innerpolitische Trennung Ungarns von Oesterreich hatte es bewirkt, daß auch das jüdische Leben West-Unga/rns vollständig von dem der Wiener Judenheft abgeschnürt wurde. Die sieben Gemeinden (Schebah-Kehiloth), Eisenstadt, Mattersdorf, Lackenbach, Kobersd'orf, Deutsch-Kreuz, Frauenkirchen und Kittsee, von denen viele Angehörige in Wien wohnhaft sind, schienen viel entfernter zu liegen, als etwa Brünn, Prag oder selbst Krakau undl Lemberg. Sandor Wolf, ein Sohn der bekannten, angesehenen Eisenstädter Familie Wolf, hat es sich zur Aufgabe gestellt, durch Herausgabe der ,JEisenstädter Forschungen" das geschichtliche* und kulturelle Leben seiner Muttergemeinde, aber auch der anderen vorher genannten» Gemeinden wßeder aufleben xa lassen. Ais zweiter Band dieser Forschungen) sind jüngst erschienen: „Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisetnstadt und den sieben Gemeinden, bearbeitet von Dr. Bernhard Wachst ein". Es tst dies ein umfangreiches Werk, Großquart, nicht weniger als 776 Seiten zählend und mit zahlreichen Abbildungen versehen. Der Verfasser will, wie er in der Einleitung betont, auf Grund der erhallten gebliebenen Gemeindebücher, Protokolle der Vereine und privaten Urkunden und Dokumente „den Alltag einer verflossenen) Zeit in seinem Gewände wieder vorführen." Das Werk enthält sechs Teile: Heimatsrecht, Tekkanoth (Statteten), Gemeindegebarung, Strafrecht, Gemeindefunktionäre, die „stehen Gemeinden'*. Der Verfasser'weist auf die Eigenart dieser „sieben Gemeinden" hm. Alle lagen auf dem Territorium des fürstlichen Hauses Eszterhäzy. Als Kaiser Leopold im Jahre 1670 die Juden Wiens und Niederösterreichs vertrieb, zog ein Teil derselben nach diesen „sieben' Gemeinden", die hierdurch zu einem neuen Aufblühen gelangten. Es ist für den KulturhJstoröker von Bedeutung, auf Grund der Angaben des Verfassers feststellen zu könne», daß die beengenden wirtschaftlichen Fesseln* wie sie die Juden Deutschlands zu tragen hatten, in den sieben Gemeinden nicht vorhanden waren. Nach etoem ihnen erteilten Privleg durften sie allerlei Handwerk ausüben. Es gab demgemäß unter ihnen Schneider. Schuster, Kürschner, Barbiere, und selbstverständlich war auch der Handel, den sie betrieben, keinesfalls eim sogenannter Kleinhandel. Die Judenheit dieser unter Obhut des fürstitchen Hauses stehenden sieben Städte bildete eine geschlossene Einheit, die nicht selten in -geiriefcnsamen Konferenzen Beratungen abhielt. Eine Fülle von talmudischrituellen sowie historisch-literarischen Angaben wird der Spezialforscher diesem Buche entnehmen können, aber auch der Laie als solcher kann diesem Werke, in dem die hebräischen Texte in deutscher Uebersetzung wiedergegeben werden, viel Interesse abgewinnen. Neuzeitlich, wenn auch talmudisch bereits begründet, muten uns die Verwarnungen zur Unterdrückung des unlauteren Wettbewerbes, die Fürsorge der Gemeinde für die Mieter und schließlich das Eingreifen des Vorstandes zum Schutz der Dienstangestellten an; ebenso eine scharfe Stellungnahme gegen weibEche Toiletten mit „offenem Halse und unbedeckten Schultern. Das Buch ist in seiner Gesamtheit sowie in den einzelnen Teilen mit jener Gediegenheit und Akribie bearbeitet worden, welche alle Werke des bekannten Gelehrten Doktor Wachstein auszeichnen und bedeutet einen Gewinn für die jüdische Kultur- und Geschichtsforschung. Dr. M. Rosenmann. Max Schwager. Agende für Trauungen. Selbstverl ig. Wien IL, Zirkusgasse 50. Der rührige Tempelverwalter der israelitischen Kultusgemeinde, der bereits für das Ritual bei Beerdigungen ein brauchbares Handbuch geliefert hat, entspricht nun einem gleichfalls von allen Kultusfunktionären längst empfundenen Bedürfnis, indem er auch für Trauungen in dem soeben erschienenen, durchaus geschmackvoll ausgeführten, mit einem künstlerisch ausgeführten Titelblatt eingeleiteten Büchlein eine, insbesondere den Wiener Verhältnissen angepaßte Agende beistellt. Sie bietet nicht nur die einschlägigen hebräischen Texte, sondern auch die Not~*n der entsprechenden Sulzerschen Vertonungen. Diese zu nächst für den Fachmann bestimmte Zusammenstellung greift aber über den engeren Rahmen hinaus und gewinnt die Bedeutung eines Geschenkwerkchens und Erinnerungszeichens, indem ein eigenes Blatt für Datum und Ort der Traubing sowie die Namen des Brautpaares, des Rabbiners, der die Trauung vollzogen hat, des Kantors und der Trauzeugen vorgesehen ist. Es empfiehlt sich, daß alle diese Beteiligten eigenhändig ihren Namen eintragen. So kann die ansprechende Agende ein wertvolles Gedenkbuch werden. Wir begrüßen diese Neuerung als einen Fortschritt und wünschen der Publikation weiteste Verbreitung. G. „The Aftermath Seriefc". ad by H. M. Du Bose, D. D, Nashville, Tenn., Lamar and Barton 1923-25. Der Methodisten- Bischof Du Bose gibt unter obigem Gesamttitel eine Reihenfolge von populär gehaltenen Einwendungen gegen die modernt Bibelkritik heraus. Wer den Kampf gegen Wellhausen und seine Schule, der vor Jahren bereits eingesetzt hat, nicht zu verfolgen m der Lage war. wird durch diese Heftchen überrascht und davon überzeugt, daß so lange wie ein Alp auf den Geistern gelegen hat, was man als „höhere Kritik" ehrfurchtsvoll anzustaunen und nachzubeten gezwungen war, wenn man als halbwegs zurechnungsfähig gelten wollte. Ueber die Arbeiten von Kegel, der mutig von Wellhausen abrückt, haben wir in der „Wahrheit" schon früher berichtet. Die vorliegenden Heftchen haben zu Verfassern: Nr. 1: „The Crisis of Criticism" u. Nr. 9: „The Law and the Prophets" den Herausgeber; Nr.5: „The Integrity of the old Testament" den bekannten jüdischen Anti-Wellhausianer Har. M. Wiener; Nr. 6: „Archaeology versus Wellhausnism" Sellin, Nr. 8: „The Five Books cf Moses and the Ouestion of Their Origin" Loehr. Man sieht, es sind gute Namen, die sich in dieser Serie zusammenfinden und dementsprechend sind auch die von ihnen ins Treffen geführten Argumente von durchschlagender Kraft. Es ist eine Umkehr der Bibelwissenschait zu verzeichnen; nicht aus äußeren Rücksichten, sondern als Folge der Fortschritte in der Kenntnis des alten Orient und erneuter Ueberprüfung der als ein Noli me tangere angesehenen Instanzen der modernen Bibelkritik. Wir wünschen den Heften baldige gleichwertige Fortsetzung. M. H. Hoppeler: „Bibelwunder und Wissenschaft" (Stuttgart 1925, J. F. Steinkopf). Ein Arzt verteidigt hier den Wunderglauben, nicht obgleich, sondern gerade weil er naturwissenschaftlich geschult denkt Daß der Witwe zu Zarphath Mehl und Oel sich nicht mindert, hat sein Aequivalent im Radium. Die Eselin Bileams findet ihresgleichen in Eberfeld im klugen Hans, anderen rechnenden Pferden usw. Auch die strengste