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Die Wahrheit · 1926-03-29 · Heft 14-15 (29.3.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 14-15 (29.3.1926)
Date
1926-03-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAflRHElT Nr. 14/15 Arabisch und Hebräisch die gleiche gesetzliche Geltung besitzen, ist der Jade vor den Gerichten, Behörden und der Polizei, gegenüber dem Araber im Nachteil, weil da überall nur arabisch amtiert wircfc Mit jüdischem Geld wurden hingegen arabische Sohulen und Spitäler geschaffen und außerdem der Regierung ermöglicht, Ersparnisse zu machen, da der' Ueberschuß im palästinensischen Staatshaushalt im Jahre 1925 über eine Million ägyptische Pfund betrug. Durch 'diese, man könnte fast sagen, ausgesprochen ju den feindlich e Wdrtschafts- und Finanzpolitik hat die englische Verwaltung dazu beigetragen, das wirtschaftlich noch schwach entwickelte Land, dafs selbstverständlich unter einer Weltwirt- Schaftskrise schwerer zu leiden hat als Länder mit einer wohlfundierten Wirtschaft, in eine schwere Krise zu stürzen, die vom Redner als Depressions- und Müdigkeitskrise bezeichnet wurde. Diese Krise beschränkt sich nicht mehr allein auf Tel-Awiw, wenn sie auch in dieser Stadt aus lokalen Gründen in besonders katastrophaler Form zum Ausdrucke kommt, sondern ist im ganzen Land in mehr oder weniger hohem Grade zu verspüren, von ihr ist natürlich auch die arabische Bevölkerung des Landes betroffen, wenn auch die jüdische Bevölkerung, die heute mit 150.000 Seelen 17 .Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, am schwersten darunter zu leiden hat. Dr. Wolfgang Weisl der auch bei den letzten Wahlen in die Assefath Hanischarim, die jüdische Nationalversammlung, gewählt worden ist, befürwortet eine aktive jüdische Politik in Palästina, ohne sich jedoch näher darüber zu äußern, was er darunter versteht. Auch wir sind der Ansicht, daß schwerwiegende Fehler der englischen Mandatarrnacht den Ausbruch der Krise in Palästina, die aus einer Krise der Wirtschaft zu einer allgemeinen Krise zu werden droht, wenn auch nicht unmittelbar verursacht, so doch gefördert haben. Dennoch aber müssen wir feststellen, daß auch die zionistische Politik nicht von jeder Schuld freizusprechen ist. Insbesondere aber haben die extremnationalistischen und radikalsozialistischen Bestrebungen gewisser palästinensischer Kreise eine politische Atmosphäre geschaffen, unter der das Aufbauwerk kaum gedeihen kann. Verstellt Dr. Weisl unter einer aktiv jüdischen Politik den Kampf gegen diese destruktiven Tendenzen, dann bedeutet dies tatsächlich einen möglichen Ausweg aus der schweren Krise und einen Weg4' zu dauernder Gesundung. Wirtschaftshilfe. Während sich die deutschnationalen Studenten zur „Großdeutschen Tagung" in Wien zusammenfanden, um über kulturelle Aufgaben zu beraten, kam eine Meidung, die, obwohl aus dem Gebiete der Wirtschaft stammend, dennoch auf die Kultur gewisser Kreise ein grelles Licht zu werfen geeignet äst. In der Stadt genannter Tagung befindet sich nämlich eine „Wirtschaftshilfe für die deutsche Student ensehaft", gewiß eine Institution, die in einer Zeit, in der sich viele Studierende in wirtschaftlicher Bedrängnis befinden, allgemein segensreich wirken könnte. Wir sagen ausdrücklich „könnte", denn in Wirklichkeit ist die segensreiche Wirksamkeit genannter Institution nur auf einen Weinen, ja sogar einen sehr kleinen Kreis Studenten und NichtStudenten beschränkt gebliebe«. Dafür hat dieser kleine, aber erlesene Kreis, der aus den ehrenamtlich bestellten Funktionären dieser Institution besteht, eine um so ausgiebigere „Wirtechaftsbilfe" bezogen. Wie nämlich die „Arbeiter- Zeitung" in Erfahrung gebracht hat, sind bei der „W i r tschaf tshilf e", die ganz in die Hände hakenkreuzlerischer Studenten geraten ist, Zustände eingerissen, die selbst in einer Zjeit ärgster Sittenverderbnis kaum mehr übertroffen werden kfenen. Arme Studenten wurden beim Geldwechseln betrogen, üflem Wechselkurse direkt erfunden wurden. Bedenkt man nfMlch, daß in Wien viele deutsche Studenten aus den Nachfolgestaaten, Polen, Tschechoslowakei, Rumänien usw. studieren und ihre oft recht armseligen Unterstützungen von ihren im Auslände wohnhaften Augehörigen in fremden Valuten ermatten, dann wird man die ganze Roheit dieser auf ihr Ariertufli so stolzen Herren von der Wirtschaftshilfe erkennen, die sich nicht gescheut haben, sich mit einem jüdischen „Gesinnangsgenossen" namens Feingold zu vereinigen, um so ihre Kameraden, die sich vertrauensvoll an sie gewandt hatten, bf«ser schröpfen zu können. Diese Studentenausbeutungsgejseülschaft m. b. H. „Hakenkreuz, Feingold & Co." betrieb jedoch noch viel großzügigere und lukrativere Geschäfte als es das Oeldwechslergeschäft ist. . Eine Liebesgafcens endu n g von 5000 Kilogramm Kakao wurde statt aii arme Studenten verteilt, ian einen jüdischen Kolonialwarenhändler um teures Geld verkauft, ebenso wurden S t o f f e, die die „Wirtschaftshilfe" aus England fast geschenkt erhalten hatte; M einer-Weiseverwertet die 4en Absichten der Spender sicher nicht entsprach. Herr Feingold hat; wie die „Arbeiter-Zeitung" weiter berichtet, nicht nur den hakenkreuzlerischen Leiter der Wirtschaftshilfe ausgehalten, sondern auch einen mit der „Wirtschaftshilfe" in Beziehung stehenden Ingenieur die Sorge für Küche und Keller abgenommen. Das Rektorat der Wiener Universität hat nun genanntem Blatte eine „Berichtigung" eingesendet, der wohl nichts hinzugefügt zu werden braucht. In dieser wird erklärt, daß erstens die von Herrn Feingold einzelnen Funktionären gemachten Geschenke (Was zum Teufel haben überzeugte Rassenantisemiten von einem Juden für Geschenke anzunehmen? d. Red.) wegen ihrer Geringfügigkeit (!) nicht den Charakter einer Bestechung (was für einen denn? d. Red.) haben, daß zweitens der gespendete Kakao wegen seiner Beschaffenheit am besten (am besten?) durch Verkauf zu verwerten war und daß drittens nur ein geringer Teil (!) der Stoffe an die Firma Blaustein & Mautner weiterverkauft wurde". Das Rektorat kam demnach zu dem Schlüsse, „daß kein Anlaß zu einem disziplinaren Einschreiten vorliege". Ob nicht vielleicht gar ein Anlaß zu einem Einschreiten von ganz anderer, nämlich der staatsanwaltschaftlichen Seite vorliegt, wird sich wohl bald herausstellen. Inzwischen werden wir uns damit begnügen müssen, wieder einmal einen tiefen Blick in die Abgründe der Hakenkreuzseel'e geworfen zu haben. Was Henry Ford nicht weiß und was er weiß. Das „Berliner Tageblatt" brachte vor kurzem ein Interview ihres amerikanischen Korrespondenten Dr. Max Jordan mit dem Milliardär, Antisemiten und gewesenen Präsidentschaftskandidaten Henry Ford in Detroit. Auf die Frage, was er über die Lage in Europa denke, erwiderte Ford: „Ich habe keinerlei Meinung darüber. Ich verstehe nichts davon. Ich weiß nicht einmal, wer gegenwärtig deutscher Reichspräsident ist.". Das folgende aber wußte er: „Die Deutschen"—setzte der Milliardär fort — „sind ein tühtiges, arbeitsames Volk. Was das Wirtschaftliche betrifft, so bin ich allerdings der Ansicht, daß die . Deutschen bald die jüdische Fuchtel spüren werden_____Die Die Deutschen können sich auf eine gehörige Ausbeutung durch die Juden gefaßt machen . . . Jetzt werden alle eure Arbeiter organisiert, und die Juden stecken dahinter, um die Gewerkschaften später für ihre Pläne der Ausbeutung auszunützen . . . Ich weiß Bescheid: die Juden sind am Ruder, sie haben bei der Ruhrbesetzung ihr Geschäft gemacht." Auf< die Frage des Korrespondenten, ob er auch Stinnes für einen Juden halte, erwiderte Ford: „Stinnes! Bitte, sagen Sie mir, wo sein Geld hingekommen ist. Heute haben seine Söhne nichts mehr. Die Juden haben alles gekriegt." — Der Korrespondent: ..Andere Faktoren sind also Ihrer Meinung nach für die Beurteilung der europäischen Lage gar nicht heranzuziehen? Etwa die katholische Kirche? Der Völkerbund?" — Ford: „Ach was! Die werden ja doch alle von den Juden regiert! . . . Der Kaiser war auch in Judenhänden! Ich habe, das schon so vielen Deutschen gesagt, aber sie scheinen es nicht einzusehen.". Ein feiner Hakenkreuzler. Die „St. Polmer Zeitung" schreibt unterm 4. Februar: „Der frühere nationalsozialistische Parteisekretär v.on St. Pölten, Dr. Leopold Kern, wurde wegen Uebertretung des Diebstahls zu einer Woche Arrest bedingt verurteilt. Kern hatte von einem im Hotel Pittner eingestellten Lohnfuhrwerkswagen, auf dem Lebensmittel verladen waren, Eier und Butter gestohlens, wobei ihm ein junger Bursche namens Anton Prisching behilflich war. Letzterer wurde zu 48 Stunden Arrest bedingt verurteilt. Restant Guth II., Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes" Restaurant mit erstklassiger Küche Menü zu S 1.80 und 2 20 Übernahme"von Diners und Soupers in und ausser Haus Jeden Samstag unb Sonntag Souper bansant 3eben Sonntag fünf-Uf)r-Zee mit Zanz Zum Besuch ladet höfl. ein J. GUTH, Besitzer

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