Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 14-15 (29.3.1926)
- Date
- 1926-03-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 14/15 DIE WAHRHEIT Seite Ii richten heißt, wenn man in den wesentlichsten Fragen schwankend, schwach und unklar ist. Dessen ist) sich der Zentralverein in seinen Auseinandersetzungen über inner- und außerjüdische Fragen bewußt gewesen. Aber diie Entgiftung dieser Auseinandersetzungen mußte herbeigeführt werden können! Man war sich vollkommen darüber klar, daß in der grundsätzlichen Stellungnahme zu den Jüdischnationalen auch nicht ein Jota aufgegeben werden könne. Der Zentralverein steht eben hier auf dem gleichen Standpunkte wie die „Union deutschösterreichischer Juden": Wir sind kein Volk im Volk, wir sind keine nationale Minderheit, wir sind gute Deutsche und gute Juden. Trotz aller Anfeindungen von außen und innen wurden diese Wahrheiten, die heute schon Binsenwahrheiten geworden sind, der ganzen Welt durch die Einmütigkeit der Hauptversammlung wieder bewiesen. Weit weniger wichtig als die Beurteilung der Jüdischnationalen überhaupt ist die Stellungnahme zum Keren H a j e s s o d. Auch hier hat die Hauptversammlung zur nötigen Klarheit geführt. Der bisherig« Standpunkt des Zentralvereines wurde mit allen gegen 18 Stimmen gebilligt: „Eine nationale Besiedlung Palästinas durch die Zionisteu unter; Zugrundelegung der Schaffung eines gemeinsamen Kulturzentrums in Palästina lehnen wir ab. und infolgedessen auch den dazu dienenden Keren Hajessod, umsomehr, als wir in Deutschland genug zu tun haben. Damit sind wir keineswegs Gegner Palästinas. Viele von uns haben mit unserem seligen Führer Hirsch Hildesheimer begeistert im Esra zusammengearbeitet, wir alle billigen und wünschen den Aufbau Palästinas auf religiöser Grundlage, keiner von uns verkennt das Heilige in der Verbundenheit mit der Stätte unseres Tempels, dennoch haben wir nichts gemeinsam mit denen, die auf dem Wege der Schaffung eines hebräischen Weltkulturzentrums die Juden aus der lebendigen Kultur ihrer Heimat entwurzeln und sie zu einer hebräischen Gesamtkultur zusammenschweißen wollen. Heute ist die Besiedlung von Palästina in erster Linie das Ziel der nationaljüdischen Politik. Viele von uns sind überzeugt, daß das einmal anders werden wird, und dann wird auch unsere Stellungnahme eine andere werden." Es bedeutet eine erhebliche Unklarheit ,wenn immer und immer wieder versucht wird, die sogenannte Neutralität des Keren Hajessod zu beweisen. Der Aufbau Palästinas, wie ihn der Keren Hajessod betreibt, ist rein nationaljüdisch, lediglich die Geldsammlung ist neutral. Auch' mit dem anderen Gegner des Zentralvereines dem Verband nationaldeutscher Juden, hat sich die Hauptversammlung beschäftigt, das umsomehr, als die Verfolgung des bewährten C.-V.-Vorstandsmitgliedes Dr. Marx (Karlsruhe) wegen seiner Broschüre „Das deutsche Judentum und seine jüdischen Gegner" dazu geführt hat, daß ihm von Sanitätsrat Peyser der Vorwurf der Fälschung gemacht wurde. Die vom C. V.-Vorstand einberufenen Gitta cht er kommission. die aus Rabbiner Dr. Baeck, Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas und Justizrat Hugo Sonnenfeld bestand, hat diesen Vorwurf als gänzlich unbegründet bezeichnet. Mit schwerstem Bedauern nahm die Hauptversammlung zur Kenntnis, daß es auch hier dem Fanatismus gelungen ist, ohne jeden Grund der Welt das Schauspiel des Unfriedens zu geben. Dem Hauptvorstand wurde auf einen Antrag eines derjenigen Mitglieder, die für den Keren Hajessod eintraten, das Vertrauen mit allen gegen drei Stimmen, die aus dem Lager der Freunde Naumanns stammten, ausgesprochen. Die Einigkeit der Versammlung machte auf alle, die sehen wollten, einen erquickenden Eindruck. Im besonderen Maße hatte sich die Hauptversammlung mit den großen Fragen der C. V.-Arbeit zu befassen und hat infolgedessen neben der Technik der Mitgiiederwerbung und -erhaltung in einem Gesamtrahmen die jetzt bevorstehenden großen Aufgaben umrissen. Ein wichtiger Vortrag des Gemeinderabbiners Dr. Lewin aus Königsberg ..Das Positive in der Zenrralvereinsarbert" eröffnete diese Erörterung mit Ausführungen, die den Hörern unvergeßlich bleiben werden. Hatte Rabbiner Dr. Lewin das Positive der Zentralvereinsarbeit in innerjüdischer Beziehung berührt, so hatte sich Dr. Alexander (Krefeld), dessen Ausführungen praktisch von großer Bedeutung für die Zukunft sind, bemüht, die positiven Aufgaben in der deutschen Politik und insbesondere d«e Beziehungen zu den politischen Parteien zu beleuchten. Ihm kam es darauf an, zu zeigen, wie sehr der C. V. durch Mitarbeit an den großen politischen deutschen Aufgaben ohne Rücksicht auf allzu ängstliche Gemüter zu wirken vermag. Der überaus schwierigen Aufgabe der wirtschaftlichen Stellung der jüdischen Deutschen und ihrer Hebung, ferner dem Probleme des Boykotts, endlich der großen politischen Frage der Stellung zu den vaterländischen Verbänden wurde in eingehenden Referaten gedacht. Die Gesamtleistung des Vereines muß sich in erster Linie auf Aufklärung in jeder Breite und Tiefe erstrecken. Darüber ist man sich klar gewesen. Wie aber diese Aufklärung beschaffen sein muß, um wirksam zu sein, das hat Rabbiner Dr. G o 1 d in a n n (LeJpzig), einer der erfahrensten Vorkämpfer des C. V., vor Augen geführt. Größte Rührigkeit hat der Landesverband Groß-BerKn bewiesen, als er am Abend des zweiten Tages der Hauptversammlung nicht weniger als sechs große Versammlungen einberufen hat. Mehr als dre:Pig auswärtig* und Berliner Re<*rer rnd R du men sprachen in diesen gut besuchten Versammlungen und bewiesen, daß der Gedanke des Zentralvereines lebt, Sorgen wir dafür, daß auch unsere Wiener Freunde den gleichen Gedanken der „Union" verstehen lernen! Die palästinensische Wirtschaftspolitik der englischen Mandatarmacht wurde von Dr. Wolfgang Weisl, dem Berichterstatter der „Neuen Freien Presse", der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt ist, in einer jüngst aui Einladung des zionistischen Landeskomitees gehaltenen Rede einer scharfen Kritik unterzogen. Dr. Weisl zeigte, ein wie großer Kontrast zwischen der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung besteht, welche die Juden in Palästina erreicht haben, und der Behandlung, die sie von Seiten der palästinensischen! Behörden erfahren. In einigen krassen Beispielen führte er die schädlichen Folgen der» englischen Wirtschaftspolitik an, die noch durch die inangelnde Rechtssicherheit verschärft werden. Die rigorose Steuerpolitik bedeutet eine Erschwerung des Kolonisationszweckes, da der Zehent, der noch immer die Steuergrundlage bildet, geradezu eine Prämie für extensive und eine Strafe für die für den Wiederaufbau allein in Betracht kommende intensive Bewirtschaftung des Bodens bedeutet. Hierzu kommt, daß von Einwanderern, die auf bisher unbebautem Boden eine Kolonie gründen, bereits im ersten Jahre Steuern eingehoben werden. Ein Gegenstück zu dieser Landwirtschaftspolitik bildet die Industriepolitik der englischen Mandatarmacht. Nicht nur, daß die Industrialisierung des Landes in keiner Weise gefördert wird, lastet auf den im schweren wirtschaftlichen Kampfe stehenden Unternehmungen außerdem noch ein derartiger fiskalischer Druck, daß von einer Rentabalität keine Rede sein kann. Dr. Weisl warf die Frage auf, ob den Leistungen der Juden, die das Land urbar machen und außerdem eäne gewaltige Steuerlast tragen, auch entsprechenfde Gegenteistungen von seiten der Mandatarmacht gegenüberstehen, und zeigte wiederum durch eine, große Anzahl von Tatsachen, daE diese Frage leider mit einem entschiedenen Nein beantwortet werden muß. Die primitivsten jüdischen Forderungen an die Verwaltung, als da sind Straßenbau. Legung von Telephonleitungen, Zollerledchterungen und Ermäßigung der Transportgebühren auf den palästinensischen Bahnen werden kaum berücksichtigt. Trotzdem die drei Staatssprachen, Englisch, die ■*ta*ÄSÄ-1'** «'**»*o»enm ""«S^fä.«*« ^^^p""^» ^"^^^ Bedenket w der Thors des alten, schwer in Wien IllJochpse 21, des ersten bedrängten israelitisch» Tnobstununeniostitits jodischen Tauhstemweninstitirts der Weift