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Die Wahrheit · 1926-03-29 · Heft 14-15 (29.3.1926) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 14-15 (29.3.1926)
Date
1926-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Kr. 14/16 Wahrheiten vom Tage Kultuswahlen In Graz. Einem beispiellosen Terrorisnrus, einem mit größter Erbitterung geführten Wahlkampf und einer, wie auch der politische Gegner zugeben muß, tadellos funktionierenden Agitation der Jüdischnationalen ist es gelungen, einenen Sieg zu erringen, einen Sieg allerdings, dessen Ausmaß weder die verausgabten Mengen von Geld, Drucksorten, Phrasen und Schlagworteu rechtfertigen, noch auch die von den JfidJsehnationälen an die Wahlen geknüpften Erwartungen erfüllt Ein Sieg, wenn auch ein Pyrrhussieg, ist es immerhin, da in die Grazer Kultusstube 11 Jüdischnationale, 9 Konservative und 4.Wirtschaftsparteiler einziehen. Und so hat das unverantwortliche und um momentaner billiger Wahlerfolge willen die politische Zukunft der Juden in Oesterreich vielleicht gefährdende Treiben der Jüdischnationalen sowie auch das Eintreten einiger bisher unbekannter Gruppen in den Wahlkampf in der ruhigen und abseits von jedem politischen Kampfe gelegenen Stadt Graz zu einem „Erfolge" geführt, den das dortige Judentum wohl wird bezahlen müssen. Was nun? Werden die 11 Jüdischnationalen gegen eine Majorität von 13 Nichtnationale regieren? Werden sie mit der einen oder der anderen Partei ein Kompromiß schließen, das sie früher ablehnten? Dann werden sie wohl oder über einige von den einer ausschweifenden politischen Phantasie entsprungenen Wahlversprechuhgen unerfüllt lassen müssen, dann werden sie sich überhaupt zwar schweren Herzens, aber doch in Uebereinstimmung mit manchen „nationalistischen" Schlagworte gezwungen sehen, das jüdische Gesamtinteresse über das Parteiinteresse zu stellen. Wozu aber mußte dann ein erbitterter, mit allen möglichen Mitteln geführten Wahlkampf in der so ruhigen Stadt Graz entfesselt, wozu allen Judenfeinden das Schauspiel des Bruderkampfes geboten werd? „Aus nationalen Gründen". Ans dem natlonaldeutschen Judenlager. Unter diesem Titel veröffentlichten wir in Nummer 8 unserer Zeitschrift vom 19. Februar auf Wunsch des Herrn Robert Peiper eine Zuschrift, wonach dieser nicht mehr den Verband nationaldeutscher Juden angehört. In diesem Zusammenhange warfen wir die Frage auf, wie nun die Angelegenheit der verschiedenen ehrenrührigen Handlungen des Herrn Peiper erledigt werden würde. Auf diese Frage blieben wir bis heute von seiner Seite ohne Antwort, nun aber ist uns die erbetene Antwort indirekt von anderer Seite geworden. Im letzten Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden heißt es nämlich: „Ein jugendliches Mitglied unseres Wiener Schwesterverbandes, Herr Robert Peiper, hat an Vortragsabenden einige unserer Ortsgruppen, so auch in Berlin, über das Thema „Die Wahrheit über Palästina" gesprochen -.. Die Folge war ein Schreben, das die zionistische Organisation an unseren Vorstand richtete und In dem Herr Peiper einer Reihe nicht ganz einwandfreier Handlungen, insbesondere eines nicht korrekten Verhaltens in Geldangelegenheiten, denunziert wurde... Da wir Wert darauf legen, daß unseren Mitgliedern auch in perönlicher Hinsicht begründete Vorwürfe nicht gemacht werden dürfen, haben wir Herrn Peiper zur Aeußerung aufgefordert. Herr Peiper hat es daraufhin vorgezogen, aus dem Wiener Verband auszuscheiden." Sapienti sat. Germania-Molkerei. Zur gleichen Zeit, als der Prozeß gegen Gattermayer und Müller vor dem Schwurgerichte abgehalten wurde, fand in einem Nebensaale die Verhandlung gegen die Milchpantscher statt die mit ihrer Verurteilung zu einem halben bis eineinhalb Jahren Kerker geendet hat. Die Herrschaften von der „Germania- Molkerei" wurden des Betruges für schuldig erkannt, weil sie Spülwasser in die Milch geschüttet haben. Die Unappetitlichkeiten, die hu Milchpantscherprozeß zum Vorschein gekommen sind, wie zum Beispiel die Tatsache, daß Schmutzwasser, Asche, Zigarettenstummeln und dergleichen in die Milch geworfen wurden, sind durch die Unappetitlichkeiten, die im Qatterjnayer-Prozeß zutage getreten sind, bei weitem üt>ertroffen worden. Wir fragen, warum bloß die Verfehlungen der „Germania-Molkerei" in vollem Umfange bestraft wurden und nicht auch die, wie uns scheint, noch viel schwereren Vergehen, die in jener anderen „Germania-Molkerei" begangen wurden? Wenn $s strafbar ist Spülwasser in die Milch zu schütten, kann es erlaubj sein, ganze Jauchekübeln auf ehrlich schaffende Staatsbürger auszugießen? Wenn es strafbar ist, die Milch mit Schmutz und Unrat zu verfälschen, kann e_s straffrei bleiben, wenn die Milch der frommen Denkungsart durch ein wahrhaft ekelerregendes Geschmiere vergiftet wird? Herr Brunnmüller und Genossen werden es sich wohl überlegen, ihre Geschäftsmethodeh auch fernerhin zu praktizieren, Herr Gattermayer hingegen wird den teilweisen Freispruch mit Recht als einen Freibrief betrachten können, auch weiterhin über Gott Juden und Judentum nach Herzenslust zu schimpfen und zu hetzen. Er wird die ihm eingeräumte dreijährige Bewährungsfrist dazu benützen, um weiterhin eine wüste Judenhetze zu betreiben und seine Anhänger zu Gesetzesverletzungen aufzufordern. Will man warten, bis die nunmehr wohl in verstärktem Maße einsetzende Pogromhetze der „Deutschen Arbeiter-Presse", die ja hierfür keine Bestrafung mehr zu befürchten braucht, abermals jene blutigen Folgen haben wird, die wir so oft schon mit Schaudern erlebt haben, oder bis es Herrn Gattermayer einfallen wird, wieder einmal die JR e g i e r u n g s a u t o r i t ä t" durch sein© Angriffe zu verletzen? Generalmusikdirektor Hermann Lew. Wir brachten in einer unserer letzten Nummern eine Einsendung, wonach der bekannte Wagnerdirigent H. Levy als Christ gestorben sei Dies ist, wie wir von jemandem, der Levy bis zu seinem Tode nahestand, erfahren, ein Irrtum und sei mithin richtiggestellt Licht und Schatten wird von Theodor Fritsch, dem Altmeister des deutschen Antisemitismus, in auffallender Weise verteilt. In dem von ihm herausgegebenen „Hammer" (Nr. 570 v. 15. Lenzing 1926) gibt er zunächst ein Bild „Von der wahren Natur des Judentums" und schreibt: „Staunend und nicht ohne Bewunderung gewahrt die Welt den unheimlichen Aufschwung, der jüdischen Rasse. Vor einem Jahrhundert noch mißachtet und geschmäht, der bürgerlichen Ehrenrechte nicht teilhaft, nimmt das jüdische Volk heute eine beherrschende Stellung unter allen Nationen ein." Fritsch gibt auch den Grund an für diese wahrhaft bewundernswerte Entwicklung eines bis vor einem Jahrhundert mit Füßen getretenen Volkes, und zwar findet er, „daß die jüdische Gehirnkraft den Durchschnitt übersteigt". Er schreibt ferner: „Es kann nicht befremden, wenn mancher einfache, naive Nicntjude fast mit Verehrung zum Juden aufblickt und in ihm eine Art höheres Wesen erkennt." In dieser schmeichelhaften Tonart geht es noch eine Weile weiter und das „internationale Judentum" hätte allen Grund, sich bei seinem langjährigen erbitterten Gegner für die anerkennenden Worte zu bedanken, wenn — ja wenn alle diese Auszeichnungen nicht bloß die helle Umrahmung wären, damit die schwarze Verworfenheit des jüdischen Charakters umso krasser zutage trete. Ganz anders und in viel weniger anerkennender Weise spricht Herr Theodor Fritsch von seinen eigenen Gesinnungsgenossen: „In der völkischen Bewegung haben sich in den letzten Wochen recht unerfreuliche Dinge abgespielt. Völkische Versammlungen der Freiheitsbewegung wurden wiederholt von jungen Leuten gesprengt, die sich für Nationalsozialisten ausgaben und ein geradezu pöbelhaftes Gebaren an den Tag legen." Fritsch spielt hierbei auf einige Vorfälle an, die sich in jüngster Zeit innerhalb der Deutschvölkischen abgespielt haben und bei denen man sich gegenseitig beschimpft und bespien hatte. Mit Recht wirft er die Frage auf, „ob das die geistigen .Waffen' sind, mit denen der völkische Kampf geführt werden soll". Jeder Kenner der nationalsozialistischen Bewegung wird diese Frage ohne Schwierigkeit beantworten können und wiTd Herrn Fritsch voll und ganz beipflichten, wenn er schreibt: „Es scheint nötig, daß Hitler im Interesse seiner Bewegung in den eigenen Reihen eine gründliche Musterung hält und besonders seinen jugendlichen Freunden einige Anleitun- ^gen für gesellschaftliches Wohlverhalten gibt" Hauptversammlung des Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Trotz der wirtschaftlich schweren Zeiten war die Hauptversammlung des Zentralvereihes von Abgeordneten der Landesverbände und der Ortsgruppen ebenso wie von Mitgliedern des Hauptvonstandes gut besucht. Den besten Beweis für die Vorzüglichkeit und Lebensfreudigkeit des Zentralvereines hat dies® Tatsache gegeben. Namentlich war die Kundgebung am Vorabend der Hauptversammlung, die die „Wege zum inneren Frieden im deutschen Vaterland'" zum Gegenstand hatte, ausgezeichnet besucht. Dies© „Wege zum inneren Frieden" suchte man auch am ersten Siitzungstage in den inner jüdischen Ftiagen des Zentralvereines zu finden. Man weiß, wie sehr gerade dem deutschen Judentum dieser Friede notwendig wäre. Man weiß auf der anderen Seite, daß eine Einigung im Grundsätzlichen nicht möglich ist und daß es jede Bewegung zugrunde

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