Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 14-15 (29.3.1926)
- Date
- 1926-03-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 14/15 det werden könnten, der Aufmerksamkeit hakenkreuzlerischer Schriftsteller bestens zu empfehlen, z. B.: „Von Kindheit auf ist mir nichts abscheulicher gewesen, als Verfolgungen oder persönliche Beschimpfungen eines Menschen über seine Religion." (Man ändere an dem Worte „abscheulicher" nur einige Buchstaben und keine Aeußerung Herders kann einem echten Antisemiten „erfreulicher" klingen.) Herder schreibt an einer anderen Stelle: „Die Juden waren und sind das ausgezeichnetste Volk der Erde, in seinem Ursprung und Fortleben bis auf dem heutigen Tag, in seinem Glücke und Unglücke, in Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz des Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften hatte, die wir von ihm wissen und haben." (Man streiche die erste Silbe von „ausgezeichneteste", lasse dann noch ein paar Worte fort und Herder ist für die Antisemiten gerettet.) * * Herr Hammer-Fritsch, der kürzlich aus einem Ehrenbeleidigungsprozeß mit einer verhältnismäßig geringen Geldstrafe hervorging, brüstet sich seither unausgesetzt in der possierlichsten Weise mit dem großen Erfolge, den er angeblich gegen die Juden errungen. Der alte Mann, dessen Gedächtnisschwund wohl begreiflich wäre, glaubt vielleicht, auch bei dem Leser die Erinnerung an den kleinen Umstand verwischen zu können, daß er durch dasselbe Urteil denn doch äuch zum Verleumder gestempelt wurde. Er ignoriert nämlich, daß das gütige Urteil eigentlich nur auf dem seltsamen Milderungsgrund basiert ist, daß der 72jährige Herr Fritsch durch seine einseitige Auffassung des Antisemitismus sich schon derart an Lügen und Verleumden gewöhnt hat, daß man es eigentlich gar nicht so ernst zu nehmen brauche. Man wird übrigens den Stolz Fritsch's auf dieses Urteil begreiflicher finden, wenn man weiß, daß der alte Judenfeind auch auf das Gutachten Prof. Kittels stolz ist, in welchem ihm seinerzeit wegen des Jahwe-Buches „gehässige Verdrehungen" vorgeworfen wurden und ausdrücklich gesagt wird, „Fritsch habe sich weiterhin in einzelnen Fällen gerade . positive Unwahrheiten zu Schulden kommen lassen", daß das, was er „vorbringt, nicht allein unwahr, sondern zugleich von so kindlicher Unwissenheit zeuge, daß man sich allen Ernstes fragen müsse, ob die geistige Verfassung dessen, der so etwas drucken lassen kann, ein wissenschaftliches Gutachten über das Geschriebene und nicht vielmehr ein solches über den Schreiber lohne" usw. usw. Dieses zermalmende Gutachten enthielt allerdings auch den Milderungsgrund für Fritsch: sein Buch mache nicht den Eindruck „des bewußten Lügners und Fälschers, sondern nur deu des Fanatikers und Dilettanten." Auch eine Ehrenrettung? Gut. Aber schließlich, gar so eingebildet braucht auch ein Antisemit nicht darauf zu sein, daß ein Gericht gegen ihn nachsichtig ist, weil es ihn für einen alten Narren erklärt und ein Gelehrter zu der Meinung kommt, er sei nur — ein unbewußter Lügner und Fälscher. * * * Den Führern der Hakenkreuzstudenten in der „Wirtschaftshilfe der Studenten der Hochschulen TAUWO Pflanzenmargarine nt?D Ansgiebig Bekömmlich Nahrhaft Knnerolwcrkc A. 0. Wien Oesterreichs" wurde von der „Arbeiterzeitung" der Vorwurf gemacht, daß zwischen ihnen und einem Herrn Feingold eine seltsame Geschäftsverbindung bestand, daß sie Liebesgaben, statt an arme Studenten zu verteüen, an jüdische Händler verkauften und auch geschenkte Stoffe aus England jüdischen Textilfirmen überließen, usw. usw. Das Rektorat der Wiener Universität ist den bedrängten Hakenkreuzlern jedoch mit einer Erklärung zu Hilfe gekommen, in welcher gesagt wird, daß kein Anlaß zu einem disziplinaren Einschreiten vorliege, da die armen Studenten nicht geschädigt wurden und die von Herrn Feingold einzelnen Funktionären gemachten Geschenke wegen ihrer Geringfügigkeit nicht den Charakter einer Bestechung hatten. Mit keinem Worte wird bestritten, daß die Führer der Hakenkreuzstudenten just mit Trägern prononcierter Namen in Geschäftsverbindung getreten waren. Man sieht also, daß die hakenkreuzlerischen Studenten eigentlich wegen ihrer Beschiedenheit und konfessionellen Vorurteilslosigkeit das höchste Lob und die ehrendste Anerkennung verdienen. * * In einem Lande, in dem gewisse Attentäter sich eines größeren Schutzes seitens der irdischen Gewalten erfreuen, als diejenigen, die so oft zur Zielscheibe eines lebensgefährlichen „patriotischen" Ueberschwanges dienen, ist ein Jude umsomehr auf Gottes Hilfe angewiesen. Er wird daher, nach einer überstandenen Lebensgefahr freudig einer uralten jüdischen Tradition folgend, seinem Dankgefühl für die Rettung in der Synagoge vor der versammelten Gemeinde Ausdruck verleihen. Und: so wußte man in Budapest, daß Wilhelm Väzsony, nachdem er