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Die Wahrheit · 1926-03-29 · Heft 14-15 (29.3.1926) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 14-15 (29.3.1926)
Date
1926-03-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14/15 DIE WAHRHEIT Seite 3 s Herr A. B. schreibt uns: Zu dem erschütternden Bilde, das Sie von der Lage der „fremden" Juden in Wien während der „Toleranz"-Aera entworfen, möchte ich mir erlaube«, einen kleinen Beitrag zu liefern. Er dürfte ihre Leser umsomehr interessieren, als er auch die Erinnerung an den ersten jüdischen Hochschulprofessor in Oesterreich den großen Mathematiker Simon Spitzer weckt, dessen 100. Geburtstag in diesen Tagen gefeiert wurde. Ich folge hierin einer Mitteilung des Historikers Gerson Wolf, dem Professor Spitzer das nachstehende Erlebnis aus seiner frühesten Kmderzeit selbst erzählt hatte. Der Vater Simons lebte mit Gattin und acht Kindern in Wien als V.Fremder", der alle 8 bis 14 Tage die Verlängerung seines Aufenthaltes durch Erneuerung seines Passes erbitten mußte. Eines Tages war der Vater verhindert, selbst die gewöhnlich auch mit der Verabfolgung eines kleinen Geschenkes an den Polizeimann verbundene Prozedur durchzuführen, und betraute den damals achtjährigen Simon mit dieser Mission. Der Knabe ging zur Linie hinaus, kehrte dann bald wieder zurück und stellte sich dem Polizeimann mit einem Händedruck und dem Passe des Vaters vor. Er wurde hierauf gefragt: „Wie alt?" Der Knabe antwortete präzis: „54 Jahre." „Verheiratet oder ledig?" „Verheiratet." „Wie viel Kinder?" „Acht." Der würdige Familienvater bekam hierauf den nötigen Schein und durfte dann in glücklich wiedergewonnener Kindlichkeit in das Elternhaus zurück. Werbet und verbreitet die „Wahrheit!" mand erinnert sich seiner, nur Serach, die Tochter Aschers, die fiaskara, weiß es zu künden! — An das Grab Josefs im Flußbette des Nil war ein geheimnisvoller Spruch ägyptischer Zauberer geknüpft: „Israel wird nicht eher aus Aegyptens Knechtschaft ausziehen, als bis man das Grab Josefs entdeckt!" Der Zauberspruch hat tiefen Sinn. Kein Volk und kein Einzelner ringt sich aus dem Frondienste des Lebens zur Freiheit, wenn er nicht der Ahnen und Vorfahren Gräber findet. Der Strom des Lebens rauscht dahin. Tief unter den Wassern ruht der Rest unserer Vorzeit. Dort ist das Grab Josefs, des Träumers, des Idealisten, den man einst um zwanzig Silberstücke verkauft hat. So hat manch einer Vergangenheit und Idealismus um Gewinn des Lebens verkauft, aber das Leben mit seinen praktischen Forderungen geht darüber hin, bis er die Gräber der Ahnen findet und vom Frondienst des Lebens befreit, zum Idealismus zurückkehrt. — Als die Stunde des Auszuges bevorstand, stellte sich Moses an das Ufer des Nil und rief: „Josef, Josef, die Zeit ist da, da Gott Israel erlöst"; sogleich tauchte der Geist Josefs aus den Fluten empor. Moses gleich ruft die Schlußstunde des Festes: „Die Zeit ist da", und die Vergangenheit lebt auf. Kindheit und Jugend, Liebe und Güte der Eltern wird im Geiste lebendig, ersteht zu greifbarer Wirklichkeit. — „Der Strom ist gesegnet worden", so sagen unsere Alten, „um des Sarges willen, der in ihm ruhte." Den Segen unseres Lebens, was wir erreicht haben, geworden sind, haben wir oft einem teueren Grabe zu danken und dem, der darin ruht. — Als Israel nun durch die Wüste zog, wurden zwei Laden ihm vorangetragen, die eine, in der das Gebot Gottes war, die andere, in der die Gebeine Josefs lagen. Maskir ist der Erinnerer, der zu uns spricht: „Ziehet eures Weges und traget voran: Glauben an Gott und Treue gegen die Toten!" K. PESSACH Kaffec-Zasafi in braunen Schachteln laut Attest Sr. Ehrwaiden des Herrn Ober- Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau *m -ra» erlttOUdb Kos« auch heuer wieder in garantiert reiner und austgieblüer Ouallittl zu haben bei neinridi Franc!. Söhne in Hosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ctoer-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern so daß sämtliche Erzeugnisse Yeriaoiltfi koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Interesse recht genau die branne Farbe aar Sduuhtei die Sdioizmarke h ArrcinDiiLE und die Unterschrift neinridi ibanck seine Splitter *) (Zu den Sephlratagen.) Zwei Freunde, die in einem kleinen, entlegenen Städtchen jahrelang in großer Not und Armut lebten, faßten eines Tages den Beschluß, ihre Heimat zu verlassen und sich nach jenem entfernten Lande zu begeben, von dem es allgemein hieß, daß in seinem Boden kostbare Edelsteine zu finden wären. Es drang nämlich zu ihnen die Kunde von einem Manne, dem es in jenem entfernten Lande gelungen se?, durch Graben des Bodens einen großen Edelstein von kostbarem Werte zu finden, wodurch er mit einem Schlage zum reichsten Manne des ganzen Landes wurde. Auch sie wollten dasselbe tun; auch sie wollten graben und einen großen Edelstein suchen, um ihrer drückendsten Not ein Ende zu machen und zu Reichtum zu gelangen. In jenem fernen Lande angelangt, machten sie sich sofort an die Arbeit. Sie gruben fleißig und anstrengend Tag und Nacht, gönnten sich keine Ruhe und Rast, nur von dem einen Wunsche beseelt, den lang ersehnten großen Edelstein zu finden, auf den sie so viele Hoffnungen setzten. Allein all ihre Mühe und Anstrengung erwies sich als vergeblich: der große Edelstein — sie konnten ihn trotz eifrigsten Suchens nicht finden. Da erblickten eines Tageseiner dieser Freunde einige kleine Steinchen, die bei näherer Besichtigung gar wunderbar glitzerten und schimmerten und die der andere achtlos beiseite schob. Er nahm sie an sich, reinigte sie, so gut er es verstand und trug sie zu einem Händler, der sich mit dem Einkauf von Edelsteinen beschäftigte. Dieser erklärte sie als Edelsteinsplitter, die bei weitem den Wefti großer Edelsteine nicht besitzen, die aber, wie er hinzufügte, trotzdem nicht ganz ohne Wert wären. Er bot ihm dafür einen mäßigen Preis, mit dem der Verkäufer sich umsomehr zufrieden gab, als er in deren Erlös dien ersten sichtbaren Erfolg seiner mühevollen Arbeit erblickte; er grub mit unvermindertem Fleiß und gleicher Ausdauer weiter, aber er suchte nicht mehr ausschließlich nach dem großen Edelstein, sondern achtete jetzt auf jeden Splitter, den er entdeckte und sorgfältig aufbewahrte und veräußerte. Er gab allmählich das *) Aus dem interessante^ Werke „Gleichnisse und Parabeln" (Brünn 1925) des bekannten Homiletikers Rabbiner Dr. F. Kanter in Zwittau (Mähren).

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