Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 13 (22.3.1926)
- Date
- 1926-03-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063973-3063985--14437-3081995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 13: " DIE WAHRHEIT Seite 3 wiederumfest,-daß in Berlin selbst vor und nach dem . WaffenstillstamPder deutsche Jude steht, der den Bundesstaatefl fremd gegenübersteht, aber der nur Bürger des Reiches sein will, der Jude, der die deutsche Einheit aufrechterhalten hat, für deren Schaffung er der Bundesgenosse Bismarcks gewesen ist." Ohne sich der Unlogik und der Ironie bewußt zu werden, die ihre These in sich trägt, rufen die vereinigten ungarischen ehr istli curia: tiöha 1 en Verbände in Budapest zur Gründung eines „Bundes rassenbewußter Kreise verschiedenster Völker" auf, Und sie wollen, daß ein „Schutz- und Trutzbündnis entstehen solle als Antwort auf die. bisherigen Internationalen, ein Bündnis, so mächtig, so einig, so hehr, wie es die Weltgeschichte noch nicht gesehen". An den Aufruf zur Gründung der antijüdischen Allianz, der von der Gemeinschaft deutschvölkischer Verbände ausging, und dessen Widerhall in den ehemals feindlichen Ländern die völkischen Zeitungen mit seltsamer Genugtuung schilderten, schloß sich zunächst eine Zwischentagung in Stuttgart an. Eine, „aÜvölkische Tagung der Judengegner aller Länder" wurde in Aussicht genommen. „Unter welcher Sonne, auf welchen Ländern und Inseln ihr auch lebt, Männer und Frauen eines nichtjüdischen Blutes,, das nun endlich in allen fünf Erdteilen gegen die Anmaßung und Ausbeutung der Hebräer aufwallt — hört den Ruf aus Deutschland, das, wie kein anderes Volk, von den Alljuden betrogen, verleumdet und krank gemacht wurde — und bildet mit uns, die mit euch wiede,r gesunden wollen, den großen, menschhevtserfüUenden Nichtjudenbund: die ,.Alliance universelle!" Inzwischen wurden Vorbesprechungen für eine „Germanentagung" auf Rügen im Jahre 1924 gepflogen. Im August 1925 hieß es dann in völkischen Blättern: - : „Eine frohe Botschaft wird uns aus Amerika gemeldet. Henry Ford . . . trifft großzügige Vorbereitungen zur Gründung einer mächtigen, alle Völker und Länder umfassenden antisemitischen Internationale unter der Devise: Antisemiten aller Länder vereinigt euch!" Im Oktober 1925 ist es dann endlich zu dem antisemitischen Kongreß in Budapest*) ge- *) Dort fanden auch vor kurzem neuerliche Besprechungen der „Antisemiten aller Länder" statt; aus Oesterreich erschienen S c h a g e r und Teufel. D. Red. Dife Opfer, Steuern, und Abgaben dürfen nicht dazu führen, daß die Begeisterung für die Religion oder unser Volkstum erlischt und man von Tempel und Altar, Priestern und Volk, Religion und Land nichts mehr wissen will. Das Opfer, das gebracht wird, darf die Flamme nicht ersticken. Schließlich darf das Feuer nicht erlöschen, wenn man die Asche entfernt. Die Asche ist der unbrauchbare Rest, der bleibt, wenn das Holz oder die Kohle verbrannt ist, wenn das Feuer wärmende und leuchtende. Flammen gespendet hat. Nach jedem Brande gibt es Asche; und auch nach jedem Feuer der Begeisterung bleibt eine Asche der Ernüchterung, ein kalter Rest zurück. Die Asche ist die Gleichgültigkeit. Sie ist fühllos, tot und deckt erstickend den letzten Funken der Glut zu. Wehe dem Feuer, bei dem die Asche mächtiger ist als die Glut, und keine hilfreiche Hand die Asche wegräumt, belebenden Lufthauch der Flamme zuführt. Die Asche wegräumen ist das wichtigste. Die Gleichgültigkeit beseitigen, entfernen ist Hauptaufgabe. Die Kraft der Lungen nützt ebenso wenig wie die Kunst des Blasebalgs, wenn die Asche das- Feuer bereits erstickt hat. Alle Mühe gilt dem Kampf gegen die Gleichgültigkeit. Sie ist die passive Resistenz, gegen die keine Macht aufkommt. Es gibt auch eine solche gegen Gott und Religion. Man bringt Holz zum Brande, man spendet Opfer und legt sie auf den Altar, aber es ist vergeblich. Kein "Feuer leuchtet und flammt, weil man die Asche nicht fortgeräumt hat. Aufgehäuft und aufgetürmt erstickt sie jeden Funken, der sich noch da und dort entzündet, tot ist Gefühl für Religion und Glauben. Darum heißt der Dienst gegen die Gleichgültigkeit, Lauheit und Trägheit — die Asche entfernen! . K. PESSicn Kaffee-Zusatz in braunen Schachteln laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober- Rdbbiner Simon Schreiber aus Erlau -KPD 1W werlfiOlidi lc«»S€3ft«r auch heuer wieder in garantiert reiner und aus^ieblder Quollltil zu haben bei Heinrich franch sehne in Kosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern so daß sämtliche Erzeugnisse werldaiitt hosdier sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucnt werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Interesse recht genau die braune rar De der Schachtel die Sdralzmarke KArrCEffitaLE und die Unterschrift neinrtdi FRAlVCli Söhne kommen. Die Verhandlungen dort sind in diesen Blättern geschildert worden. Der Weltkongreß verkündete, daß die Zeit nicht mehr fern sei, „wo der internationale Antisemitismus sich zur Tat aufraffe und die Juden abschütteln werde". In völkischen Zeitungen wurde bald bescheiden und einschränkend kundgetan, es habe sich um keinen Kongreß, nur um private Besprechungen gehandelt. Nach den beiden Kriegen also sehen wir die antisemitische Bewegung bestrebt, zu einem internationalen Zusammenschluß zu kommen. Daß beidemale die „Alliance antijuive universelle" nur verhältnismäßig geringe Erfolge zu erzielen vermochte, daß sich die Zahl ihrer Anhänger im wesentlichen doch immer wieder aus Deutschland, Ungarn, Rumänien und Rußland rekrutiert, bleibt für die Erörterung der Frage ihrer Zieleunerheblich. Nach den hier aktenmaßig zusammengestellten parallelen Vorgängen sollte man annehmen dürfen, daß von völkisch-antisemitischer Seite der Vorwurf einer „jüdischen Internationale" nicht mehr erhoben werden kann. Man sollte es annehmen können, sofern Vernunft und Logik der Dinge auch die völkische Bewegung regierten. Da aber in diesen Kreisen das erste Element der Bewegung der Haß ist, und ihm alle gedanklichen Erwägungen untergeordnet werden, so ist die Hoffnung gering, daß selbst dieses ausgezeichnete Beweismaterial Unbelehrbare und solche, die nicht belehrt werden wollen, überzeugen wird.