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Die Wahrheit · 1926-03-22 · Heft 13 (22.3.1926) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 13 (22.3.1926)
Date
1926-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 „Wir können auch deshalb mit dein Besuch des zweiten Kongresses zufrieden sein, weil er ein ganzes Netz — wenn auch mit weiten Maschen — über ganz Deutschland und Europa bildet, von dessen Knotenpunkten wieder nach allen Richtungen Fäden ausgehen." Das Spiel der achtziger Jahre wiederholt sich in der Nachkriegszeit unserer Tage: Wiederum eine starke antisemitische Bewegung, die dem gesteigerten NationaÜtätsbewußtsein des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts entsprechend stärker mit nationalem Geist, weniger mit ethischen Momenten arbeitet — wiederum im antisemitischen Lager der gleiche Drang nach internationaler Verbindung, diesesmal um so auffallender, als es sich bei dem modernen Antisemitismus angeblich um eine völkische Bewegung handelt, die die oberste Aufgabe der Staatenkunst in der Beschränkung auf die Zusammenarbeit der aus dem gleichen Blut geformten Menschen sieht. Die Bestrebungen zur Schaffung einer neuen antisemitischen Internationale beginnen fast unmittelbar nach dem Friedensschluß im Jahre 1920. In Wien bildete sich zunächst ein Initiativkomitee zur Schaffung einer „Weltliga gegen Juda". Zu Beginn des Jahres 1921 wurde in der antisemitischen Presse ein Aufruf zur Gründung einer neuen „Alliance antijuive universelle" veröffentlicht, und die „Deutschvölkischen Blätter" betonten in der Märznummer des Jahres 1921 mit Genugtuung, daß dieser Aufruf in Frankreich den begeisterten Widerhall gefunden habe, daß aus Polen Zustimmungen gekommen seien, und daß in England der Aufruf in der Monatsschrift „The hidden hand" mit Sorgfalt und Feinheit übersetzt worden sei! Auch in A m e r ik a sei der Aufruf verbreitet worden. Vom 11. bis 13. März 1921 fand dann in Wien eine Tagung der Antisemiten Oesterreichs, Ungarns und Deutschlands statt. Auf dieser Zusammenkunft wurde der Antrag eines Budapester Delegierten angenommen, noch für den Herbst 1921 einen Weltkongreß-der fijll Feuilleton |lül Die Asche entfernen! Ein bestandiges Feaer soll anf dem Altar in Brand erhalten werden; es darf nicti erlöschen. III, 6, 6. Von einem berühmten Volksredner des vorigen Jahi> hunderte wurde folgendes Gleichnis den Zuhörern erzählt. Ein Fürst bereiste ernst sein Land und sah Leben und Treiben seiner Untertanen. Er kam in ein Dorf, traf Leute bei der Schmiedearbeit an und sah, wie sie sich mühten, die Esse mit der Kraft ihrer Lungen anzublasen und anzufachen^ „Das ist ein mühseliges Beginnen," sprach der Fürst, „das eure Kräfte erschöpft und euch selbst schließlich zugrunde richten muß. Ich wäl euch aus der Stadt eine Maschine — einen Blasebalg — senden, der das Feuer ohne Mühe für euch in Brand erhält. Freudig dankten die Arbeiter. Der Fürst reiste ab und sandte das Versprochene. Nach einiger Zeit kam der Fürst wieder in den Ort und wollte sich von dem Erfolge seiner Einruiu-ung überzeugen. Voll Staunen stand er, als er die Leute im Schweiße ihres Angesichtes den Blasebald treten sah, während die Kohlen schwarz und kalt ohne ein Fünkchen Glut und Feuer blieben. „Fürst," sprachen die Arbeiter, „wir mühen uns, aber es gibt keine Glut und kein Feuer!" „Ihr Toren," sprach der Fürst, „wenn ihr das Feuer ausgehen lasset, dann nützt auch der Blasebalg nichts." Der Sinndieses Gleichnisses istklar. Nr. 13 Anti sem i te n nachij udape st einzuberufen. Irsi Einklang damit führt die russische „Tribüne", eme Zeitschrift der Vereinigung für nationale Befreiung, die in München erscheint, in ihrem Kampfe um die antisemitische Weltorganisation an der Spitze des Blattes das Motto: „Antisemiten a 11 e r W e 11 vereinigt euch!" Mit dem gleichen Atemzug, mit dem so die antisemitischen Internationalisten die Verbreitungihrer Ideen durch die ganze Welt anstreben: und erneut den Versuch zur Gründung einer antisemitischen Weltorganisation nach dem Vorbild der alten Stöckerschen „Alliance" unternehmen, machen sie das Judentum der ganzen Welt für alles Uebel, an dem diese leidet, verantwortlich, und in seltsamer Verzerrung: Die deutschen Antisemiten schreiben die Schuld am Kriege und am Friedensschluß, und vor allem am Friedensvertrag, dem übermächtigen Einfluß Deutschland feindlicher Juden zu. Die französischen und anderen Antisemiten machen die deutschfreundlichen Juden dafür verantwortlich, daß Frankreich beim Abschluß des Friedensvertrages allzu schlecht gefahren sei. Auf das Buch von Roger-Lambelin, „LMmperia,- lisme d'Israel", das eine Fülle von Belegen hierfür enthält, habe ich in meinem Buch „Die jüdisclie Internationale" bereits hingewiesen. Und in der französischen Antisemitenzeitung „Action francaise" heißt es damit übereinstimmend: Juden sind es, die Juden aus Bank und Politik^ diein London bei Lloyd George gegen uns (Frankreich) arbeiten, seitdem Lloyd George der Weltrichter geworden ist. Aber als dieses Schiedsriehteramt bei Herrn Wilson war, wer arbeitete bei Herrn Wilson gegen uns? Juden, wiederum Juden! Es ist die jüdische Gruppe, die Gruppe Jacob Schiff und Felix Frankfurter, gewesen, die Herrn Wilson Ende Mai 1919 (bei Abschluß des Frjedensvertrages) bestimmte, Deutschland die Rabatte zu gewähren, die sich aus den fünf Artikeln F i ume, Dan zi g, Saar gebiet, 0 b e r s c h I e s i e n und R eparar t i o n e n ergaben . . . Eine Welt von Juden hat die russische Revolution zum Vorteil der deutschen Welt gemacht, und wenn wir zur Quelle herabsteigen, der Spitze der ganzen pangermanistischen Agitation, stellen wir Wer das Feuer der Begeisterung, die helle Glut der Herzen in Brand erhalten will, darf nicht warten, bis kein Fünkchen mehr glüht und tote Asche die Feuerstätte bedeckt. Aron und seine Söhne hatten den strengen Befehl, zu sorgen, daß das Feuer auf dem Altare ständig in Brand erhalten bleibe. Es durfte weder bei Tag. noch bei Nacht, weder Werktags noch am Sabbat ausgehen. So legte dieses Amt den Priestern die weitere Pflicht auf, die Aschenreste regelmäßig zu entfernen und neues Brennmaterial aufzulegen. Diesbezüglich wird dreimal mit besonderem Nachdruck zu außerordentlicher Vorsicht.ermahnt. Erstlich mußte das Feuer brennen, wenn das Opfer auf den. Altar gelegt wurde, dann durfte es rricht, etwa dadurch verlöschen. daB die. ÖpfeTstücke/ daraufgelegt wurden und: schließlich auch nicht dann, wenn die Asche weggeräumt wurde. Diese. Erziehung der Priester war notwendig, weil sie es waren, die die Opfer für Gott aus. den Händen, des Volkes entgegennahmen, um sie ihrer Bestimmung, zuzuführen. Nichts kann nun die. Freude zrn. Qeben schneller ün«i gjüjjdjicher zerstören, als wenn der Empfänger dte Gabe kalt und teilnahmslos entgegennimmt Es ist daher eine große. Lebenskunst; Gaben mit freudigein» warmem, und liebevollem Herzen anzunehmen:. Da§ dreifache Qefcbt bezüglich des. Feuers am AJfare'ist die treffliehe Einführung, in diese hohe Kunst. Soll nun die religiöse B/ev gefsterung die Gabe sein/die das jüdische Volk bringt, so wire sich die.dreifache Anweisung; in unsere Sprache, übersetzt; der Auffassung der Gegenwart angepaßt, etwa, .folgendermaßen darstellen: Die Einrichtungen, Bräuche und Gepflogenheiten des religiösen Lebens dürfen nicht verderben und zugrunde gehen, sondern müssen so erhalten werden, daß sie1 eine Begeisterung fürs Judentum-recht wohl entfachen und entzünden - könnet^ DIE WAHRHEIT

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