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Die Wahrheit · 1926-03-22 · Heft 13 (22.3.1926) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 13 (22.3.1926)
Date
1926-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Oesferrelctilsctie Wochenschrift iOr tonische Interessen Mit dem Beiblatt: verOffentlidinnfien der ..Union denischösierreidusdier Juden Redaktion und Administration Wien II., H«it—e«#y«PlOgs 13. - Fernruf 42-2-16_ XLII. Jahrgang Wien, 227März 1926 Nummer 13 Die antisemitische Internationale. Von Dr. Bruno Weil (Berlin). In Diskussion und Agitation der völkischen Bewegung spielt fortgesetzt die Behauptung vom Bestehen einer „jüdischen Internationale" eine wichtige Rolle. Ohne Rücksicht auf die nach allen Seiten erfolgte Beweisführung für deren Nichtbestehen wird der Versuch gemacht, durch ständiges Einhämmern den Begriff „jüdische Internationale" zu einem Bestandteil des allgemeinen Denkens des gemeinen Mannes zu machen. Dabei wird mit außerordentlicher Engherzigkeit, die dem Lande Schillers und Goethes besonders schlecht ansteht, jede internationale Beziehung als unzulässig und unerlaubt hingestellt; der deutsche Idealismus, der bei aller Betonung des nationalen Gehaltes der modernen Staaten niemals in nationaler Gebundenheit allein sich abfinden kann, wird mißbraucht, um in seinem Namen einen wichtigen Teil der deutschen Bevölkerung fortgesetzt zu Unrecht zu beschuldigen und zu verleumden. Im Grunde verkennt dabei niemand, daß internationale Bindungen in einer Zeit, wie der unsrigen, unentbehrlich sind, daß sie zur Wiederaufnahme unserer niedergebrochenen Volkswirtschaft nicht gemißt werden können, daß die Wiederherstellung des deutschen Namens in einer noch vor zehn Jahren insgesamt feindlichen Welt an die Anknüpfung von tausend internationale Beziehungen gebunden ist. Angesichts der gerade von völkischer Seite ausgehenden Hetze gegen die „jüdische Internationale44 muß es doppelt verwunderlich erscheinen, daß diese selben Kreise, die in diesem Worte etwas besonders Schändliches und Verwerfliches an den Pranger stellen wollen, ihrerseits die Schaffung einer antisemitischen Internationale sich fortgesetzt angelegen sein lassen, ja sich ihrer Bestrebungen nach dieser Richtung sogar rühmen. Es ist schwer, dieses Phänomen des heimlichen Weintrinkens und der öffentlichen Predigt vom Wasser zu erklären; man wird ihm am ehesten nahekommen, wenn man an die starke geistige Verwirrung, die in völkischen Kreisen herrscht, und an die schwach entwickelte Logik, mit der dort geistige Kämpfe ausgetragen zu werden pflegen, erinnert. Ohne daß zugegebenermaßen mit diesen Momenten aHein die Bestrebungen zur Bildung einer antisemitischen Internationale geklärt werden können. Ein« außerordentlich interessante Parallele in cten Vorgängen nach dem Kriege von 1870 und nach. d$m letzten Kriege soll hier aufgezeigt werden. . Die antisemitische Bewegung nach dem Bent^n-Fräfcz^schen Kriege setzte besonders um das Jahr 1880 ein. Sie fand ihren Höhepunkt in der bekannten Petition an die Reichsregierung, die, mit 250.000 Unterschriften versehen, im April 1881 beim Reichskanzler niedergelegt wurde, und in der die staatsrechtliche Entrechtung der deutschen Juden verlangt wurde. Einen praktischen Erfolg hat die Petition nicht gehabt. Aber am 11. September 1882 versammelten sich unter der Führung Stöckers in Dresden dreihundert Vertreter antisemitischer Richtungen und stellten eine Reihe von Thesen auf, in deren erster es hieß: „Eine internationale Vereinigung zu dem Zweck, die Uebermacht des Judentums zu brechen, ist eine unabweisbare Kulturaufgabe der christlichen Welt geworden." Dieser erste internationale antisemitische Kongreß richtete ein Manifest an die Regierungen und Völker der „durch das Judentum gefährdeten christlichen Staaten" und setzte ein Komitee ein, dem man die Aufgabe zuwies, eine internationale Zentralleitung der antijüdischen Bewegung zu organisieren. An diese Dinge erinnert mit Stolz am 25. September 1925 der völkische Schriftsteller Alfred Rosenberg in seiner Zeitschrift „Der Weltkampf' und mahnt daran, daß sich „am 12. September das dreiundvierzigste Jahr vollendete, da das erste antisemitische Manifest an alle Völker beschlossen wurde44. Am 5. Februar 1883 fand in Chemnitz die Gründung einer „Allgemeinen Vereinigung zur Bekämpfung des Judentums44 mit dem französischen Untertitel „Alliance antijuive universelle'4 statt. Von dieser Vereinigung aus wurde dann für den 27. und 28. April 1883 wiederum nach Chemnitz der zweite internationale antisemitische Kongreß einberufen, der vom Vorsitzenden Otto G1 a g a u mit den Worten eröffnet wurde: „Ich begrüße die Herren, welche aus Oesterreich- Ungarn, Rußland, Rumänien, Serbien und Frankreich erschienen sind, deren Anwesenheit uns zu besonderer Genugtuung und Freude gereicht." Der Redner fuhr dann fort: „Wenn heute die Völker und Nationalitäten sich mehr als Je abschließen und mehr oder weniger gegeneinander Front machen, so ist dagegen unsere Vereinigung ein Band, welches die Völkerschaften Europas wieder einander nähert und miteinander" verbinde t." Und der ungarische Präsident des Kongresses, Herr v. S i m o n y i aus Preßburg, stimmte dem ausdrücklich bei: „Wie mein Herr Vorredner gans richtig betont hat, hat die antisemitische Bewegung Vorzugsweise einen internationalen Charakter." Und in der Person des Abgeordneten Liebermann v. Sonnenburg sprachen die „Weisen von Antimon" in einer der der „Weisen von Zion44 verblüffend nahekommenden Spraohe^

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