Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1926-03-15 · Heft 11-12 (15.3.1926) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 11-12 (15.3.1926)
Date
1926-03-15
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3062972-3063973-3063984--14417-3081974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 20 DIE WAHRHEIT Nr, 11/12 „ein utile per 10 f. wöchentlich entzogen wudurch eben so ur „schuldige ab tragpng seines bereits versessenen, als fernerhin „zu entrichtenden pacht quanto ausser stand gesetzt worden „er kene sich auch für zukinftige zu keiner art, pacht quanto „verstehn da er nicht wissen kenne wie weit sich der ver- -schleiss von der obeji erwähnten Frau Fradel im Laufe der „Zeit exendire und ihm nachteihligar werde. ad § 5 hat man diesen vohrtrag adnotum genumen um nach ednst mit Fradel etwa getrofenen vergleich dessen beschweb{r]de in erwehgung zu zihn so dan besagte 2 gegen stende zu erheitern und schluss zu schöpfen. § 6. hat man für rahtsam befinden sich einstweihln beim leb], stat magistraht wegen das ex offo an gewdsenen neyen13) Begräbnisstätte, hinter den Culissen14) zu erkundigen wie tajer sich diser an kauf etwa betragen mechte und wie Schwei die Arbeit sein wird.10) ad § 6 ist dise Nachricht ein holen dem R. Chajjim L[ei]d[es]d[orfer]lfl) so sich hirzu wilkihrlich an erboten über tragen und mit gegeben worden. § 7. kumt in vohr trag und entsteht die frage da man mit der Frau Fradel in betref ihrer in folge erhaltene freyheit erefnete fleisch bank manigfeltig gepflogenen unter redung und fruchtlohs gemachten versuch mit derselbe ein disfellge Conpensiohn zu treffen denoch vermeg § 5 es die NautwendigkeXt erheischt, man auf ein oder andere art den bedacht nerne wu mit der Gemeinde i. L. I. nicht den genzlich bishero bezogenen pacht des R. Juda Trithsch verlustig werde aub es rahtsam sei gegen Ihrer wan gleich wohl bereits erhaltene freyheit vohrstelung und sonstige Vorkehrung zu machen oder zum -/jedoch der Gemeinde L L. 1. auf keiner art nicht nachtheiligen/, ver gleich zu schreiten in letztern fal also, wie weit man sich hiruibei ein zu lassen gedenke und in stand gesetzt zu sehn glaube zu entschliessen und ihr zur uhn verweilte Aisserung zu zu stein und zu belehren sey. ad § 7 hat man alle an und gegen stende dan jene mit ihr pro et contra gepflogene Unterredung genau erwogen und den aissersten schluss gefasst, man ihr, nemlich der oberwähnten Tirau Fradel gegen dehme das sie ihrer freyheit initels Urginahl dekret samt sesion bis zur Vollendung der Zeit welche ist 74ten 7ber17) 785 unwihderuflioh und kreftigst ein räumt so gleich ein pauschale per f 450.— vierhundert und fünfzig Gulden courand gegen quitung bezahle, jedoch mit den mindh'ch versprechen den Ueberrest so sich vun den der Gemeinde 1 L L zu falnden x Yt vom liter fleisch nach abzug jehrlich 'f 750.— siebenhundert und fünfzig Gulden als ehi pacht quanto der Gemeinde i. L. h dan abzüglich defe Lohnes an controlor bis zur Vollendung dieser Zeit an rein verbleibenden uiber rest nach ab zug obbesagt antieipihrte f 450.— ihr als wilkihrlich2s eqoiivalent, jedoch eygendlich zum unterhalt ihrer Kinder gewidmeter eben fals verab folgt werden solle. Ein als ander sole ihr nachrichtlich mit geteihlt und iner halb drey tage zu leisten habende gegen entschlissung an verlang werden. § 8. R.M) Mose Löb Sjchochat hat vorgebracht das Ihm als Abhängige; der Gemeinde auch Mehl für Pessach gebihrt und gitt zu gleich das ihm von BiUigkeitswegen sein Gehalt wöchentlich u. nicht monatlich in Zukunft gegeben werden mechi, so ein Unterschied von f 6.— jährlich aus macht. ad § 8 erstens ist ihm gewilligt worden, letzters aber mus erst mit . R.1B) Juda Triisch verabredt werden. u) Es handelt sich um den Ankauf des Währinger Friedhofes. ") Vergl. die Talmudstellen Berachoth foJ. 18 b: T\t 1W! miTKÖ tWD und Sanhedrin fol. 89 b: Wfctt> *p nnen ^ihkö, ") Vergl. Exodus 5, 9. *•) Chajjim [Joachimj Lekiesdorfer war Vertrauensmann der Wiener Judenschaft (s. Husserl, Stadttempel, S. 20, und ausführlich bei Wachstein, Inschriften Wien II.. S. 524 ff). ") September. 18) S. Note 10. ") Es ist bezeichnend für die damaligen Verhältnisse, daß die Repräsentanz der Wiener Judenschaft über eine Gehaltserhöhung für den Schächter von sage und schreibe 6 Gulden jährlich ohne Zustimmtin« des Fleischers keinen Beschluß fassen konnte. Die Befreiungstage Oesterreichs. Von Albert Low. In stiller Gruft, im kühlen Grunde ruhen die Vorkämpfer vom Jahre 1848, die mit dem Volke, mit der Studentenschaft der Universität und Polytschnik für Recht, Freiheit und Gleichheit ohne Unterschied des Glaubens in den Kampf zogen. In Ehrengräbern, aber auch in Massengräber ruhen diese Verklärten im ewigen Schlafe. Dr. Adolf F i s c h h o f, Sekundararzt im Wiener allgemeinen Krankenhaus, geboren am 8. Dezember 1816 in Altofen (Ungarn), Dr. Ludwig August Fr an kl, Schriftsteller, hervorragender Dichter, Gemeimderat, geboren am 3. Dezember 1810 In Chrast (Böhmen), Dr. Josef G o 1 d m a r k, nachmaliger Abgeordneter im Kremsierer Reichstag, geboren zu Keszthely (Ungarn)), August S $ 1 b e r.st eini Schriftsteller und Dichter, dessen Gedichte „Die Dorfschwalben", „Deutsche Hochlandsgeschichten" gerne gedesen wurden, in Ofen (Ungarn) am 1. JuJi 1837 geboren, war Schriftführer der Akademischen Legion, mußte aus Oesterreich fliehen, weil er zu fünf Jahren Kerkers vom Kriegsgerichte verurteilt wurde, Ignatz Kur an da, hervorragender österreichischer Publizist, Parlamentarier, Herausgeber des eifrig gelesenen „Grenzboten", geboren zu Prag am 1. Mai 1812, Hochschüler Heinrich Spitzer, geboren am 25. August 1830 in Bisenz (in Mähren), ein herrischer geistreicher Jüngling, war das erste Opfer für Recht und Freiheit; eine Kugel traf ihn und er verhauchte sein junges Leben. Unvergänglich wie Erz wird die Geschichte das Andenken dieser Unvergeßlichen ehren* und doch vergißt die Nachwelt oft die Männer, die durch Aufopferung der Menschheit Gutes, Schönes und Edles geleistet Oesterreichs Bestreben im Jahre 1848 war darauf gerichtet, gleiches Recht, gleiche Freiheit, so wie sie Frankreich errungen hatte, zu gewinnen. Die dem Herrscherhause unterbreiteten Wünsche waren folgende: 1. Pressefreiheit und Redefreiheit zur Hebung des gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens zwischen Fürst und Volk; 2. Hebung des Volksunterrichtes und' insbesondere Lehr- und Lernfreiheit; 3. Gleichstellung der verschiedenen Glaubensgenossen in ihren staatsbürgerlichen Rechten; 4. Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichtsverfahrens; 5. Allgemeine Volksvertretung und außerdem Vertretung der I^andesteJle beoan Bund'. Einer der hervorragendsten und eifrigsten Redner war Dr. Adolf Fisch ho f. Seine Rede bei dem Landhause, wohin Unäversitätshörer in Scharen strömten, machte auf den, bedeutenden österreichischen Volksdramatiker Friedrich Kaiser einen so überwältigenden Eindruck, daß er ihm in Versen Ausdruck verlieh: Verewigt wurde einst, die mit dem Schwert Gekämpft im Feld und siegreich hefmgekehrt, Du kamst mit schöner'n Waffen ins Gefecht: Mit freiem Wort4 für Freiheit und für Recht! Wie ich dein Bild erfaßt, "so grub ich's in den Stein Haltbarer drückt es sich ins tiefste Herz mir ein. Hervorragende Männer in der Geschichte Oesterreichs, welche segensreich im Staate gewirkt, waren ins Feld gezogen, um die längst ersehnte Konstitution vom Herrscherhause zu erlangen. Nebst Fischhof, Gold.mark, Ludwig August Frank! war auch Ludwig K o s s u t h, der mit seinem Anhang der Universitätsjugend zur Seite stand. In seiner geistreichen Rede erwähnte Kossuth unter anderem: „Es wird noch in Jahrhunderten unter allen Völkern Oesterreichs nicht ein einziges Herz schlagen, welches euch Ihr Wiener für eurer Befreiungswerk nicht danken und segnen wird." Nach vielen harten Kämpfen wurde endlich die Konstitution genehmigt. Bin von Dr. Ludwig Aug. F r a n k 1 verfaßtes Gedicht „Die Universität" wurde als erstes zensurfreies Blatt in Millionen Exemplaren zur Verteilung gebracht. In dem Gedenkbuche dieses Dichters heißt es: Es war bitter kalt, um mich zu erwärmen, ging ich auf meinem Wachposten raschen Schrittes auf und ab und dichtete während dieses Spazierganges das Gedicht „Die Universität". Dieses Gedicht wurde von 27 Komponisten zum Lied vertont, selbst der k. k. Hofkapellmeister Randhartinger komponierte dieses Gedicht. In Prag, Brünn und anderen größeren Städten wurde das Gedicht „Die Universität" von den Baikonen verlesen. Es lautet:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.