Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 11-12 (15.3.1926)
- Date
- 1926-03-15
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3062972-3063973-3063984--14416-3081973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den Juidien ex offo angewiesenen Friedhofes in Währung stellen würde. Das erste Protokoll behandelt folgende Gegenstände: Vereinbarung mit dem Mazzoth-Lieferanten Beer Warter (s. Note 4) bezüglich des Preises für das Mehl, welches für Mazzoth bestimmt war, Verteilung von Mehl für Mazzoth, respektive „von gebackenen Mazzoth an Arme; Verköstigung der jüdischen Arrestanten am Pessach; Verhandlungen betreffend den rückständigen Koscherfleisch-Pachtschilling; Ankauf des Währinger Friedhofes und die Regulierung der Auszahlung des Gehaltes an den Schächter Moses Löb (s. Note 10). § 8 ist von einer anderen Hand geschrieben und durchgestrichen. Er scheint nachträglich eingeschoben worden zu sein. Das Protokoll trägt keine Unterschrift. Protocolum Nr. 1. ' Wienn, den 14- Mtz. 784. Mit Gottes Hilfe *) am ersten Tage [der Woche] 21. Adar 544 z. K. Z.s) in Wihn In der Sitzung der unten Gefertigten, als von der Gemeinde i. L. l.s) ernant und bevolmechtigter ausschuss. § 1. Aissert sich R. Beer Warter4), auf die gestellte Frage über den Preis des Mehles für Pässach, das es an dehnte sei das Mehl an diesem Jahre billiger5) als im vergangenen Jahre er sei dahero ehr bihtig selbes mit 30 x Differenz vom vergangenen Jahre, mithin den Metzen8) per f. 4.24 vermählen hinvon zu lassen. § 2. Macht der oben erwähnte R. Beer den vohr trag ihnie den durch die Wassersnoth uhn brauchbar gemacht bak-ofen, dan den fuhss boden in zimer eins als ander aus der Kassa der Gemeinde i. L. 1. wihder her zu stein mit den bey satz das die disfelige spehsen auf circa 50 f. an zu tragen wehre. ad § 1 & 2 [ist beschlossen und mit ihm fest geseizt worden, das da sohtane Ausgaben keines weges aus der Kassa der Gemeinde i. L. 1. zu bestreiten kumeni denoch aber, wie wohl er sich mit f 3.15 xr per Metzen für das Mehl für Pessach zu frihden zu stein habe, um ihme zu den oberwähten Ausgaben einsteihl schadlos zu halten, der preis mit f 4.34 passihrt und ein zu fordern erlaubt wirt..] § 3. Fragt sich derselbe an wie sich mit Mehl für Pessach für die Armen zu verhalten und wem und wer7) solches auf Kosten der Gemeinde L L. 1. gratis ver ab folgen zu lasseh hat. J) t'dd=kwt «nirto 2) p"Sb zur kleinen Zahl. ») Di} 'VWD ihr Licht möge leuchten. Diese Phrase kommt hier oftmals vor und wurde kurz bezeichnet i. L. i *) Beer Warter (Krankenwärter) wurde 1782 als Scha masch (Diener) der Chewra Kadischa bestellt (s. Wachstein, Chewra Kadischa, S. 29)! Er ist identisch mit Beer Jakob (oder Jakob Beer) Geduldig, der das jüdische Geburtsbuch vom 4. Mai 1784 bis 7. Mai 1794* das Trauungsbuch vom 22. Juni 1785 bis 18. Mai 1794, das Sterbebuch vom 30. März 1784 bis 2. Juni 1794 führte. Er bestätigt dies eigenhändig in den erwähnten drei Büchern, die sich im Archiv der israelitischen Kultusgemeinde befinden, am 9. Juni 1794. Er bestätigt schon am 24. Oktober 1760 Sterbefälle für die Behörde in seiner Eigenschaft als Krankenwärter (vergl. Taglicht, Nachlässe, S. 203). Wachstein (Inschriften Wien IL, S. 488) identifiziert denselben mit Beer Prossiwarg, den Vater desam 18. April 1773 verstorbenen Salomo Salman. Beer Jakob Ge duldig starb 72 Jahre alt am 29. Juni 1795 .an der Rossau im Judenspital Nr. 44" (Sterbebuch des Archivs der I- K. G.. fol. 21A). Seine Kinder führen durchwegs den Namen „Beer" (Wachstein ibid.). e) Im Text 1Ü3 wie, richtig wäre ''M oder "öS 6) Der österreichische Metzen 61.457 Liter; 30 Metzen 1 Muth. 7) Nach Exodus 10=8. ad § 3 sind ihm folgende gratis ab gabn und eygentlich auf Kosten der Gemeinde i. L. 1. gestatet worden und zwahren Gütle Zinzheim......T/s R. Lazar8) P[ress]b[urg] . . % Rebeka Z[inz]h[eim]9) . . - 10/<> R. Mordechai9) P[ress]b[urg] . *U Rebeka Koch ......... 6/s Rösel Embri-h......a's Mirjam Rechniz, Mazzoth . . . 3h zusammen *Vs R. Mose Löb Schochat10) . . 2/* § 4. Kumt in vohr trag wie sich am Pessach der auf uns zu Gutem kommt, mit den Arrestanten zu ver halten wie und auf welcher Art diese zu verpflegen, besonders aber wie vihl deren sind die hier arretiert sind. ad § 4 hat sich R. Josel Sohn des R.u) S[amueij W[e:t]h[eimerl dahin geaissert er sich diesen gegen stand eben so zur Kundschafts ein holen -wieviel sie sind und wie selbe auf der bequemlich und wohlfeilste art verpflegt werden kenen unterzihn seiner zeit so dan die disfelige an zeige machen will. § 5. Erschein! auf beschehnen vohriodern der Fleischer R. Juda Trihtsch. wo auf die ihm in folge bei der Sitzung dei Gemeinde L L. 1. gestellte Frage wihderholt an verlangte kartagorische Antwort und entschlissung was er in an sehung dessen schuldig fleisch pachts rikstand von 6. Monaten per f 48.— ein zu wenden und vohr zu schitzen habe als auch des fernem pachtschiling betretend vohr zu tragen habe, sich cieser dahin geaissert hat „das er nichts weniger als den „rikstand zu zahlen vermegend noch vun darum keines wegs „da zu an gehalten werden kan da bewusster Mahsssen derzeit „die Frau1S) Fradel Frau des R. Löb Joske infolge ihrer „freyheit eine fleisch bank erefnet und ihm jede woche ein „verschleiß vun 6 centner fleisch mit hin ä 1 x auf den liter 8) Lazar 3"£ und. Mordechai 3"Ö sind identisch mit den Brüdern Lazar Lehmann, gestorben 81 Jahre alt am 21. Mai 1793 (Sterbebuch des Archivs der I. K. G., fol. 17 b) und Markus Lehmann, gestorben 100 Jahre alt am 10. Mai 1788 (ibid., fol. 6 b), vergl. auch Taglicht, Nachlässe. S. 102). Lazar und Markus sind Söhne des Naftali Hirz b. Jehuda Lema ha-Levi, gestorben 1. Juli 1746 (Wachstein, Inschriften Wien IL, S. 306). Nach seinem früheren Aufenthalt in Preßburg führen Naftali Hirz und seine Kinder „in jüdischen Quellen of den Beinamen Pressburg" (Wachstein, ibid. S. 307). Die Frau des Mordechai Pressburg ha-Levi, Edel, Tochter des Mendel Trach, starb am 24. Oktober 1744 (Wachstein, ibid. S. 297). e) Rebeka Sinzheimerin starb als Witwe im Reichsapfel Nr. 495 am Kien Mark «im Alter von 70 Jahren am 19. Februar 1793 (Sterbebuch des Archivs der I. K. G.. fol. 16 b). Am Grabstein ist das Todesdatum Mittwoch, 5 Adar 5553 angegeben. Der 5. Adar 5553 fiel am Sonntag. Die Angabe Wachsteins (Inschriften Wien IL. S. 33). daß die Frau Rebeka S. am Mittwoch, 8. Februar 1793 gestorben sei, ist daher richtig. Sie dürfte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gestorben sein, daher die Angabe im Sterbebuche ..19. Februar". Rebeka Sinzheimer ist die Tochter des Josef Hammel aus Frankfurt und war die Frau des Salomo Salman ha-Levi Sinzheim. Ihre Toleranz wurde ihrem Schwieger söhne Josef Lehmann am 15. November 1785 übertragen (Vermerk der Famtrtenlisten des Josef Lehmann). 10) Moses Löb Schochat ist identisch mit Moses Low Hammerschlag, gestorben im 88. Lebensjahre am 21. Oktober 1799 (Sterbebuch des Archivs der T. K. G., fol. 35 B). Er bestätigt das Ableben des Koppel Tra;h am 6. Dezember 1780 und zeichnet: Sm3 KDöl ÖfTO nhvmxn 7WÜ p'H "2: yrb» (Taglicht. Nachlässe. S. 243.) u) Josef Josel Wertheim, Sohn des Samuel, gestorben am 23. Tebeth 5671 — 19. Jänner 1811. Wurde 1791 von Leopold II. in den Adelsstand erhoben, mit dem Prädikate „Edler von Wertheimstein" (s. ausführlich in Wachstein, Inschriften Wien IL. S. 513). i2) Fradel, Frau des Löb Joska, ist identisch mit der am Samstag. 20. Cheschwan 5674 (13. November 1813) verstorbenen Freida, Tochter des Samuel Oppenheim, genannt Fradel Oesterreich (Veronika Oesterreicher, vergl. Wachstein. Inschriften Wien IL, S. 470).