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Die Wahrheit · 1926-03-15 · Heft 11-12 (15.3.1926) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 11-12 (15.3.1926)
Date
1926-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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die Pflicht der Dankbarkeit. Auch die Dankbarkeit ist eine religiöse Pflicht. An jede Hoffnung, die diesen Bau belebt, an jeden Wunsch, der in den Herzen der Israeliten keimt, an jede freudige Empfindung über das gelungene erhabene Werk knüpft sich das Gefühl der innigsten Dankbarkeit gegen den Gesalbten Gottes, unseren erhabenen Monarchen und Landes-- yater. Dies Geständnis unserer Dankbarkeit und unserer liebevollen Verehrung, das wir hiermit abgelegt haben vor Gott und .unserer Obrigkeit gibt der Handlung, die uns hier vereinigt hat, ihre festliche Bedeutung. Denn nicht bloß für uns und die Unsrdgen, die wir jetzt im Leben sind, ist das Gotteshaus erbauet und die Schule begründet, auch die späten Nachkommen, die niach uns ins Leben treten, die in der fernen Zukunft noch die Wohltaten dieser Anstalt genießen werden, die ihnen durch Gottes Segen und des Fürsen Huld bereitet wurden, auch sie müssen ihre Wohltäter kennen und den Monarchen segnen, der ihren Vätern seine Huld bewies. Und so werde die Geschichte der Entstehung und Begründung dieser Anstalt aufgezeichnet und der Nachwelt übergeben. Wir legen sie nieder an heiliger Stelle als ein Denkmal, das der Nachwelt gehört." Die Höhlung des Grundsteines wunde hierauf gedeckt und dlie üblichen drei Hammerschläge und der dreimalige Mörtelaawurf mit der Kelle vollbracht. Nach dieser Zeremonie nahm der Redner wieder das Wort: „Das Wort aus der Schrift, das der heutigen Feier angemessen, unseren Empfindungen entspricht, ist enthalten im Buche der Chronik, im 2. B., 29. Kap., vom 10. bis 19. Vers: David lobte Gott in Gegenwart der ganzen Gemeinde und sprach also: Gelobt seiest du ewiges Wesen, Gott, der du Israel dich offenbarest, du unser Vater von Ewigkeit her; dein ist das Reich, die Macht,'der Sieg und die Herrlichkeit. Alles im Himmel und auf Erden ist in deiner Gewalt, Herr, der du erhaben bist über jegliches Haupt! Aller Reichtum, alle Ehre kommt vor dir und du schaltest über alle, und machest groß und stark, denn die Größe und die Kraft sind in deiner Hand. Dies Bekenntnis legen erhaben bist über jegliches Haupt! Aller Reichtum, alle wir ab vor dir, indem wir preisen deines Namens Herrvermögen ein solches Werk herzustellen? Von dir kommt alles, aus deiner Hand ward es uns gegeben, Fremdlinge" sind wir ja auf Erden, Gäste sind wir nur bei dir, wie unsere Väter auch; wie ein Schatten flieht unsere Lebenszeit vorüber, ohne Hoffnung, daß sie bleibes, Ewiger! Gott! Alles was wir gesammelt liafoen und bereitet, um ein Haus zu bauen, worin dein Name werde geheiligt, das, alles kommt aus deiner Hand, und ist und bleibt dein. Aber ich weiß auch, 'daß du Allwissend der die Herzen prüfest und an Aufrichtigkeit Gefallen) hast. Mit aufrichtigem Herzen habe ich alles dir geopfert, auch sah ich, wie dein Volk, das hier vor dir steht, mit Freuden seine Gaben brachte. Ewiger Gott unserer Väter Abraham, Isak und Jakob, bewahre deinem Volke stets eine solche Anhänglichkeit, daß sie werde zur bleibenden Gesinnung, und richte du sein Herz, empor zu dir! Mit denselben Empfindungen übergeben wir heute auch diese Anstalt, Herr Gott, in deinen väterlichen Schutz: Segne du alle, die sie begründet und ins Leben gerufen! Alle, die ihre Herstellung mit Wohlwollen befördert haben! Alle, die an dem Werke, das wir heute deiner Obhut anvertrauen, gearbeitet haben mit Einsicht, Eifer und Geschicklichkeit. So verleihe auch allen, denen diese Stätte bereitet ward zur Veredlung und zur Seelenruhe, allen, die sie betreten in Andacht, verleihe Einsicht und Kräfte, daß sie dich anbeten mögen in Wahrheit und Frömmigkeit! Erfülle, Herr, die Hoffnungen, mit denen wir heute unseren Nachkommen das Denkmal unserer Dankbarkeit übergeben, auf daß erfüllt werde deine göttliche Verheißung: „Dies ist mein Bund mit Israel, mein Geist, der auf dir ruhet, spricht Gott der Herr, meine Lehre, die dir ward überliefert, die sollen nimmer weichen von dir, auch von deinen Kindern nicht und deinen Enkeln, iir* Ewigkeit." Hierauf wurde nachstehende Denkschrift in den Grundstein eingelegt: Denkschrift, eingelegt im Grundstein des Hauses Nr. 494, am 12. Dezember 1825. Unter der glorreichen Regierung Seiner k. k. Majestät Fränz des Ersten Kaisers von Oesterreich, Königs zu Hungarn, Böhmen, der Lombardey und Venedig, Galizien, Lodomerien und Illyrien, Erzherzogs zu Oesterreich etc. etc. Allerhöchst dessen väterliche Huld und Gnade sich über alle Seine getreuen Untertanen der verschiedenen Konfessionen erstreckt, erlangten die der «israelitischen Religion zugethanen Bewohner der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien nach Allerhöchster Entschließung vom 8. Februar 1811 die gnädigste Erlaubnis zu folgenden frommen, gemeinnützigen und wohltätigen Zwecken ein Haus in dieser Stadt eigentümlich erwerben und gemeinschaftlich besitzen zu dürfen, um in demselben: 1. eine öffentliche Schule zum Religionsunterrichte der israelitischen Jugend, und 2. die öffentliche Betanstalt der hiesigen Israeliten unterzubringen, 3. mit einem Theile der Erträgnisse des Hauses hiesige dürftige si'echkranke Israeliten zu unterstützen, ferners 4. falls es diese Erträgnisse dereinst gestatten, davon zu den übrigen unter den israelitischen Glaubensgenossen allhier bestehendien wohltätigen und gemeinnützigu Anstalten beyzutragen. Diese Allerhöchste Gnade wurde erwirkt durch die wohlwollende und humane Fürsprache der höchsten' k. k. vereinigten Hofkanzley, der hohen k. k. n.-ö. Landesregierung unter dem damaligen Herrn Statthalter in Niederösterreich, jetzigen Ministers des Innern und obersten Kanzler etc. etc. P. T. Herrn Franz Grafen von Saurau Excelenc und der löblichen k. k. Polizey-Oberdirection, und zwar des k. k. Herrn Hofrates Stephans-Ordensritters und Polizey-Oberdlrectors- Adjuncten gegenwärtigen k. k. Hofrathes und Polizey-Oberdirectors Alois Edlen von Persa und des verewigten' k. k. Herrn Regierungsrathes Philipp Victor La Roze. Nach Erlangung der obgedachten Allerhöchsten Genehmigung kaufte die hiesige israelitische Gemeinschaft von dem Herrn Felix Freyherrn von Friedenthal laut Contractes vom 13. October 1811 das auf gegenwärtigem Platze gestandene Haus früher No. 528, jetzt No. 494, am Kienmarkte in der Stadt Wien um den Kaufschüling von Fl. 90.000 W. W. Von der hochlöbiiehen k. k. n.-ö. Landesregierung wurden die in der Beylage verzeichneten zwölf hiesigen Herren Tolerierten, welche zum Hauskaufe die bedeutendtsten Summen beygetragen hatten, als Repräsentanten ernannt und ihnen gemeinschaftlich mit den Vertretern die Aufsicht über die in diesem Hause errichteten Institute übertragen. Das Haus ward hierauf, so gut es seine alte Bauart verstattete, zu seiner neuen Bestürmung eingerichtet, die verschiedenen Anstalten in Wirksamkeit gesetzt und das Bethaus am 4. September 1812 eingeweiht Als sich idlas Gebäude jedoch im Jahre 1823 an vielen Stellen schadhaft zeigte und der löbliche Magistrat die Ueberbauung desselben anordnete, wurde ein neuer als höchst zweckmäßig anerkannter Bauplan von dem k. k. Architekten und Mitgliede der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, Herrn Josef Kornhäusel entworfen', von welch Letzterem auch der Bau selbst sorgfältigst geleitet und von dem bürgerlichen Herrn Stadtbaumedster Jakob Hairoz und den im beyliegenden Verzeichnisse erhaltenen Herren Meistern bestens aufgeführt worden ist. Die hohe Genehmigung hierzu, sowie zur Aufnahme eines auf dem Hause versicherten, von den hiesigen Herren' Tolerierten bereitwillig vorgestreckten Anlehens per Fl. lOO.OOo C.-M. nebst anderen Maßregeln zur Beförderung dieses Baues erfolgten von der hochlöblichen k. k. n.-ö. Landesregierung unter Sr. Excellenc dem Herrn Au&ustin Reichmann Freyherrn von Hochkirchen, Sr. k. k. Majestät wirklich geheimen Rate, Regierungspräsidenten etc.; dem Herrn Carl Freyherrn von Werner, k. k. Hofrath und Vicepräsidiums-Verweser und dem Herrn Regierungsrathe und Referenten Johann Bapt. Grafen von Spauer nach vorausgegangener empfehlender Einbegleitung dieser Gegenstände von der löblichen k. k. Polizey- Oberdirection unter dem vorgenannten derrnah'gen k. k. Herrn Hofrathe und Polizey-Oberdirector. dem Herrn Polizey- Oberdirectionssecretär Ig. Georg Peyfuß als früheren und dem Herrn PoÜzey-Oberdirectionssecretär Josef Stobl jetzigen Referenten, dann unter Mitwirkung des löblichen Magistrates der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien unter dem k. k. Herrn Rathe und Bürgermeister Anton Lumpert, dem Herrn Magistratsrathe und Staditoberkämmerer Franz Xav. Ermbel und dem Herrn Magistrathe und Stadtunterkämmerer Peter Stooß. Nachdem nun in den Jahren 1824 und 1825 die neue Herstellung des Gebäudes vorgenommen und der Voilendung nahegebracht worden ist, wird heute, den 12. Dezember 1825 (2. Tebeth 5586) der Grundstein, welcher gegenwärtiga Denkschrift einschließt, im Beisein der P. T. Herrn Chefs der vorgesetzten höchsten und hohen Behörden, mehrerer hohen Herren Staatsbeamten, der Vertreter, Repräsentanten und Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinschaft, dann der bey diesem Baue thätig gewesenen Herren Kunstverständigen und Meister, feyerlich eingesenkt und vermauert, mit dem an das erhabenste Wesen der Urquelle alles Guten gerichteten

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