Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 10 DIE WAHRHEIT Seite 9 Antlsemitenbank. G. m. b. H. War dies auch nioht der wirkliche Titel der zusammengekrachten Bank, deren Leiter vergangene Woche wegen fahrlässiger Krida zu län* geren Arreststrafen verurteilt wurden, so hätte doch diese Anschrift besser auf jenes SchwindeLunternehmen gepaßt, das sich unter dem biederen Namen der „Kaufmännischen Bank" verborgen hatte. Denn die Bank hatte, wie von ihren Gründern vorgegeben wurde, keinen geringeren Zweck, als die christlichen Gewerbetreibenden oder — um in ihrer Sprache zu reden — „die werktätige Bevölkerung" vor der Ausbeutung durch das jüdische Bankkapital zu schützen und die arischen Geldeinleger davor zu bewahren, daß ihr Sparrpfennig in jüdische Hände gerät. Das Schlagwort des Wirtschaftsantisemitismus war überhaupt in der Zeit der Gründung genannten Instituts ein stark verbreitetes und bot Gelegenheit zur Errichtung einer ganzen Reihe „christlicher" Banken, die in ihrer Mehrzahl nach kurzer Tätigkeit „im Interesse der arischen Bevölkerung" ein ähnliches Ende nahmen wie die „Kaufmännische Bank". Es sei nur an die „Bodenbank", an die „Nordischösterreichische Ban k", an die Grazer und Innsbrucker Antisemitenibanken erinnert. Durch das Schlagwort des Wirtsohaftsantisemitismus wurden zahlreiche Kaufleute, Beamte, Gewerbetreibende geködert und — um ihr Geld gebracht. Denn mit den eingelegten Summen wurden nicht etwa, wie es in den Statuten aller dieser Banken heißt, solide Unternehmungen und Gewerbetreibende unterstützt, sondern sie wurden, sofern sie nicht an weniger solide Freunde und Bekannte der Gründer ohne Deckung verliehen wurden, zu den wüstesten Börsenspekulationen verwendet. Mit verbrecherisohem Leichtsinn wurde das Geld dir dem Mittelstand angehörigen Einleger aufs Spiel, und zwar aufs Börsenspiel gesetzt und, wie sich erst beim eben stattgehabten Prozeß gegen die „Kaufmännische Bank" zeigte, von vollkommen unfähigen und im Bankfach unerfahrenen Menschen verwirtschaftet. Erst als den Herren bereits das Wasser zum Halse gestiegen war, d. h. als sie bereits ganz auf dem Trockenen wäret*, da wurden — noch immer neue Einlagen zu „christlichen Zwecken" entgegengenommen und das ahnungslose Publikum, das vor den jüdischen Kapitalisten ge rettet werden sollte, belogen und betrogen. Auf einmal erfolgte ein großer Krach und (die Gesellschaft mit der beschränkten Haftung und dem unbeschränkten Vertrauen hatte nichts als Schulden, die allerdings durch ungedeckte Konti sichergestellt waren. Das weitere meldet die Gerichtssaalchronik. Diese berichtet jedoch nur von den fabelhaften Erfolgen der a n t isemitisehen Wirtschaftspolitik, während sje von dem Jammer der um ihren Sparpfennig Betrogenen nichts vermeidet. Das gehört nämlich in ein anderes Kapitel. „Propaganda". In der letzten Nummer unserer Zeitschrift wurde ausgeführt, daß die Jüdischnationalen bei den Werbungen für ihren Keren Hajessod dimmer wieder Kapital daraus zu schlagen versuchen, daß die Unterschriften einiger Nichtzionisten auf Bezirksaufrufen für den Keren Hajessod figurieren. Diese Verschleierungstaktik ist nicht österreichischen Ursprungs. Denn wenn die Jüdischnationalen denjenigen, die gegen den Keren Hajessod. aber lediglich wegen seiner parteipolitischen Färbung, auftreten, immer wieder unberechtigterweise vorwerfen, daß sie die Methoden ihres Angriffes aus Deutschland herholen, wo mächtige Organisationen sich gegen den national eingestellten Keren Hajessod wenden, so ist nach dien bisherigen Erfahrungen mit mehr Berechtigung zu sagen, daß die Wiener Jüdischnationalen in gleicher Weise wie ihre deutschen Gesinnungsgenossen für ihre Institution eintreten. Da wie dort wird aus den Unterschriften der Nichtzionisten Kapital geschlagen, da wie dort wird aber verschwiegen, daß diese unterschreibenden Herren ihre Unterschrift lediglich in der Erwägung geben, daß eine freiwillige Spende nicht im mindesten eine Verpflichtung präjudiziert. Man spendet eben für den Aufbau Palästinas so wie für ein anderes humanitäres Werk, und nur so weit es sich um ein solches handelt, und immer mit der Berücksichtigung des Umstandes, daß die Wohltätigkeitsanstalten des eigenen Landes dadurch nicht im geringsten geschädigt werden. Diese Anschauung mag berechtigt sein, die Jüdischnationalen zum mindesten sprechen ihr die Berechtigung ab. Zum Beweis hierfür diene eine Stelle eines informativen Aufsatzes der „Jüdischen Volfoszeitung", Bratislava, vom 26. v. M., worin über die Art der Propaganda für den Keren'Hajessod gesprochen wird. Dort heißt es: „Der Keren Hajessod soll nicht auf der Sammlung von Spenden beruhen, sondern auf dem Bewußtsein, daß alle Juden verpflichtet sind, für den Aufbau Palästinas, für die Schaffung der nationalen Heimstätte, für Erneuerung und Reproduktivierung (!) des Judentums ein ernsthaftes Opfer, eine Steuer beizutragen." Hier wird also ausdrücklich von authentischer Seite, denn der Aufsatz informiert ganz allgemein über den zionistischen Keren Hajesspd, der Beitrag für diese Institution nicht als eine Spende, sondern als eine Steuer, eine sogenannte „M a a s s e r- Leistung" deklariert. Der gleiche Artikel wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Methoden der jüdischnationalen Propaganda, über die uns schon wiederholt lebhafte Klagen zugekommen sind. So wird immer wieder darüber Klage geführt, daß die werbenden Elemente bei ihrer Werbung — sagen wir — höchst unbescheiden vorgehen, und vor allem trotz der wirtschaftlichen Depression eine direkt belästigende Art der Propaganda an den Tag legen. Diese Art wird verständlich, wenn sie, wie es in dem in Rede stehenden Artikel geschieht, geradezu zur Pflicht gemacht wird. „In dem Augenblicke", heißt es dort, „in dem man ernsthafte Opfer, eine steuerartige Abgabe verlangte, war es klar, daß... es notwendig sei, jeden einzelnen aufzusuchen, und individuell solange zu bearbeiten, bis seine Bereitschaft zu geben in einem gewissen Einklänge stand mit der Forderung, die an ihn gestellt wurde." Es ist mehr als fraglich, ob diese, sagen wir nochmals nur: unbescheidene Methode zu einem Erfolg führen kann. Das Blatt selbst muß diese Fragwürdigkeit dadurch zugeben, daß es sagt, daß „die Erfolge vielleicht im Verhältnis zu den Wünschen und Hoffnungen des Jahres 1920 bescheiden sein mögen." Wenn wir nun gar bedenken, welcher Unterschied zwischen den wirtschaftlichen Verhältnissen des angegebenen Jahres und denen der letzten Jahre besteht, von denen merkwürdigerweise selbst dieses zionistische Blatt zugibt, daß sie ..sehr schwierig" sind, so kann ruhig behauptet werden, daß die unbescheidene Art der Propaganda noch bescheidenere Erfolge zeitügen wird. Man darf eben nicht immer nur auf den allzu lauten Mißklang der Werbetrommel Bedacht nehmen. Walter Gattermayer und Josef Müller verurteilt. Der Prozeß gegen den berüchtigten antisemitischen Hetzer Walter Gattermayer sowie gegen den verantwortlichen Schriftleiter der „Deutschen Arbeiterpress e" Josef Müller hat mit der bedingten Verurteilung der Angeklagten zu drei bzw. zu sechs Wochen strengen Arrest geendet. Der Prozeß, über den wir noch ausführlich berichten werden, zeigte die antisemitischen Hetzapostel, die mittelbaren Urheber der zahlreichen Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten zur Zeit des Zionistenkongresses in ihrer ganzen Niedrigkeit und Erbärmlichkeit; denn wahrlich, kläglich war der Eindruck, den die beiden erweckten: das ohnmächtige Gestammel, das Herunterleiern eingelernter Reden, die Vertuschungsversuche, mit denen sich die Angeklagten herauszuwinden trachteten, all dies zeigte deutlich die innere Unaufrichtigkeit und grenzenlose Feigheit dieser ..überzeugten" Antisemiten. So lange es galt, in Versammlungsreden große Worte zu führen oder in Hetzblättern niedrigster Art das Judentum, die Regierung, die Polizei, kurz alles, was nicht dem Hakenkreuz bedingungslose Gefolgschaft leistet, anzugreifen und zu beschimpfen., war man stolz, mutig und tapfer: Als es aber notwendig wurde, für sein Tun und Lassen einzustehen und seine Handlungen vor Gericht zu verantworten, da schwanden auf einmal Stolz, Mut und Tapferkeit und was übrig blieb, war nicht der Rede wert. Die Geschworenen hahen es daher nicht für notwendig gefunden, diese „Helden" in vollem Umfang der Anklage schuldig zu sprechen, und das Gericht hat die Dlörzlich so klein Gewordenen auch nur zu relativ kleinen Strafen verurteilt. Das Urteil der gesamten gesitteten Welt über diese Auswüchse einer verrohten Zeit, über diese Kreaturen dts Hasses und der Gemeinheit ist bereits längst gefällt und bedurfte keiner gerichtlichen Bestätigung. Dieses Urteil lautet: Walter Gattermaver und Josef Müller sind schuldig, sich gegen die geheiligten Gesetze der menschlichen Gesittung, gegen die einfachsten Grundregeln des menschlichen Anstandes aufs schwerste vergangen zu haben und werden zu lebenslänglicher Verachtung verurteilt. Prediet. Freitag, den 5. d. M., 5 Uhr 45 Minuten abends, findet im Großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Orunwald statt.