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Die Wahrheit · 1926-02-05 · Heft 10 (5.2.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 10 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 DIE WAHRHEIT sich besser in die Oper oder ins Burgtheater e'-gne", so hatte man sich später zu der schweren Erkenntnis durchgerungen, daß Herr Milienkovich mit seiner seltsamen Verfolgung des „christlich-germanischen Schönheitsideals" sich in keines der beiden Kunstinstitute eigne. Das Blatt behauptet, Milienkovich werde sich nicht hindern lassen, auch fürderhin für christlicn-germaniische Weltanschauung zu sprechen und zu wirken. Schön. Die Absicht, in Zukunft auch als Sittlichkeitsapostel gegen die Juden aufzutreten, scheint er jedoch endgültig aufgegeben zu haben. * Lange ist Graf Bethlen fest im Sattel gesessen. Aber schließlich kommt für jeden Minister die Frage des Seins oder Nichtseins. Muß Bethlen gehen? Darf er fahren? Das heißt: nach Genf fahren und auf der Ministerbank bleiben, die sicherlich jeder anderen Bank vorzuziehen ist. Das letzte Wort hierüber gehört vielleicht weder der Regierungspartei noch der Opposition in Ungarn, sondern dem französischen Ministerpräsidenten. Einmal war man schon in Genf so gefällig, einen gefälschten Bericht über den Numerus clausus für echt zu akzeptieren. Aber du lieber Himmel, da handelte es sich nur um ein paar tausend jüdische Studenten, die von Wissensdurst getrieben, im Auslande hungern. Wird man ein zweitesmal geneigt sein, einer Darstellung der Francs-Affäre Glauben zu schenken, die, mag sie auch meisterhaft ausgeführt sein, den Kenner nicht täuschen kann. Diesmal handelt es sich um Geld, bei dem bekanntlich die Gemütlichkeit aufhört. Nun, man hat yntersuchungen über Bombenattentate, bei denen Juden in die Luft fliegen sollten, jahrelang hinziehen können, der interkonfessionelle Charakter des Geldes duldet auf die Dauer keine Vertuschungsarbeit. Man kann ruhig zusehen, wie man Menschen wegen ihres Glaubens mordet, aber wenn es sich um Fragen des Kredites handelt, das ist etwas anderes. * Es läßt sich nicht leugnen, daß die Opposition dem Grafen Bethlen auch Vorwürfe nicht ersparte, deren Berechtigung man wirklich nicht anerkennen diarf. So zog zum Beispiel der Abgeordnete Rassay in heftiger Weise gegen die „geheimen Gesellschaften" los, die im Lande noch aus der Zeit der Gegenrevolution unter verschiedenen Namen wirken und für die er die Regierung verantwortlich machen will. Ja» um Himmelswillen, hätte die Regierung vielleicht [h'äiM^j S Laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn ■ S Oberrabbiners ■ | SIMON SCHREIBER aus Erlau | S Verläßlich Koscher [ ■ in Friedensqualität erzeugt von 5 [ HEINRICH FRANCK SÖHNE j S Kaffeesurrogatfabrik, Linz a. d. D. ■ ■ bei £ ■ jedem 5 S Kaufmann 5 ■ zu | ■ haben!5 ■ ■ niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiunna die Forderung stellen sollen, daß diese Gesellschaften, an die man immer wieder erinnert wurde, weil einzelne ihrer Mitglieder bei so vielen Verbrechen tätig waren, ihren geheimen Charakter verleugnen? Hätte sie verlangen sollen, daß die Herrschaften Recht auf Raub und Mord proklamieren? Eher läßt es sich hören, wenn Rassay dem Grafen Bethlen verübelte, daß er diese „geheimen Gesellschaften'" nicht längst aufgelöst hat, eine Maßnahme, die sogar der Ministerpräsident schon vor einiger Zeit zugesagt hatte. Es ist wahr, es ist nur beim Versprechen geblieben, aber man sollte doch nicht übersehen, daß schon das Versprechen allein in gewissem Sinne als das Verdienst einem Staatsmanne angerechnet werden muß, der gelegentlich setbst mit kleinen Pogromdrohungen spielte. * * * Die beiden Mordbuben!, die Vazsonyi den wahren Patriotismus lehren wollten, sind auf freien Fuß gesetzt wordfon. Auch Vannai, ein vielbewährter Mörder, der zuletzt als Erzieher rassenschützlerischer Jünglinge tätig war, wurde nicht zuchthäuslerischer, sondern häuslicher Pflege übergeben. Wen kann es da überraschen, daß die beidien Helden, denen gegenüber die Justiz vorläufig die Augen schließt, von den Erwachenden mit jubelnder Begeisterung empfangen wurden? Wollten sie viellecht damit d'er Welt demonstrieren, daß Ungarn nicht reaktionären Gewalten verfallen sei, sondern auch jenen noch weitgehende Freiheit gewährt, die man anderwärts schon hinter Schloß und Riegel hält? In einem Lande, in dem man Attentäter frei herumlaufen läßt, muß man allerdings Abgeordnete zumindest vogelfrei erklären. Ego. ^^-Äfi» ^"^^rb - '•5^^*"^» ^e^^£?P^ W,n^r^^gm^h aui 'agema '

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