Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 die Menschheit je eine weise, kluge, glückliche Massei werden könne (It, Reise Band 23. S. 1). Doch eh' ich von Trouville scheide, wäll ich nur noch bemerken, daß es in keinem Seebade der Welt so anständig und seriös zugeht wie dort. Man merkt eben dem Orte und seinen Gästen die Kultur an. (Fortsetzung folgt.) Der „Semi-Gotha" und sein Vorgänger vor 300 Jahren-*) Von Arturo B a b, Rtvera in Argentinien. Vor etwa zwölf Jahren erschien unter dem Titel: „Genealogisches Taschenbuch dies gesamten Adels, jehuidäisichen Ursprungs" eine Nachäffung des bekannten gothaischen Adels-Almanaches. Dieses Plagiat, welches kurz der „Semi-Gotha" genannt wurde, brachte als Einleitung einen Abriß über die Geschichte des Judentums» dem allerhand Schandbares üsnid Widerliches nachgesagt wmrdie. Dann begann eine lange Reihe der „jehudäischen Adelsfamilien". Zum Teil waren es wirklich israelitische Adelige wie die Rothschild, Hirsch, Montiefiore, die bei dieser Gelegenheit belästert wurden; teils unliebsame Leute, die man de« Juden anhängen wollte, wie zum Beispiel dier englische Zeitungsverieger Lord Northcliffe, von dem behauptet wurde, daß er ein Frankfurter Hebräer namens Stern sei. In Wirklichkeit war dieser Lord aber in einer Vorstadt von Dublin als Sohn eines protestantischen Advokaten namens Harmworth geboren. Schließlich zitierte der Semi-Gotha noch als „jehiurtäisohen Adel" eine Anzahl aristokratischer Familien christlichen Ursprungs, denen man offenbar etwas anzuhängen wünschte, so die Grafen Douglas, Henekel-Donnersmark, Metternich-Sandor usw. Jesus Christus und die Makabäer waren natürlich keine Semiten, sondern Arier; während uns gütigst die Napoleoniden sowie eine Anzahl Päpste — unter ihnen die Borgia — zugeteilt wurden.________ Dieses Buch, das seinerzeit viel Staub aufwirbelte, wurde gerichtlich beschlagnahmt; doch muß man zugeben-, daß es eine originelle und nicht geisttose Art war, unter dem Deckmantel einer Pseudo- . Wissenschaft antisemitische Lügen zu verbreiten, Merkwürdigerweise hat dieser Semi-Gotha bereits vor 300 Jahren eine Art Vorgänger gehabt, allerdings wurde, wie man zu sagen pflegt, „umgekehrt ein Schnh daraus". Der größte Teil Süd-, Mittel- Amierikas sowie Mexikos -waren damals bekanntlich eine spanische Besitzung und als bedeutendste Stadt galt Lima, die Residenz des Vizekönigs von Peru. Dort hatte sich ein reicher und exklusiver spanischer Adletl angesiedelt, und so war es nicht zu wundern, daß im Jahre 1612 ein gewisser Mejia de Oramda einen Almanaeh herausgab, in welchem alle Familien der kastilianischen Kolonial-Aristokraten verzeichnet waren. Die Inquisition, welche natürlich auch in den spanischen Besitzungen über die „Rein- *) Aus der in einer der letzten Nummern unseres Blattes besprochenen Zeitschrift für jüdische Familienforschung, Berlin. 100% REINES FETT AUS KOKOSNÜSSEN hob be? ie?s l heit des Glaubens und des Blutes" wachte, stellte aber fest, daß der Verfasser —gegen eine Handsalbe von je 50 Pesos per Kopf —eine Anzahl Marrannen- Familien in die Liste der spanischen Adeligen hereingeschmuggelt hatte. Die Inquisition erklärte daher diesen „peraanischen Gotha" für ketzerisch und befahl die Vernichtung desselben; doch hat sich trotzdem ein Exemplar bis in das 20. Jahrhundiert hiniibergerettet und wird in der Bücherei der Gesichts-Akademie von Madrid aufbewahrt. Wenn übrigens das hochwohllöbliche Inquisitions-Amt zu Lima dieser peinlichen Angelegenheit etwas mehr auf den Grund gegangen wäre, so hätte sie wahrscheinilich den größten Teil der angeführten Familien aus den Gefilden, in denen die unverfälscht blaublütigen spanischen Granden weilen, vertreiben müssen. Denn es gab oder gibt wohl kaum eine kastilianisehe Adelfamilie, die nicht Semiten (Juden oder Araber) unter ihren Ahnen zählt. Erfreute sich doch selbst König Ferdinand der Katholische (1452 bis 1516), welcher die Inquisition einführte und alle Hebräer für ewige Zeiten des Landes verwies, einer jüdischen Urgroßmutter, der schönen Paloma aus Toliedo. Der Sohn dieser Paloma war der Admiral Fadrique Enriquez, dessen Tochter Juana Enriquez (1425 bis 1468) sich mit dem König Johann II. von Aragonien (1397 bis 1479) verheiratete. Dieser Ehe entsproß Ferdinand der Katholische (1452 bis 1516), Gatte der Isabella von Kastilien (1451 bis 1504). IAC. MAYER Kleider-, Pelze* u. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II, Glockengasae 24 Wien II., Tabors!ra0e 44