Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 DIE WAHRHEIT Seite 3 Hoffnung" in seinen „Sechs Fällen von antisemitischer Politik und Journalistik", die er selbst als ebensoviele ausgesuchte Gemeinheiten mit einer Häufung von Lügen bezeichnet. Und eben das; was der junge Otto Emst dort scharf und; treffend geißelt, eben dasselbe tut in slei'nem völkischen Zeitungsartikel dier alte Herr O. E. Schmidt. Er hat auch ein Kapitel in seinem oben angeführten vorzüglichen Buch 4er Hoffnung „Zur Charakteristik der Juden" geschrieben, und gerade mit diesen Ausführungen beweist er, daß er die Juden genau und gut kennt, daß er sich nicht wird herausreden können mit dem Hinweis auf etwa genossene völkische „Literatur". Herr 0. E. Schmidt reiht sich am Ende seiner literarischen Laufbahn ein in die unabgegrenzte große Partei der Antisemiten, über die er einst schrieb: „D i e T a t- Sachen haben erwiesen, daß unter den Führern dieser Partei verhältnismäßig weit mehr unsaubere Subjekte sich b ef anden, als in der gesamten J uden schaft Deutschlands jemals, selbst mit antisemitischer Statistik, nachzuweisen wäre n" . . und „ . . e s f ä 111 mir n atür 1 i ch auch nicht ein, von je n e n antisemitischen Hall-unken.aus ungerecht zu verallgemeinern; das II! &QUQS IROTGA55E-1 werden, weil er der Bescheidenheit und Demut nicht den schuldigen Tribut entrichtet und die Augen der Welt zu sehr auf sich gelenkt hat. Wie unsere Alten sagen, gleichen die beiden steinernen Tafeln Braut und Bräutigam, Himmel und Erde, Diesseits und Jenseits. Die schönste Harmonie eine.-? Ehebundes, das sicherste Glück eines Hauses, die Freude an den Gütern der Erde, die Ruhe des Gewissens und der Seele werden durch das böse Auge ebenso zerstört wie jene Tafeln von Stein. Wenn daher Moses von den Trümmern und Scherben der ersten Tafeln reich geworden sein soll, so bestand sein Reichtum und Gewinn in der Erfahrung, daß der Menschheit größte Werke und Leistungen in stiller Bescheidenheit geboren werden, und je größer das Werk, desto größer die Demut und Beschejdenheit des Werkmeisters und Besitzers sein muß. Nicht abergläubische Furcht darf den Besitzer zur Vorsicht vor dem Ajin hora. dem bösen Auge, mahnen. Talismane, Amulette und alle geheimnisvollen Zeichen können weder ein Volk noch den einzelnen davor schützen; ist ja selbst Jerusalem, die heilige Stadt mit dem heiligen Tempel wegen des Ajin hara zerstört worden. Nur des Menschen eigene Einsicht und Wandel schützt, wie Gott durch den Propheten sagt: „Demütig, bescheiden wandeln." Das goldene Kalb Ijatte Moses im Feuer verbrannt, seine Schlacken zu Stfub*zermalmt und diesen über das Wasser hingestreut. Die Trümmer der Tafeln wurden sorglich neben den ganzen im heiligen Schireine aufbewahrt. Die Erinnerung an ersteres sollte vollständig schwinden, letztere als Wahrzeichen und Warner erhalten blejben. Außer Jerobeam haben aber seither noch viele goldene Kälber aufgestellt und die Menschen zu deren Dienst verleitet. Wer die Geschichte der Menschheit kennt, weMß: wegen des „Tanzes um das goldene Kalb" gab es oft „Zerbrochene Tafeln des Gesetzes!" K. PESSücn Kaffee-znsafz in braunen Schachteln laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober- Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau TOS w«srliittll«*a koMfae auch heuer wieder in garantiert reiner und ausölebülSer «lualltf *i* zu haben bei Heinrich franck Söhne in Kosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern so daß sämtliche Erzeugnisse verläßlich Koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Int.resse recht genau die braune Farbe der Stiiaditel die Schutzmarke KAfFEElitllilE und die Unterschrift Heinrich FBAIMCK söhne iiiiiiiiiiiiiitiiiiiiniiiiiiiiiiti Recht auf Irrtum resp. auf Dummheit ist unbeschränkt, und man kann sehr dumm, ja sogar sehr roh und dabei doch imUmkreisseinermoralischenlntelligenz durchaus ehrenhaft sein." Wenn nun Herr Professor Wölbe Herrn Schmidt eine Antwort auf seine Drohung wegen der angeblichen Anzweifelung seiner Ehrenhaftigkeit mit einer Klage geben wollte, so könnte er sich auf jenen oben wiedergegebenen Satz des jungen Otto Ernst sicherlich mit großem Erfolg beziehen; denn ich glaube, daß es Herrn Professor Wölbe eben so wenig wie mir einfallen würde, an der Ehrenhaftigkeit des Hamburger Schriftstellers zu zweifeln, sondern daß er nur von dem guten Recht Gebrauch machen wollte, öffentlich zu beklagen, daß auch Herr Otto Ernst der Verbreitung antisemitischer Dummheit in seinem Alter zum Opfer gefallen zu sein scheint. In dem mir vorliegenden Aufsatz des Herrn Professor Wölbe im „Familienblatt" finde ich den Vorwurf des „Konjumkturantisemitismus" gegenüber Herrn O. E. nicht; die von O. E. daraus gezogenen Folgerungen in seiner Anrempelung Herrn Wolbes gegenüber den Juden stimmen aber doch nachdenklich. Warum sollte nicht ein Schriftsteller, dessen Geschäfte anfangen schlecht zu gehen, weil er sich an einem Nietzsche vergriff, auf den nicht mehr ganz unbekannten Ausweg verfallen, sich bei den Völkischen in empfehlende Erinnerung zu bringen. Dinters „Ruhm" und Kassenerfolg sind dazu gute Vorbilder und unsterblich kann man dabei auch werden, aber leider nur — unsterblich blamiert!