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Die Wahrheit · 1926-02-26 · Heft 9 (26.2.1926) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 9 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 9 österreichischer Juden" ruht, er ist der Mann, der sie zu neuem Leben erweckt hat und, wie wir hoffen wollen, sie zu neuen und großen Erfolgen führen wird." Den beiden Vorrednern antwortete hierauf Dr. Ismar Freund mit folgenden tiefempfundenen Dankesworten: „Es ist mir ein Herzensbedürfnis, für die so warme Begrüßung, die mir hier in Wien und besonders in Ihrem Kreise zuteil wurde, aufs innigste zu danken. Ich kann das Gefühl einer gewissen Beschämung ob der mannigfachen Ehrungen und Auszeichnungen nicht unterdrücken, da ich nicht glaube, sie in dem Ausmaße verdient zu haben, wie sie mir entgegengebracht worden sind. Was von der Notwendigkeit eines engeren Verhältnisses zwischen den beiden Schwesterorganisationen, der „U n i o n" und des „Z e n t r a 1 v e r e i n e s" gesagt wurde, kann ich nur auf das wärmste unterstützen. Gemeinsame Aufgaben, gemeinsame Gefahren zwingen uns zu diesem Zusammenschluß. Wir können nicht mit verschränkten Armen zusehen, wie sich ein maßloser Judenhaß austobt sondern wir müssen der gemeinsamen Front unserer Angreifer eine gemeinsame Abwehrfront entgegenstellen. Der Zionismus glaubt eine einfache und radikale Lösung der Judenfrage gefunden fax haben, die reihliche Scheidung zwischen Jud und Christ, den Exodus und die Schaffung eines eigenen Judenstaates. Doch gar so einfach ist die Lösung nicht. Das Judentum wird nur dann seinen Kulturaufgaben gerecht werden, wenn es auf dem Platze ausharrt, auf den es die Geschichte gestellt hat, ungeachtet der Anfeindungen, Be- > drückungen und Bedrohungen von allen Seiten. Zu diesem Zwecke müssen wir uns zusammenschließen und gewappnet sein ge— unsere zahlreichen Widersacher. Als einstmals unsere Vorfahren aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, da mußten sie den Tempel zu Jerusalem aufbauen „mit Kelle und Schwert1", da sie sich gegen die erbitterten Angriffe und Störungen des Aufbauwerkes von Seiten der Samaritaner zu wehren hatten. Auch wir müssen* heute unsere Tempel, unsere Zukunft aufbauen mit Kelle und Schwert: Aufbau und Abwehr soll daher unsere Parole sein. Dann wird auch der Antisemitismus das sein, was das Dichterwort sagt, „eine Kraft, die stets das Böse will und nur das Gute schafft." Die drei Reden wurden mit großem Beifall aufgenommen und die illustre Gesellschaft, die sich zu Dr. Freunds Ehrung eingefunden hatte, Wieb sodann noch bis in die späten Abendstunden in gemütlicher Unterhaltung mit ihrem Gaste beisammen. [-^-Restaurant Buth II., Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Menü zu S 1.80 und 2.20 Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Jeden Samstag und Sonntag Souper bansant Jeden Sonntag Tünf-VQr-Zee mit Zanz Zum Besuch ladet höfl. ein J. GUTH, Besitzer : (gelles I- ROTGA55E -1 Ein jüdischer Arzt und gleichzeitig einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Schule wurde vor kurzem in Wien wiederentdeckt — 27 Jahre nach seinem Tode. Derjenige, dem das Verdienst an dieser Entdeckung zufällt, ist der Leipziger Professor Rille, der in einem ausgezeichneten Vortrage in der „Gesellschaft der Aerzte" ein packendes Lebensbild des hervorragenden Arztes und bedeutenden Menschen David G r u b y gegeben hat. Gruby wurde im Jahre 1810 als der Sohn armer jüdischer Eltern in Südungarn geboren und konnte dank der Unterstützung eines katholischen Geistlichen in Budapest das Gymnasium besuchen. Hierauf studierte er in Wien Medizin und wurde Operationszögling an einer Wiener Klinik, obwohl schon damals die wissenschaftliche Laufbahn den Juden sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht wurde. David Gruby hat eine Reihe bahnbrechender Forschungen auf dem Gebiete der Hautkrankheiten gemacht und kann, wie der Vortragende ausführte, als der Schöpfer der Lehre von den parasitären Hauterkrankungen bezeichnet werden. Doch in Wien fanden seine Leistungen nicht die gebührende Anerkennung und so zog es der junge Gelehrte vor, Wien zu verlassen — eine traurige Tatsache, die in der Folgezeit besonders bei j üd i s c h e n Gelehrten oftmals beobachtet werden konnte — und begab sich nach Paris, wo sehr bald die hervorragendsten Gelehrten als Hörer zu seinen Füßen saßen. Gruby war einer der beliebtesten Aerzte von Paris. Zu seinen Patienten zählten u. a. Alexander Dumas, Alphonse Daudet und Heinrich Heine, bei welchem er als erster die furchtbare Diagnose auf Rückenmarkschwindsucht stellte. Prof. Rille schloß seinen Vortrag mit folgendem Appell: „Wiener Schule, wenn dir wieder ein David Gruby erstehen sollte, halte ihn fest, stoße ihn nicht von dir, halte ihn fest zu deiner und zu seiner Ehre!" Wie aber wäre es, wenn dieser Gelehrte wieder ein Jude wäre? Die Antwort auf diese Frage hat bereits ein Rektor der Wiener Universität gegeben, der es bedauerte, daß bei Ernennung von Privatdozenten „bloß" die wissenschaftliche Befähigung maßgebend sein solle. Der Appell Prof, R i 11 e s legt die Vermutung nahe, daß dem Leipziger Gelehr- ten der „Geist", der heute an der Wiener Hochschule herrscht, wohl bekannt sein dürfte. Stinkbomben haben bekanntlich den Zweck, beim Zerplatzen die Luft zu verpesten und Ueblichkeiten hervorzurufen. In diesem Sinne sind die Stinkbomben, die unlängst von arischen Lausbuben im G r a z e r Schauspielhaus bei einer jüdischen Wohltätigkeitsveranstaltung geworfen wurden, nur der äußere Ausdruck für eine Erscheinung, die wir in der steirischen Hauptstadt schon seit einiger Zeit zu beobachten Gelegenheit hatten. Radauantisemitismus und Stinkbomben passen wirklich sehr gut zusammen. Beide stehen in übelstem Geruch, beide haben die Eigenschaft, die Luft zu verpesten, und in diesem Sinne muß man den rassenstolzen Jünglingen von Graz zugestehen, daß sie keinen passenderen Ausdruck für ihre Gesinnung, für ihre ganze politische Mentalität hätten finden können als eben — Stinkbomben. Es begann bereits damals in Graz zu stinken, als die dortige hakenkreuzlerische Studentenschaft durch offene Drohung mit Gewalttätigkeiten die Absage des dortigen Juristenballes erzwang, weil dessen Protektor, der Dekan der juridischen Fakultät Professor Doktor E h r e n z w e i g ein Jude war. Als nun ein jüdischer Krankenunterstützungsverein in Graz eine Dilettantenvorstellung von Otto Ludwigs Trauerspiel „Die Makkabäer" ankündigte, wurde von berufsmäßigen Hetzern Stimmung gegen diese ausschließlich wohltätigen Zwecken dienende Veranstaltung gemacht. Die Erregung erreichte einen solchen Grad, daß die Aufführung, welche bereits vor einer Woche hätÜ stattfinden sollen, „wegen Erkrankung des Spielleiters" abgesagt werden mußte. Vergangenen Sonntag fand nun die angekündigte Wohltätigkeitsvorstellung statt. Da die Polizei über di'e Absichten der Hakenkreuzler unterrichtet war, hatte sie umfassende Vorkehrungen zum Schutze des Publikums getroffen. Dennoch aber konnte sie es nicht verhindern, daß die Besucher beim Betreten des Theaters beschimpft. Ja sogar tätlich insultiert wurden. Während der Aufführung des Stückes, das eines der erschütterndsten Dramen der Weltliteratur ist, wurden nun besagte Stinkbomben geworfen. Die Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II, Glockengüsse 24 Wien II., Taborsrraße 44

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