Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE WA1 Kr. § SÄ 9» & -fe ,r KW % * *-t # s. f) £ r 5U~ I Ü * %.• | Veröffentlichungen I der I „Union deutschösterreichischer Juden" I Wien IX. | Berggasse 4 ■ Postsparkassen - Konto : Nr. 9464 Telephon Nr. 19-2-77 Beredtes Schweigen. Die „Wiener Morgenzeitung" hat auf die Aufsehen erregenden Ausführungen in der letzten Nummer der „Wahrheit", die die wahren Beweggründe und den Zweck des vielgenannten Schreibens des Präsidenten der „Union" Dr. Jakob O r n s t e i n klarlegten, das er lediglich in dieser Eigenschaft zu informativen Zwecken an einige Privatleute richtete, mit keinem Worte geantwortet. Bei der Kampfesart der „Morgenzeitung" müssen wir wohl selbst zugeben, daß dieses Schweigen nicht als ein immerhin ehrendes Bekenntnis zur Wahrheit zu betrachten ist, sondern sie hoffte anscheinend, die immerhin schwierige Antwort ihren Parteifreunden in der mit großem Applomb angekündigten Praterversammlung über „Die Zustände in der Kultusgemeinde" überlassen zu können. Nunmehr aber ist es nach unseren Informationen zweifellos, daß die „Morgenzeitung" sich selbst in dieser schwachen Hoffnung getäuscht sah. Denn die mit viel Tamtam angekündigte Versammlung hat wohl stattgefunden, von Dr. Desider Friedmann, von Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes, von Oberbaurat Robert Stricker und — last, not least — Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz wurden in bekannter Weise Reden über den Brief gehalten, aber es ist erst sechs Tage später ein Bericht über diese „Massenkundgebung" erschienen. Warum wohl? Weil selbst dieser nachhinkende Bericht abgesehen von der mit wahrer Wollust wiedergegebenen Schilderung der ewig wiederholten läppischen Witzeleien über das „Treudeutschtum", den „Sklavengeist", den „über die Seitenstettengasse nicht hinaosreichenden Horizont der Unionleute" etc. — mit welchen gemeinen Schimpfereien noch einmal bei passender Gelegenheit endgültig abzurechnen sein wird — nichts Wesentliches enthält, was unsere Ausführungen erschüttern könnte. Oder sollte vielleicht die von der „Morgenzeitung" verschwiegene Frage des Herrn Dr. Friedmann, woher der Artikel stammt, ob von Dr. Ornstein selbst oder aus seiner nächsten Nähe, eine Erschütterung bedeuten? Wer lesen kann, hat sicherlich erkannt, daß der Artikel nicht von Dr. Ornstein selbst stammte. Oder soll die uns so arg treffende „originelle", von der „Morgenzeitung" ebenfalls unterschlagene Witzelei, daß der Inhalt nicht dem Titel unseres Blattes entspricht, als sachliche Widerlegung gelten? Nein, wir wiederholen es, die Widerlegung wurde gar nicht versucht und das Schweigen der „Morgenzeitung" und ihrer Parteifreunde ist tatsächlich zwar nicht als ehrende, aber als beschämende Erkenntnis der Herren zu werten, die Richtigkeit dessen, was wir behauptet und begründet haben, auch nicht mit einem Jota erschüttert zu haben. Und deshalb steht es fest: Das bekannte Schreiben des Präsidenten der „Union", Dr. Jakob Ornstein, das er in dieser seiner Eigenschaft bloß an fünf Privatpersonen, darunter persönlich Bekannten und Verwandten des Absenders übermittelte, verfolgte einen lediglich informativen Zweck, und enthielt nicht, wie in verlogener Weise behauptet wurde, eine „Suggestivfrage", oder wollte gar „Antworten herbeischaffen, die erweisen sollen, daß die Zionisten die Arbeit der Kultusgemeinde zugrunderichten." Der Bericht ist aber vielleicht auch aus dem Grunde verspätet erschienen, weil die Herren der „Morgenzeitunig", gewitzigt durch die Erinnerung an ihren Bericjit über die seinerzeitige Rede Dr. Löwenherz', der sich als tendenziös erwiesen hat und von dem Redner selbst in einem Schreiben an Dr. Ornstein in seinen wesentlichsten Stellen dementiert werden mußte, ihren diesmaligen Bericht der Zensur vorlegten. Die Rede Dr. Löwenherz' erschien denn auch stark gekürzt, und wird werden — Schmerz, laß nach! — totgeschwiegen. So arbeiten die vom Parteihaß verblendeten Jüdischnationalen und es ist nach all dem nur zu begreifen, daß die berechtigte Empörung den so schwer beleidigten leitenden Herren der Majorität des Kultusvorstandes wenig Neigung einflößt, mit Leuten, die diese Kampfesart gutheißen und pflegen, weiter zu verhandeln. Es ist auch weiterhin begreiflich, daß diese Empörung in den weitesten Kreisen der Wiener jüdischen Bevölkerung, soweit sie anständig gesinnt ist, geteilt wird. Dies ergibt sich nicht nur aus den zahlreichen Zuschriften, die Dr. Ornstein selbst wie auch der Redaktion der „Wahrheit" über die Sache zukamen und von denen bereits die Rede war. Dies fand seinen besonders eklatanten Ausdruck in einer am 22. d. M. stattgefundenen und zahlreich besuchten gemeinsamen Sitzung der Mitgliedschaft IX und des Zentralvorstandes der „Union", der auch viele unionistische und agudistische Mitglieder des Kultusvorstandes einstimmig das volle, rückhaltlose Versitz des Herrn M. Oesterreicher wurde nach eingehenden Referaten der Herren Dr. Ornstein, Baurat Kempler und Dr. Ticho nicht nur den maßlos angegriffenen leitenden Herren des Kultusvorstandes einstimmig das volle rückhaltlose Vertrauen und der innige Dank für ihre bisher geleistete ersprießliche Tätigkeit einstimmig ausgesprochen, sondern auch der Beschluß gefaßt, in einer demnächst stattfindenden Versammlung einer größeren Oeffentlichkeit Gelegenheit zu schaffen, die wahren „Zustände in der Kultusgemeinde" im richtigen Licht zu sehen. Die Art und Weise der Agitation der Jüdischnationalen wurde in der erwähnten Sitzung neben anderen interessanten Details insbesondere durch einen Teil der Diskussion gekennzeichnet, aus dem hervorging, in welch tendenziöser Weise die Jüdischnationalen bei ihren Werbungen für ihren Keren Hajessod vorgehen. So versuchen sie immer