Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. § Dlfi WAflRHEffi Seit« 5 Schon sehen wir dort durch' einseitige Betonung des Völkischen eine völlige Abkehr von allem Geistigen, ein Aufgehen im Materialismus, ein zum Atheismus ausgewachsenes Freidenkertum sich allenthalben verbreiten. So hat sich ein Jehuda Halevy sein Zion wahrlich nicht erträumt. Wenn Renan sagt: „Das jüdische Volk, zerstreut von einem Ende der Welt bis zum anderen, hatte bald keine andere Nationalität als — die Thora", so droht ihm diese gerade auf dem alten nationalen Boden verloren zu gehen. Denn es ist wirklich kein Unterschied zwischen dieser und jeder beliebigen anderen Siedlung von Juden in Amerika oder anderswo: Die anderthalb Millionen, welche in Palästina bestenfalls Platz haben, müssen sich auch aus einem anderen Grunde mehr zu ihren traditionellen religiösen Prinzipien bekennen. Bestehen doch unter ihnen trotz allem Unterschiede nach der Abstammung aus Rußland, Polen, Deutschland usw., welche von dem religiösen Moment weit besser überbrückt werden können als vom nationalen, wie dies auch in ihren früheren Heimatsorten stets der Fall war. Und in der übrigen Welt, wo noch 12 bis 13 Millionen Juden leben und um ihre soziale Emanzipation kämpfen -müssen, ist die nationale Abtrennung nur geeignet, die kaum verglimmende Asche des Fanatismus gegen uns zu neuer Glut anzufachen, da ja die Vorurteile von Abstammung, Rasse und Glauben noch lange nicht ausgestorben sind. Völlig wahnwitzig und selbstmörderisch ist es aber, wenn man an Stelle der so schwer erkämpften Gleichberechtigung nur Minoritätsrechte anstrebt und sich selbstbewußt zu Bürgern zweiten Grades in seiner Heimat herabsetzt. Es kann leider nicht geleugnet werden» daß das Judentum im Weltkrieg seiner ethischen Mission ebensowenig gerecht geworden ist wie die Kirche. (In mosaischem Geiste haben höchstens jene Quäker gehandelt, welche nur einen Verteidigungskampf billigend, den Waffendienst verweigert haben.) Alle denkenden Massen sowie arbeitenden Klassen der Welt haben sich noch unfähig erwiesen, das im Dekalog und zweiten Buch Moses niedergelegte ethische Programm zu verwirklichen. Das allein bildet aber die Voraussetzung, um die reine messianische Idee einer Völkerversöhnung m verwirklichen, wie sie in den Worten unseres Propheten J e s a i a enthalten ist: „Und viele Nationen werden sprechen; wohlan, laßt uns gehen auf den Berg des Ewigen, daß er uns lehre und wir auf seinen Pfaden wandeln; denn von Zion wird die Lehre ausgehen und des Ewigen Wort von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Völkern und entscheiden den vielen Nationen und sie werden ihre Schwerter stumpf machen zun Sicheln und ihre Lanzen zu Rebmessern. Nicht mehr wird Volk gegen Volk das Schwert erheben und nicht lernen sie fürder den Krieg." (Jes. 21. 6. 48. 6.) Nur höchst vereinzelt haben sich warnende Stimmen erhoben. So schrieb Ed Bernstein „Von den Aufgaben der Juden im Weltkriege", „daß es ihnen gezieme, das weltbürgerliche Empfinden hochzuhalten, um durch dieses zu läutern und zu veredein, sie sind auf Grund ihrer Geschichte die geborenen Pazifisten, das Hauptgebiet ihrer Religion enthält den Satz, der in seiner vollen Bedeutung erfaßt, das kategorische Pflichtgebot für den Juden ausdrückt, für soziale Befreiungsbewegungen einzutreten und in ihrem Sinn als Mittler der Völker sich zu r v HDS b& .WS