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Die Wahrheit · 1926-02-26 · Heft 9 (26.2.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 9 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 9 DIE WAHRHEIT Seit* 3 leumdung, furchtbare Verdächtigung, lügenhafte und grauenhafte Beschuldigung; wer sonst hat darunter so oft und so viel zu leiden gehabt, wenn nicht Juden und Judentum. Welch schrecklicher Mängel und Schwächen, welch schwerer Fehler und Laster, ja welch barbarischer Vergehen und Verbrechen sind wir nicht etwa imi Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende geziehen worden! Da oder dort; in dem einen Lande oder dem anderen Staate! „In jenen Tagen, um diese Zeit"; in dieser oder jener Gestalt und Form. Im Altertum, Mittelalter und Neuzeit und sogar in der neuesten Zeit! Ob das alte Lied von den unpatriotischen und untreuen Staatsbürgern, wie es in der Anklage Hamans vor dem Perserkönig ertönt und das ja auch heute noch nicht ganz verstummen will (siehe Steigerprozeß), oder die vielen anderen Verdächtigungen und Beschuldigungen, die man gegen uns erhoben. Hostienschändung, Brunnenvergiftung und das sattsam bekannte Ritualmordmärchen, das selbst in der so aufgeklärten, modernen Zeit noch nicht verschwunden; wie sehr haben wir unter diesen furchtbaren Verleumdungen zu leiden gehabt! Welches Unglück ist doch über das Haupt Israels gekommen, welches Unheil über die Judenheit heraufbeschworen, weil man Ause und Ohr gegen die Wahrheit verschlossen und weil sie sich nur schwer durchsetzen und ihren Pfad und Weg ebnen und bahnen konnte. Ist es etwa nicht der Geist Hamans, der Geist der Bosheit, der Tücke, des Hasses und der Lüge, der in der Gestalt der Hakenkreuzler heute noch unter uns wandelt und uns noch immer so schändliche Eigenschaften andichten und zuschreiben möchte? Wie müssen wir doch auch noch in unseren Tagen um die Wahrheit kämpfen, wie schwer wird es ihr auch jetzt noch, in der Zeit des großen Fortschrittes, der Technik und der Kulturerrumgenschsaften ihr Haupt zu er- PESSACfl Kaffee-Zflsali m braunen Sdiaditeln laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober- Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau wollte, ist noch nie allgemein beliebt gewesen. Moses und Aron hatten ihren Korach, Elia hatte die Isebel, Jesaia, Jeremia hatten ihre Gegner; kurz: so viele große Männer, gewaltige Geister, Wohltäter der Menschheit die Geschichte nennt, allgemein beliebt ist keiner gewesen. Nur die Kleinen, Unbedeutenden, die Zwerge der Leistung, die nichts Großes geschaffen haben, dagegen den eigenen Vorteil suchten, die Wahrheit dem Groschen, die Pflicht der vollen Schüssel, das Recht dem weichen Lager opferten, die lebten und strebten für .e i n Ideal, besser gesagt: für ein -Idol, die allgemeine Beliebtheit. Es ist nicht Pflicht, sfch mit den Menschen zu streiten und zu entzweien; Mordechai trachtete nach Frieden für sein ganzes Geschlecht, aber man wolle nicht mehr als Mordechai, der beliebt war nur bei der Mehrzahl seiner Brüder. Es ist genug für den Menschen, der äim Dienste großer Pflichten steht, wenn er nach Kämpfen für die Wahrheit und das Gute, nach Ringen mit Gegnern, nach Bezwingen der Widersacher bei der Mehrzahl seiner Brüder beliebt geblieben ist. Im Talmud wird, erzählt: In einer Stadt hielten einst zwei große Gelehrte gemeinschaftlich ihre Vorträge. Der eine predigte über das Gesetz, der andere brachte Auslegung und Gleichnis. Andrang und Zustrom der Menge galt letzterem, während die wissene schaftlichen Ausführungen des ersteren nur wenig Zuhörer fandea Das kränkte den Gesetzeslehrer, der befii der Menge beliebte Kollege merkte dies und sprach zu seinem Amtsbruder: „Kränke dich nicht! die Sache gleicht zwei Kaufleuten, von denen der eine Edelsteine, der andere Alltagsgegenstände feilbietet. Natürlichstellen sich für diese mehr Käufer ein!" Die Beliebtheit der Ware steht oft in umgekehrtem Verhältnisse zu ihrem Werte. So geht es auch den Menschen, die wertvollen, echten und wahrhaften sind meist weniger beÜiiebt als diejenigen, die der Menge zu Gefallem reden und handeln. Wie sagt Salomo: „Liebe und Wahrheit mögen dich nicht verlassen .... dann findest du Gunst und Gnade vor Gott und Menschen." Beliebt ßst man, wenn man Liefee und Wahrheit übt, vor Gott und vor den Menschen. Es genügt: „bei der Mehrzahl der Menschen!" K. Ittö werläaildt kosdier auch heuer wieder in garantiert reiner und aus^lebldttuallltti zu haben bei Heinrich rranch sonne In KoSice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolls von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern so daß sämtliche Erzeugnisse Yeriaoildi hoscher sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Interesse recht genau die braune Farbe der Schachtel die Schutzmarke HArrEEHÜHIE und die Unterschrift Heinrich ntüNCK sonne heben, um Gemeingut aller zu werden und die Schönheit und Herrlichkeit des Judentums zu sehen und einzusehen, die Größe und Erhabenheit unseres reinen Willen, unseres ehrlichen Strebens und die 1 tilgenden und Vorzüge unseres Stammes und Volkes anzuerkennen und zuzugeben. Da darf es wohl nicht wunderlich sein, wenn schon das Buch Esther von Purim behauptet: „Diese Tage der Purim sollen nie aufhören unter den Judäeern und ihr Gedächtnis ende nicht bei ihren Nachkommen." Da erscheint auch die Ergänzung durch unsere Weisen nur zu begreiflich: „Wenn auch einst sämtliche Feiertage vergessen werden, wenn sie auch ihre Bedeutung verlieren sollten; doch bleibt die den Purimtagen zugrundeliegende Erkenntnis immer wieder und wieder bestehen." „Purim wird nie aufhören"." Ja, die Feier der leuchtenden und ans Tageslicht gekommenen Wahrheit, wie sie so voll und ganz am Puartm in der Geschichte des Estherbuches zum Vorschein und zur Geltung kommt, dieses Fest kann und wird auch für uns und für alle Zeiten seine große und wichtige Bedeutung behalten. Denn die allgemeine Erkenntnis der Wahrheit von uns und über uns ist allenthalben und zu jeder Zeit unser Wünschen und Hoffen. Wie heißt es doch nur von Goethe in den Gesprächen bei Eckermann: „Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur von einzelnen, sondern von der Masse." (16. Dezember 1828.) Diese Wiederholung des Wahren kann auch uns in der Gegenwart und zu jeder Zeit, wie einst „in jenen Tagen um diese Zeit Licht Freude und Wonne" bringen und zum Heile und Segen gereichen.

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