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Die Wahrheit · 1926-02-19 · Heft 8 (19.2.1926) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 8 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8_DIE WAHgHffif_1L_ J „..... ffr.* leiten wollen. Eine solche Institution ist der Keren Hajischuw der Agudas JisroeL dessen Werk im Lande der V-äier von den edelsten, echt jüdischen Ideal211 getragen Avird. Wie nun aus New York gemeldet wird, hat sich daselbst ein aus 80 Rabbinern bestehendes Komitee gebildet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine intensive Propaganda für den Wiederaufbau Palästinas im Geiste der Religion innerhalb der amerikanischen Judenschaft zu betreiben. Es hat sofort einen Appell für den Keren Hajischuw veröffentlicht, der auch von den bekannten Philanthropen und Führern des amerikanischen Judentums Harry Fischel und Nathan Limport mitunterfertigt wurde. Diese Tatsache sowie der Anschluß von dreißig Synagogenan die Aguda hat unter den amerikanischen Juden großen Eindruck gemacht. Das Komitee hat die bestimmte Erwartung, daß es gelingen werde, drei Millionen Dollar für den Keren Hajischuw zusammenzubringen. Diese Aktion hat in amerikanischen zionistischen Kreisen Bestürzung hervorgerufen und die Exekutive der amerikanischen zionistischen Organisation protestiert in den ihr nahestehenden Zeitungen gegen die Kampagne zugunsten des Keren Hajischuw. Dieses Vorgehen der amerikanischen Zionisten hat in allen religiösen Kreisen ohne Unterschied der Parteistellung gewisses Befremden verursacht. Es zeigt sich hier wiederum, daß es den Zionisten in erster Linie um die Erweiterung ihrer eigenen Machtposition zu tun ist und daß sie selbst davor nicht zurückschrecken, eine dem Wiederaufbau Palästinas gewidmete Aktion zu bekämpfen, wenn sie nicht im Zeichen der nationalen Ideologie erfolgt. Derartige Vorkommnisse dürften zwar den Jüdischnationalen keinen Nutzen, wohl aber der Palästinasache unwiederbringlichen Schaden bringen, da die überwiegende Mehrheit nicht allein der amerikanischen Juden, sondern der' Juden der ganzen Welt, sofern sie am Wiederaufbau Palästinas Interesse haben, der sehr richtigen Ueberzeugung ist, daß das Land der Väter nur im Geiste der Väter aufgebaut werden kann. -k--jyÄM30 Aus dem nationaldeutschen Judenlager. Wir erhalten vom Herrn Schriftsteller Robert Peiper folgende Zuschrift: „Ich lege Wert auf dde Feststellung, daß ich nicht mehr dem Verband nationaldeutscher Juden angehöre und auch nicht als der verantwortliche Schriftleiter der - Verbandszeitschrift zeichne." Indem wir von diesem Schreiben loyaler Weise Kenntnis nehmen, bemerken wir, daß unseres Wissens Herr Peiper nie verantwortlicher Schriftleiter des Verbandsblattes „Der nationaldeutsche Jude" war. Vielmehr steht an der Spitze der Schriftleituiig dieses Blättchens, das in einigen Exemplaren auch in Oesterreich vertrieben wird, vermutlich wegen der dummen Angriffe gegen unseren Schriftleiter, auf die zu erwidern, wir unter unserer Würde finden. Dr. Max Naumann, der Begründer der nationaldeutschen Judenbewegung, selbst. Was aber Herrn Peiper anbelangt, so würde es uns sehr interessieren, ob mit seinem Ausscheiden auch sein Ehrenbeleidigungsprozeß gegen eine Wiener jüdische Zeitung, die ihm verschiedene ehrenrührige Handlungen vorwarf, hinfällig geworden ist. Gesetzlicher Schutz des „Kaschruth" in Amerika. Wie aus Washington gemeldet wird, hat das Mitglied des amerikanischen Kongresses D. Dickstein (New York) zwei Gesetzesanträge im Kongresse eingebracht, welche den Verkauf von rituell geschlachtetem Vieh, koscherem Fleisch und die sonstigen rituellen Speisevorschriften betreffen. Es werden darin gesetzliche Maßnahmen zum Schutze des „Kaschruth" gefordert und verlangt, daß jeder, der seine Waren als „koscher" deklariert, ohne daß diese den jüdischen rituellen Vorschriften entsprechen, bestraft werden solle. Ein den beantragten Gesetzesbestimmungen ähnliches Gesetz ist bereits im Staate New York in Geltung. Iis wäre Zeit, daß auch bei uns die Frage des „Kaschruth" endlich geklärt und der Verkauf ritueller Waren allgemein geregelt wird. „Der jüdische Name**. Zu dieser Notiz in Nr. 6 der „Wahrheit" wird uns von unserem geschätzten Mitarbeiter Herrn Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren) geschrieben: Der Witz von Levi und Lindegg ist nicht schlecht; die Erzählung als solche ist aber unrichtig. Der „Kapellmeister" Hermann Levi ist kein anderer als der berühmte Münchener General-Musikdirektor Levi, der bedeutendste Interpret Wagnerscher Musik. Derselbe war der Sohn des Rabbiners von Gießen (Hessen) Dr. Levi, der in den Neunziger jähren des vorigen Jahrhunderts als hochbetagter Greis starb. Hermann Levi, der Rabbinerssohn, ließ sich nach dem Tode seines Vaters taufen; er hatte demnach nicht das Recht, sich über seinen Bruder — falls er überhaupt einen solchen hatte — lustig zu machen. Ich habe den General-Musikdirektor Levi nur ein einzigesmal gesehen und ihn kurz gesprochen, und zwar in der Synagoge in Gießen, am ersten Tag des Pessachfestes im Jahre 1893. Hermann Levi kam gerade aus Friedrichsruh, wo er als Gast des alten Reichskanzlers Bismarck weilte. Beim Abschiede überreichte ihm der Eiserne Kanzler einen Schlapphut, den er selbst trug, zum Andenken, offenbar als symbolische Andeutung dafür, daß Levi auf musikalischem Gebiete dasselbe bedeute, was Bismarck auf politischem Gebiete. Mit diesem Hute auf dem Kopfe besuchte auch Hermann Levi den Gottesdienst am ersten Feiertag in der Synagoge zu Gießen und lauschte andächtig der Predigt, die sein greiser Vater hielt. Auch diese Predigt ist ■mir noch in lebhafter Erinnerung, ebenso die wenigen Worte, die ich nach dem Gottesdienste mit dem greisen Rabbi und seinem schon damals weltberühmten Sohn Hermann wechselte. Später erhielt ich aus Deutschland die Nachricht, daß Hermann Levi die Taufe nahm. Zitate. Mit Bezug auf unseren Leitartikel in Nr. 6 erhalten wir von geschätzter Seite folgende Zuschrift: Es erscheint kein hakenkreuzlerisches Blatt, das nicht immer wieder begeistert als Denkworte einzelne judenfeindliche Stellen aus Treitschkes Werken zitiert und seinen Lesern zur Beherzigung empfehlen würde. Wie sehr dieser Historiker die Verehrung der Antisemiten verdient, dafür sei auf das Zeugnis eines Historikers hingewiesen, dessen vor nichts zurückschreckende Wahrheitsliebe anerkannt ist Mommsen hat vor Jahren, in einem — seltsamerweise nicht genügend beachteten — Briefe an einen Freund eingehend begründet, weshalb er gegen die Wahl Treitschkes zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin Stellung nehme. Da heißt es unter anderem: „Treitschke ist für mich der rechte Ausdruck der sittlichen Verrohung, die unsere Zivilisation in Frage stellt, und auf dem literarischen Gebiet ihr mächtigster Träger. Sein seltenes Talent der Forschung wie der Darstellung hat er in den Dienst der Gemeinheit gestellt, und der Erfolg, die Wirkung auf die Masse, beherrscht ihn völlig. Er ist der Vater des modernen Antisemitismus. Treitschke hat ihn salonfähig gemacht und ist der rechte Vater von Henrici und Bockel. Es gibt kein glänzenderes, aber auch kein gemeinschädlicheres Buch als seine Geschichte. Wer Geschichte, insbesondere Geschichte der Gegenwart schreibt, hat die Pflicht politischer Pädagogik, er soll denen, für die er schreibt, ihre künftige Stellung zum Staat weisen und bestimmen helfen. Treitschkes Werk: ist in dieser Hinsicht die reine Nullität .... daß der Mann auch persönlich allerlei Nichtswürdigkeiten begangen hat, lasse ich beiseite, ebenso beiseite die persönlichen Konflikte zwischen mir und ihm, die übrigens so geringfügig sind, daß für mich darüber ohne alle Schwierigkeiten hinwiegzukommen wäre . . . ." So sieht nach der Charakteristik eines Mommsen, die wir auch als Denkworte den Hakenkreuzlern empfehlen möchten, einer der hervorragendsten Väter des Antisemitismus aus! Es wird sich verlohnen, von Zeit zu Zeit die anderen Heroen dieser Bewegung in die richtige Beleuchtung zu rücken. Wer die Väter des Antisemitismus kennt, wird auch dessen Jünger besser verstehen. Die Berliner Konferenz radikaler Zionisten. Am 30. und 31. Jänner fand in Berlin eine Konferenz der Vereinigung radikaler Zionisten statt, an der unter anderen Doktor Nachum Goldmann, Dr. Jakob Klatzkin. Dr. Max Soloweitschik, der Abgeordnete Jizchak Grünbaum aus Warschau, Oberbaurat Stricker und Dr. I. Waldmann aus Wien teilnahm. In dieser Konferenz wurde:die Forderung nach ehester Einberufung eines 15. Z i 0 n i s t e rikongresses zur Schaffung einer aktionsfähigen zionistischen Exekutive aufgestellt und programmatische Richtlinien aufgestellt. Man kennt die Politik der radikalen Zionisten bereits zur Genüge und auch ihre Methoden zur Durchsetzung ihrer Forderungen sind vom letzten Zion'istenkongreß her noch deutlich in Erinnerung. Wer aber den Bericht über die Berliner Konferenz liest, der muß ihnen zugestehen, daß sie ihren eigenen Radikalismus noch weit übertroffen haben. Der Gesamteindruck ist der. daß sie alle billigenswerten Bestrebungen des Zionismus aufs schärfste bekämpfen wollen und alle auf Nationalisierung und Radikalisierung gerichteten Tendenzen innerhalb der Partei unterstützen. Das Programm der radikalen Zionisten bedeutet demnach Kampf nach innen und nach außen. Kampf gegen alles und gegen jeden, der sich nicht willenlos den radikalen Grund-

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