Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile j)i£ WAHfeHfelt neuen „Beweisen" begründen und vertiefen. Gefährlicher als diese beiden ist jedoch das Buch der Brüder Tharaud: „Ouand Israel «st roi", welches in Ungarn und Polen das weitgelesenste französische Buch ist. Ohne die Protokolle mit einem Wort zu erwähnen, trägt es ihre Lehre bis ins einzelne vor, in jenem hochkultivierten, gewinnenden Stil, der nur den ausgesuchtesten französischen Literaturwerken eigen ist. Es ist nicht auszurechnen, wieviel Unheil dieses Buch den Juden jener Länder zugefügt hat Es ist ein offenes Geheimnis, daß nur der seit Jahren in Polen unablässig gepredigte Protokoll-Glaube es überhaupt möglich gemacht hat, daß der Verdacht des beabsichtigten Präsidentenmordes auf den Juden Steiger fallen konnte. Wie sagt doch Lord Eustace Per&y, Mitglied des Kabinetts Baldwin: Der Jude haßt alle christlichen Staatswesen und ihre Oberhäupter und strebt sie zu beseitigen! Wie ein Leitmotiv zieht sich dieser Satz durch die ganzen Protokolle. Das Mitglied des Standgerichtes, welches durch seine Schuldverneinung verhindert hat, daß Steiger gleich nach seiner Verhaftung erschossen wurde, wurde von allen Kollegen seither gemieden. So tief ist das in den Protokollen verwurzelte Bedürfnis nach einem jüdischen Präsidentenmörder, einem Analogon zu dem Zarenmörder Trotzky, der ebenfalls aus den Protokollen herausgewachsen ist Die Protokolle sind lebendig und wer weiß, wie vielen Generationen sie noch das Leben verbittern werden. Es ist unmöglich, zu verschweigen, daß von seiten unserer Londoner und Pariser Glaubensgenossen eine schwere Unterlassungssünde begangen wurde. Man nahm die Sache auf die leichte Achsel und sah nicht ein, daß es galt, die Protokolle auf Grund ihres Textes als Fälschung zu entlarven, die in einer bestimmten Zeit zu einem bestimmten Zweck angefertigt wurde. Man muß nur in den oben zitierten Büchern die höhnischen Antworten lesen, mit denen die von jüdischer Seite erbrachten Nachweise des wiederholten Plagiats abgefertigt werden, um einzusehen, daß alle bisherigen Methoden, die die englischen und französischen Juden angewendet haben, die Protokolle zu entlarven, verfehlt waren. Eine gemeinsame Front aller jüdischen Gemeinschaften gegen einen gemeinsamen Feind tut hier not. Es ist nötig, daß die jüdischei Gemeinschaften in jenen Ländern, wo sie günstig situiert sind, den aufkeimenden und sich regenden Judenhaß bekämpfen und verhindern, daß er in minder glücklichen Ländern Verheerungen anrichte. Das Unheil, welches Bücher, wie die hier erwähnten in Mittel- und Osteuropa anrichten, kann durch sämtliche Interventionen beim Völkerbund seitens der Londoner und Pariser Juden nicht wieder gutgemacht werden, auch wenn diese Interventionen von Erfolg gekrönt wären. Glossen. Die Königlich astronomische Gesellschaft in England hat in ihrer jüngsten Festsitzung Albert Einstein durch die Verleihung der goldenen Medaille ausgezeichnet. Es ist dies die höchste Ehre, die diese, die vornehmsten Vertreter der Wissenschaft zu ihren Mitgliedern zählende Gesellschaft verleihen kann. Einstein hat in seinem Dankschreiben ausgesprochen, daß er ermutigt durch die Anerkennung, Sympathie und Unterstützung der größten Denker seiner Zeit, ein größeres Glück erfahren, als sich irgend jemand bewußt werden kann. Merkwürdig! Sollte es wirklich der Königlich astronomischen Gesellschaft in England entgangen sein, was nach den unausgesetzten Versicherungen der antisemitischen Blätter auch den größten Dummköpfen schon klar sein mußte: nämlich, daß Einstein lediglich durch die jüdischen Zeitungsleute zu seiner erschwindelten Größe gelangt ist? * *. * * Der Bankbeamte Herr Pattart ist anläßlich dies Wiener Zionistenkongresses bei dem Sturm auf das Kaffeehaus Palmhof in eine peinliche Situation geraten. Die Affäre führte dazu, daß dieser Tage vor einem Schöffensenat die Frage erörtert wurde, ob er als gewalttätiger Stürmer oder als sanfter Friedensstifter gewertet werden müsse. Der Besitzer des Kaffeehauses, der an diesem Kongreß so unschuldig war wie etwa der Kaiser von Japan, mußte damals durch die Zertrümmerung seiner Fenster für die Schmach büßen, die dem deutschen Wien nach Ansicht der Exzedienten zugefügt worden war. Herr Pattart befand sich inmitten dieser Demonstranten. Weshalb? Nach der Aussage von vier Wachmännern mit der ausgesprochenen, ja sogar laut hiniausgeschrienen Losung, das Kaffeehaus zu stürmen, während der Bankbeamte als Angeklagter feierlich versicherte, er habe die zarte Absicht gehabt, beruhigend auf die erregten Gemüter zu wirken. Der Senat konnte, wie aus der interessanten Begründung des Urteiles ersichtlich ist, zwar nicht den Eindruck der vollen Glaubwürdigkeit dieser Verantwortung gewinnen, aber auch nicht die volle Ueberzeugung, daß der Angeklagte gewaltsam habe eindringen wollen. Herr Pattart wurde daher nur wegen des Vergehens des Auflaufes zu zwei Wochen Arrest verurteilt und auch dies nur bedingtmit zweijähriger Bewährungsfrist. Mit wahrer Genugtuung wird Herr Pattart erkannt haben, daß der österreichische Polizeistaat, in welchem1 einst die Aussage eines Wachmannes katastrophal auf den Ausgang eines Prozesses wirken konnte, der Vergangenheit angehört. Schade, daß die Aussage des Cafetiers, wonach Herr Pattart schon längere Zeit das Kaffeehaus wegen einer unbezahlten Schuld meide, ein wenig das Charakterbild des Angeklagten trübte. Er hätte sonst unbedingt Ansprüche auf die Dankbarkeit des Cafetiers erheben können. * * * Die Grazer antisemitischen Studenten haben durch einjen heroischen Entschluß es zustandle gebracht, daß ein Vorwurf, der der antisemitischen Jugend von der verjudeten Presse immer wieder gemacht wurde, endlich verstummen wird. Man wird nicht mehr behaupten dürfen, daß die hakenkreuzleri'schen Studenten nichts anderes verstünden, als durch das Hirueintraigen dies Kneiptones in die geheiligten Hallen der Universität die Würde der Wissenschaft mit Füßen zu treten. Die Grazer jungen Herren haben bewiesen, daß sie kein Mittel verschmähen, um ihren nationalen Sinn auch im Tanzsaal zur siegreichen Geltung zu verhelfen. Sie haben erklärt, daß der Juristenball, der unter dem Patronate eines gefeierten Gelehrten jüdischer Konfession abgehalten werden sollte, nicht stattfinden dürfe, und sie haben dieses Ziel zur höchsten Ehre des Deutschtums auch erreicht. Mau glaube ja nicht, daß diese Jünglinge nur mit hohlen Phrasen für ihr Ideal kämpften. Sie ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß dem Worte die Tat folgen würde, daß sie im äußersten Falle sogar bereit waren, Frauen und Mädchen zu einem Tanz aufzuspielen, an den kein Teilnehmer des Festes je vergessen könnte. Man glaubte es diesen Jüngern der Wissenschaft, daß sie ihr Wort halten würden, und der Ball wurde abgesagt. Man wird also nicht mehr sagen dürfen, daß die Hakenkreuzler nur im Lehrsaal Skandfal machen, sie tun es auch im Ballsaial * * * Als Graf Bethleri durch den vielbesprochenen Artikel Karolyis sozusagen einen Streich auf die rechte Wange erlitten hatte, glaubte er die Wucht