Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Weisen von Zion jene weltberühmt gewordenen 23 Artikel in der „Morning Post" veranlaßte, die dann im Buchform unter dem Titel „The cause of world unrest" in England und in Amerika die ganze Protokollbewegung in Fluß brachten. Das Buch ist nach Aufmachung, Ausstattung und Druck für jene Kreise bestimmt, die man in Deutschland mit „Bildung und Besitz" zu bezeichnen pflegt. Der Preis ist ein englisches Pfund (20 Mark). Mrs. Webster ist als Publizistin großen Stils bekannt, sie hat außer einer Reihe von kleinen Monographien ein Werk über die französische Revolution und eines über die Weltrevolution verfaßt, die große Verbreitung gefunden haben. Das Buch der Mrs. Webster ist ungeheuer gelehrt, kein deutscher Gelehrter könnte es gründlicher und allseitiger machen. Alle jüdischen Quellenschriften, Bibel, Talmud, Sohar, die rabbinische Literatur, sind angeführt mit genauer Seitenzahl — alle natürlich in Uebersetzungen. Keine einzige in der Ursprache, aber oft zwei, drei Uebersetzungen hintereinander. Man muß sich nur wundern, daß die Juden so leichtfertig ihre Geheimnisse der nichtjüdischen Welt preisgeben. Mrs. Webster hat eine sehr leichtfaßliche Logik. Wir wissen, daß es in der Welt Geheimgesellschäften seit jeher gegeben hat Wir wissen, daß die umstürzlerischen Gesellschaften geheim sind, was liegt da näher als der Schluß, daß eine Geheimgesellschaft schlechthin umstürzlerisch ist. Ferner wissen wir, daß der Orient die Wiege aller Geheimgesellschaften war. Wir wissen aber, daß die Juden nach Europa aus dem Orient gekommen sind. Nun erscheint es mir selbstverständlich, daß die Juden in allen Geheimgesellschaften eine führende Rolle spielen. Und nun schüttet Mrs. Webster ein unerschöpfliches Füllhorn von gelehrten Zitaten über uns aus, Zitate aus den Apokryphen, aus dem babylonischen und jerusalemischen Talmud und der ganzen Literatur mit den seltsamen Büchertiteln, die sich um ihn herumrankt, vor allem aus dem Sohar und seinen Verzweigungen, die alle beweisen sollen, daß es im alten Israel Geheimgesellschaften und eine Geheimlehre gegeben habe. Man kann sich leicht ausmalen, was für einen gewaltigen Respekt der englische Bildungsphilister vor dieser gelehrten Dame bekommt, die jede Behauptung gleich mit' einem halben Dutzend Zitafen aus esoterischen Büchern bekräftigt, deren Titel so schwer auszusprechen sind. Zum Beispiel der deutsche Dichter Lessing war ein Freimaurer und schirieb ein verruchtes freimaurerisches Drama „Nathan der Weise". Er war auch ein Freund von Moses Mendelssohn, und diesen Moses Mendelssohn besuchte der Graf Mirabeare, und schrieb sogar über ihn ein Buch. Nun sind die jüdisch-freimauerischen Einflüsse auf die französische Revolution klipp und klar erwiesen. Es geht aber nöch weiter. Von Mirabeau berichtete ein Zeitgenosse, währendeiner Orgie sei ihm eine verachtungsvolle Aeußerung über die Volksmasse entschlüpft. Solche verachtungsvollen Aeußerungen werden in Menge von ihm angeführt. Aber das Merkwürdige ist nun, daß ganz ähnliche Aeußarungen sich in der Korrespondenz einer geheimrevolutionären Organisation „Alta vendita", aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts wiederfinden, dann in den „Dialogues aux Enfers", von Maurice Joly, in dem Katechismus der Revolution von Michael B a k u n i n, in den Protokollen der Weisen von Zion und den Schriften der heutigen — russischen Bolschewiken! Mrs. Webster hat also mit scharfem Auge den roten Faden entdeckt, der sich von Moses Mendelssohn bis Trotzky ununterbrochen fortspinnt. Moses Mendelssohn war mittelbar der Mörder der Königlichen Familie von Frankreich. Leon Trotzky war auf eine viel unmittelbarere Weise der Mörder der Kaiserlichen Familie von Rußland. Dazwischen liegen die Protokolle der Weisen von Zion und verschiedene andere Dinge, die zusammen die Ringe der Kette bilden, mit denen das revolutionäre Israel die Völker umschlungen hält. Was hoffen die Juden durch eine Welitrevolution zu erreichen? Die Herrschaft über die Welt, antwortet Mrs. Webster. Die Hoffnung auf die Weltherrschaft ist nicht eine den Juden von den Antisemiten zugeschriebene Idee, sondern ein sehr realer und wesentlicher Teil ihrer Traditionen. Wie-steht es mit ihrer Haltung dem Christentum gegenüber in der Vergangenheit? „Wir haben an überaus reichen Beispielen gesehen, daß der Haß zu der Person und der Lehre Christi auf 'Golgatha nicht aufgehört hat, sondern lebendig erhalten .wurde durch die Rabbis und verewigt im Talmud und im Toledot Jeschu." Mrs. Webster ist überzeugt; daß aus diesem unauslöschlichen Haß die Sucht der Juden entspringt, die ganze Christenwelt zu unterjochen . . . Nun kommt die Verfasserin zum Kern der Sache. Sie läßt alle .Spekulation beiseite und hält sich an nackte Tatsachen: jeder, der sich ernstlich mit der Sache befaßt hat, ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß jetzt Jn der Welt fünf wohlorganisierte Hauptbewegungen existieren, die im geheimen am Werke sind, mit denen jede geordnete Regierung zu kämpfen hat. Das sind 1. der Groß-Orient der Freimaurer, 2. die theosophische Bewegung in allen ihren Verzweigungen, 3. der Nationalismus in seiner agressiven Form, jetzt repräsentiert durch den Pangermanismus, 4. die internationale Hochfinanz, 5. die soziale Revolution. Jede dieser Bewegungen strebt auf ihre Weise, die Welt zu unterjochen. All« enthalten jüdische Elemente, aber keine ist judenfeindlich, alle haben eine mehr oder weniger ausgesprochene Gegnerschaft gegen das Christentum. Daraus folgt, daß d i e Juden in allen geheimen umstürzlerischen Bewegungen eine Rolle, und zwar eine entscheidende, eine führende Rolle spielen. Obgleich nun Mrs. Webster vielleicht das Meiste dazu beigetragen hat, den Protokollglauben in der Welt zu verbreiten und zu befestigen, schreibt sie, sie wolle sich für die Authenzität dieses okumentes nicht verbürgen, sondern betrachtet dieses als eine offene Frage. Aber sie ist der Meinung, daß die Protokolle, ob genau oder nicht, „jedenfalls das Programm der We ltrevolution widerspiegeln, und daß im Hinblick auf ihre prophetische Natur und ihre außerordentliche Aehnlichkeit mit den Protokollen anderer üeheimgesellschaften sie nichts anderes sein können, als entweder das Werk eben einer dieser Gesellschaften oder eines Einzelmenschen, der in die Geheimlehre dieser Gesellschaften so tief eingeweiht ist, daß er imstande war, ihre Ideen und ihre Phraseologie wiederzugeben." Die Weltverschwörung der Juden ist also nach Mrs. Webster eine unbestreitbare Tatsache, die Protokolle spiegeln sie genau wieder, unabhängig davon, ob sie echt sind, d. h. von den Weisen von Zion verfaßt wurden oder von einem anderen, der sie ihnen untergeschoben hat. Mrs. Webster versichert, daß die Entdeckung der „Times", die Protokolle enthalten Plagiate aus Jolys „Dialogue", ihre Theorie noch bestärkt. Als nämlich Joly sein Buch schrieb, waren die Geheimgesellschaften besonders rührig. Eine große Anzahl von Juden war in ihre Reihen eingedrungen, und daher waren auch zahlreiche Schriften gegen die Juden entstanden. Joly scheint in eine Gruppe von Ereignissen, die mit Juden,, Revoaus aller Welt, wo die revolutionären Ideen nur so aus dem Boden sprossen. Man sieht also, daß Jolys Buch eingereiht erschrieb sein Buch in Genf, dem Sammelplatz der Revolutionäre lutionären und Geheimgesellschaften im Zusammenhang stehen. Es besteht daraus für Mrs. Webster kein Zweifel, daß das Buch von Joly, ebenso wie die Protokolle, den Welteroberungsplan der Juden widerspiegeln, und nichts anderes sind als Ringe der Kette jüdischer Weltrevolutionsbestrebungen, die sich um das europäische Reich schlingen, von Mendelssohn—Mirabeau bis zu Trotzky—Lenin. Der Welteroberung s- und Weltrevolutionsplan der Juden ist auf jeden Fall feststehende Tatsache, und die Regierungen der europäischen Länder müssen mit ihm rechnen. Es wäre zwecklos und sinnlos, gegen die Argumente der Mrs. Webster zu polemisieren. Es sollte bloß gezeigt werden, welche Anschauungen über die Judenfrage in maßgebenden englischen Kreisen gehegt werden. Anschauungen, die von Mitgliedern des regierenden Kabinetts geteilt werden. Nun hat aber die ganze Sache unmittelbar für die Juden in England (ebenso wie in Frankreich) nur geringe praktische Bedeutung, da es in diesen Ländern keine eigentliche Judenfrage gibt, und der ganze Antisemitismus sich auf die ausländischen Juden bezieht, im übrigen überwiegend theoretischen Charakter hat. Die antisemitischen Produktionen Englands und Frankreichs finden ihre volle Verwertung im Auslande, namentlich in Mittel- und Osteuropa. Gleichwie der deutsche Antisemitismus vom Anfang der Achtzigerjahre sich in den schauerlichen russischen Pogromen und Ausschreitungen praktisch auswirkte, so sind jetzt England und Frankreich zu Werkstätten eines Antisemitismus für die Ausfuhr geworden. Macht man sich eine klare Vorstellung von dem Eindruck, den ein Buch wie das der Mrs. Webster mit seinem eleganten, leicht faßlichen, einschmeichelnden Stil in Polen, Ungarn oder Rumänien macht? Hier schweigt jede Kritik und der allgemeine Glaube an die Gefährlichkeit der Juden und die Notwendigkeit ihrer Verfolgung und Unterdrückung verbreitet und verwurzelt sich immer mehr. Fast gleichzeitig mit dem Buch der Mrs. Webster erschienen in Frankreich der dickleibige erste Band einer ganzen Reihe Peril juif vom General Njeschwolow „L'empereur Nivolas et les Juifs", ein zweites unter dem Titel „L'lmperialisme d'Israel" von Roger Lambilin, die beide die Lehren der Protokolle mit