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Die Wahrheit · 1926-02-19 · Heft 8 (19.2.1926) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 8 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 8 denten und seinen Klubgenossen abzurechnen. Vielleicht ergibt sich bei dieser Abrechnung doch ein Plus für den Keren Hajessod." Das also ist der Grund, warum aus der nichtigsten Ursache heraus geschimpft gelogen und verleumdet und den zahlreichen Judenfeinden ein wahrlich beschämendes Schauspiel geboten wird. Kritik eines Schimpf konzertes. Der nichtige, von der „Morgenzeitung" maßlos übertriebene Anlaß der Absendung eines lediglich informativen Zwecken dienenden Schreibens, über das wir im heutigen Leitartikel sprechen, hat bei genaueren Kennern der Gemeindeverhältnisse begreiflicherweise lebhafte Entrüstung hervorgerufen. In zahlreichen Zuschriften, die an Dr. Ornstein selbst wie auch an die Redaktion der „Wahrheit" gelangten, wird dieser berechtigten Empörung in einer Weise Ausdruck gegeben, "die uns die lückenlose Reproduktion aus preßgesetzlichen Gründen erschwert. Der Brief Dr. Ornsteins, der jedem Unbefangenen einen ganz sachlichen Eindruck machen muß, wird aber auch zu unerhörten Angriffen auf den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Jakob Ornstein, ausgeschrotet. Die Ehre eines Mannes, der kein anderes Verbrechen begangen hat, als sich voll und ganz dem Wohle der Wiener Judenschaft gewidmet zu haben, wird rücksichtslos in den Kot gezerrt und eine Persönlichkeit, die sich nicht allein an der Stätte ihres Wirkens, sondern weit darüber hinaus der größten Wertschätzung erfreut, wird in der gemeinsten, Weise beschimpft und herabgesetzt. In welch kleinlich gehässiger Weise dies geschieht, beweist schlagender als alle anderen Verhöhnungen der Vorwurf, daß „sein gerühmtes Verwaltungstalent sich vorderhand nur dadurch bemerkbar macht, daß Akten monatelang in ihrer Erledigung verzögert und der Verwaltungsapparat so schleppend geworden ist, wie noch nie vorher." Und diesem Vorwurf wagt man ungestraft einem Manne gegenüber zu erheben, von dem es in weitesten, auch zionistischen Kreisen bekannt ist, daß er seine ganze Zeit mit vollkommener Schädigung seiner Kanzleitätigkeit der Kultusgemeinde widmet und daß Herrn Dr. Ornstein die Erledigung nahezu aller Akten obliegt. Es wiTd ja übrigens der zion'stischen Partei leicht sein, wenn ihr wirklich an einer scMeunigeren Erledigung der Akten so viel gelegen ist, durch wirksamere Unterstützung ihres Vizepräsidenten dem angeblichen Uebelstande Abhilfe zu schaffen. Auch die Anschuldigungen gegen die übrigen Mitglieder des Mehrheitsklubs sind vollkommen unbegründet. Insbesondere ist es unerhört, wenn die „Morgenzeitung" behauptet, daß „die Majorität des Kultusvorstandes freigebiger zu sein pflegt, wenn die Parteifreunde im Leopoldstädter Tempel eine von ihnen gespendete Zentralheizung nicht bezahlen." Herr Dr. T i c h o hat sich ein besonderes Verdienst um die Kultus*remeinde erworben, als er eine gegen die Kultusgemeinde gerichtete Klage der Lieferungsfirma zu einem vorteilhaften Vergleiche brachte. Die zionistischen Mandatare und insbesondere auch ihr Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz haben sich an den diesbe7üsr1'"chen Verhandlungen im Vertreterkollegium, die zur Genehmigung des Vergleiches führten, lebhaft beteijiet und haben derselben ebenso wie die Mitglieder des TTnionklubs zugestimmt. N'Vht nur der Temnel in der Tempelgasse, sondern auch das Sp'tal der GerrreirHe. verdanken ihre Wiedererrichtung dem .Parteihäuptling" des UnionHubs, Herrn B°urat W. K e m d 1 e r. dem In der ..Morffenyeitune" die Schuld an „Kostenüberschreitungen bei diversen Bauten b;s zu einer Milliarde Kronen" vnrsrewm-- fen wird. Herr Baurat Kempler hat sich als sein^rreitiVer Obmann der Baukommission und derzeitiger Vorsitzender der Snita]skomm;ssion mit der ihm eieenen Sachkenntnis und Energie an der Durchfühnrng der beiden großen Werke der KuHusFemeinde beteiligt Er ist hierbei mit aller Kraft den Kosteniiriersrhi-eitunffen entereeeneetreten; e>n Mittel aber, solche K^stenfihe.rschreitnnsfpn bei einem großen Bau gänzlich anzuschließen, ist allerdings bisher nicht gefunden worden. TTebricrens n^h-en auch alle diesberii"--lohen Beschlüsse die zionistischen Vertreter rückhaltslns jrehiiHert. Was den Vorwurf der „unnachsichtlichen Steuervorschreibung des Vorjahres" anbelangt, so stimmen auch diesbezüglich hervorragende Mitglieder des zionistischen Klubs mit dem Mehrheitsklub überein. Nun weiß aber die „Morgenzeitung" von ihren Parteigenossen im Kultusvorstand, daß nicht die Steuern des Vorjahres einfach vorgeschrieben werden, wie dies vom Mehrheitsklub in Uebereinstimmung mit einzelnen zionistischen Mandatären geplant war, sondern es muß diesbezüglich eine Neubemessung der Steuern stattfinden, die allerdings zu einer überaus kostspieligen und langwierigen Arbeit des Steueramtes und einer wiederholten Inanspruchnahme der Steuerpflichtigen führt. Wenn schließlich die „Morgenzeitung" an die' angebliche Verletzung dies seinerzeltigen Wahlpaktes erinnert, „in dem die Förderung des Palästinaaufbaues zugesagt ist", so möge sie gefälligst bei Herrn Dr. Löwenherz und bei seinen zionistischen Klubgenossen anfragen, welche Leistungen die Kultusgemeinde, ganz abgesehen von der bedeutenden Spende anläßlich der Universitätseröffnung, mittelbar und unmittelbar für Palästina aufzuweisen hat. Das Palästinaamt, der Verein Hecbaluz, die zahlreichen zionistischen Organisatione u. v. a. genießen reichliche Subventionen der Kultusgemeinde. Aber auch über die bedeutende Spende anläßlich der Universitätseröffnung, die seinerzeit der Klub der Mehrheit nach sehr kurzer Beratung ohne Debatte bewilligt hatte, waren die Zionisten damals voller Freude, die „Morgenzeitung" schrieb einen überaus belobenden Artikel und die Londoner Exekutive, dankte in überschwänglichen Worten für. den Betrag von 200 Millionen, der heute als „eine lächerliche Spende" erscheint. Man sieht also, die Anschuldigungen der ,7Morgenzeitung" sind Lug und Trug. Um so bedauerlicher'ist es, daß in ihr Schimpfkoiizert auch ein Mann einstimmt, der aus eigener Anschauung die Unvoreingenommenheit und die verdienstvolle Tätigkeit des von ihm Verhöhnten kennen müßte, Tatsachen, die er wiederholt sowohl gegenüber der Eigenschaft Doktor Ornsteins als Vizepräsident der Gemeinde, wie als solcher der Allianz anerkannt hat. Der jüdischnationale Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz hat nämlich eine in der Morgenzeitung wiedergegebene Rede in einer zionistischen Versammlung gehalten, deren Ton einzig dastehend ist. Wir werden uns noch mit diesen merkwürdigen Auslassungen zu befassen Gelegenheit haben. Die jüdische Weltverschworung in England. Von Benjamin Segel. Der Amerikaner Mr. John S p a r g o hat im Jahre 1921 ein ausgezeichnetes Buch herausgegeben unter dem Titel „The Jew and American Ideals", in welchem er gegen den drohend das Haupt erhebenden Antisemitismus protestiert. Unter anderem schreibt er: „Als ich im September und Oktober 1920 in England weilte, fand ich dort -große; die ganze Nation umfassende, offenbar finanziell sehr gut fundierte Organisationen mit dem ausgesprochenen Ziel, antijüdische Gefühle und Gesinnungen hervorzurufen. In einflußreichen Zeitungen fand ich Artikel, die dasselbe Ziel verfolgten. Zum mindesten „ein" Tageblatt fand ich, welches der Pflege der Furcht und des Hasses gegenüber den Juden ausschließlich gewidmet war. In den Auslagen der Buchhandlungen fanden sich ganze Bibliotheken von Büchern, die diesem Ziele dienten." Heute, nach fünf oder sechs Jahren, hat sich diese Bewegung veririnerlicht und vertieft und wühlt in den verborgenen Schichten des Geisteslebens, trotz der offiziell judenfreundlichen Politik der englischen Regierung. In derselben Zeit, während die englische Regierung ein „Nationalheim" in Palästina erbaut, sitzen zwei ausgesprochene Judenfeinde im Kabinett Baldwin. Lord Birkenhead, der sich mehrere Male sehr gehässig über die „weltpolitischen" Ziele des Zionismus geäußert hat, und Lord Eustace Percy, den sogar Henry Ford als Kronzeugen für die Weltverschwörung deir Juden anführt. Lord Percy hat nämlich versichert, daß der Jude überall in der Welt ein geschworener und unversöhnlicher Gegner der christlichen Regierungen jeder Form und jeder Richtung sei. Als ein Zeichen dieser schon sehr weit gediehenen Antisemitisierung der englischen Denkweise - in den oberen Schichten muß ein vor kurzem in London erschienenes Buch angesehen werden, das den Titel führt: „Se.cret Societis and subversive 'Movement" (Geheime Gesellschaft und Umsturzbewegung). Die Verfasserin des Buches. Mrs. Nesta H. Webster, ist leitendes Redaktionsmitorlied der „Mnrning Post". Mrs. Webster ist es gewesen, die im Frühjahr 1920 sofort nach dem Erscheinen der Protokolle der

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