Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 8 lung zum Keren Hajessod genommen, jedoch steht die liberale M e h r h e i t de s V o r- Standes auf entschieden ablehnendem Standpunkt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat ebenfalls zu der Frage des Keren Hajessod keine Stellung genommen. Dagegen tritt die Großloge UOBB und die einzelnen ihr angehörigen Logen für den Aufbau Palästinas ein, soweit es sich dabei um ein h u m a n i t ä r e s Werk handelt und die Wohltätigkeitsanstalten in Deutschland dadurch nicht geschädigt werden. Eiine ähnliche Stellung nimmt der Allgemeine Rabbiner-Verb and ein, dSe durch die Bedeutung Palästinas für das r e 1 ig i ö s e L e b e n bedingt ist. Es handelte sich jetzt bloß darum, festzustellen, 'inwiefern sich andere, und zwar, was besonders hervorgehoben sei, Gemeinden des valutastarken Auslandes an der Sammlung für den Keren Hajessod beteiligen. Diesen lediglich informativen Zweck verfolgten auch die fünf erwähnten Briefe des Herrn Dr. O r n s t e i n, die von den Empfängern, wie wir nachweisen können, auch nur in dem Sinne aufgefaßt worden sind, in welchem sie geschrieben waren. Der Bemühung, informatives Material über die Angelegenheit zu gewinnen, fehlte selbstverständlich jedes gehässige Motiv, ja sie wird sicherlich von ledern Unbefangenen als eine sachliche Pflichterfüllung betrachtet werden. Deshalb kann man ruhig den angeblichen „vernichtenden Urteilen" entgegensehen, „welche Freunde der .Morgenzeitung' im Ausland und auch ihr Fernstehende an dieses Urteil geknüpft haben". In dem Schreiben, das die „Morgenzeitung*' nun „enthüllt" hat, ist von der besondiers lebhaften Agitation der Wiener Jüdäschnationalen für ihre». Keren Hajessod die Rede, die diese „ungeachtet der großen finanziellen Depression, unter der diejüdische Bevölkerung Oesterreichs derzeit ileidet", betreiben. Kein vernünftiger Mensch wird diese traurige Wirtschaftslage hinwegleugnen können, ja selbst das Londoner Direktorium des Keren Hajes s o d forderte in seinem Bericht über den Monat Dezember 1925 die unerläßliche Vergrößerung der Keren-Hajessod-Einnahmen, „ungeachtet der großen finanziellen Dep re s s i o n, u n te r der die jüdische Bevölkerung in einer Reihe von Ländern, insbesondere in M i t tß 1u n dO s t e u r o p a 1 e i d e t." Auch diese maßgebende zionistische Körperschaft gibt ausdrücklich diese leider nur zu bekannte Depression, von der mit denselben Worten der Brief Dr. O r n s t e i n s spricht, zu. In krassem Gegensatze zu dieser klaren und deutlichen Behauptung steht die von niedrigstem Parteihaß diktierte Stelle des dem Abdrucke des Briefes folgenden SchmäJiairtikels des Wiener Zionistenblattes, „Dr. OrnsteiH halbe durch Vernaderung (!) der Wiener Jüdischnationalen vor ausländischen Gemeinden und Korporationen das Recht auf Schonung verwirkt". Bis jetzt ist also Dr. Ornstein, wie aus diesen Zeilen hervorgeht, von den Jüdischnationalen „geschont" worden, nun' aber, da er es gewagt hat, von der furchtbaren Not und dem entsetzlichen Elend zu > sprechen., das unter der Wiener jüdischen Bevölkerung herrscht, hat er „das Recht auf Schonung verwirkt". Fragt sich, oder vielmehr^ fragt sich nicht, wem die zwar nicht ehrenhafte, aber auch nicht sehr beneidenswerte Rolle des „Naderers" nun zukommt. Wenn nun unter diesen traurigen wirtschaftlichen Verhältnissen in Oesterreich für den Keren Hajessod gesammelt wind, so muß diese Institution, Uli Feuilleton **^m Kiaath Sofrim. Bekleide sie mit reinem Golde, von innen und außen sollst sie bekleiden und mache dazu eine Krojne von Goldrings um. ü, 25, 11 Bei der Beschreibung der Gegenstände des Heiligtums findet sich eine merkwürdige Uebereinstirnmung. Es heißt bei der Lade „Du sollst dazu eine goldene Krone ringsum machen", und das gleiche ist verzeichnet bei dem ..Tisch" um den goldenen Altar. Altar, Lade und Tisch waren mit einem goldenen Kranze, einer goldenen Krone geschmückt Darum lehrte R. Jochanan im Talmud: „Drei Kronen gab es im Heiligtume und sie sind: die des Altares, die der Lade und die des Tisches. Die Krone des Altars verdiente sich Aron und nahm sie, die Krone des Tisches verdiente sich David und nahm sie; die Krone der Lade liegt noch da, wer sie nehmen will, komme und hole sie." R. Jochanan erkannte' in diesen drei Kronen die Symbole für Priestertum, Königtum und Gottesgelehrsamkeit Des Priestertums vornehmster Vertreter war Aron, des Königtums bedeutendster Vertreter war David. Sie haben sich die Krone verdient, waren ihre würdigsten Träger und mit ihrem Scheiden ist sie gleichsam fortgenommen worden. Niemand gab es, der sie so hätte tragen können wie sie. Glanz, Größe, Herrlichkeit des Priestertums und Königtums haben in Aron und David den Höhepunkt erreicht der nie mehr übexschritten wurde. Aber der Altar und der Tisch wurden zertrümmert Kronen und Kronenträger sind dahin! Rabbi Jochanan ben Sakkai war Augenzeugei der Belagerung Jerusalems. Er ließ sich als Scheintoter in den Sarg legen, von seinen Schülern auf der Leichenbahre aus der belagerten, der Vernichtung preisgegebenen Stadt an deni Wachen vorbei hinaustragen. Außerhalb der Stadt steht er aus dem Sarge auf, tritt im Lager der Römer vor Vespasian hii und spricht die denkwürdigen Worte: „Ich bitte um die Stadt Jamnia, um dort zu lehren!" Dieser R. Jochanan hat das Wort von der dritten Krone geprägt: „Die Krone der Lade liegt noch da, wer sie nehmen will, komme und hole sie!" Damit hat er für alle Zeit und Zukunft den freien Wettbewerb um die dritte Krone eröffnet Die Lade barg die Tafeln des Bundes, die Thora Gottes. Sie ist das Symbol für die Gotteslehre. R. Jochanan hat die freie Forschung begründet, die niemandes Privileg, aber das Recht eines jeden ist, der lerne» und Wissen erringen will. Der Wettlauf der Gelehrten uni Schüler begann. Der klassische Ausdruck im jüdischen Schrift- %tume und Volksmunde dafür ist „Kinath sofrim", „der Ehrgeiz der Gelehrten". „Der Ehrgeiz der Gelehrten mehrt die Wissenschaft4. Mit diesem Ehrgeiz hat R. Jochanan selbst den Anfang gemacht Denn von ihm wird berichtet, daß er stets der erste und letzte im Lehrhaiuse war. Er habe 120 Jahre gelebt, vierzig habe er im irdischen Berufe, vierzig im Lernen und vierzig im Lehren verbraucht. Daß ihm die Ueberlieferung die gleiche Zahl der Lebensjahre, wie Moses zuerkannt hat soll besagen, daß sein Lebenswerk nicht geringer als das Moses' war. Hat dieser Israel die Thora aus dem göttliche« Feuer am Sinai gebracht, so hat sie jener aus den Feuerbränden Roms gerettet und das Feuer des Lerneifers und Ehrgeizes für die Wissenschaft der Thora in den Gelehrten entfacht Wissen ist Macht. Die Macht einer Priesterklasse kamt verschwinden, die von Königsdynastien gestürzt werden, dl«