Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1926-02-12 · Heft 7 (12.2.1926) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063973-3063980--14338-3081891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 7____________ DIE W AHRHEIT Seile_j. sich weiters auf eine Reihe geachteter Optikerfirmen, die die Richtigkeit seiner Darstellung bezeugen. Wir stehen sicherlich in allen ähnlichen Fragen aut dem, wie man zur Schande der Menschheit jetzt sagen muß, veralteten Standpunkt eines Maculay, der vor hundert Jahren in einem seiner glänzendsten Essays über die Juden meinte, seines Erachtens dürfte die Religion nur dann eine Rolle spielen, wenn es sich um die Besetzung einer geistlichen Würde handelt. Was soll man aber zu einem Herrn Kleemann sagen, der sich mit Stolz auf die Tradition seiner Firma beruft, die frei von konfessionellen Vorurteilen ist, wenn es sich um jüdische Kunden handelt, ja noch mehr, eine gewisse Vorliebe für selbe bekundet, indem sie sie sucht, die aber dfie schrankenloseste Engherzigkeit an den Tag legt, wenn ein Jude bei ihr Arbeit sucht. Die besondere Tüchtigkeit des Bewerbers wird nicht als ein Milderungsgrund angesehen, schützt ihn kaum, vor dem höhnischen Lächeln, das die Abweisung begleitet. Die antisemitische Brille wird eben beiseite gelegt, wenn es sich um den jüdischen Geldbringer handelt, aber die schärfste Rümmer wird genommen, wenn der die ehrliche Arbeit suchende Jude seine Dienste anbietet. Die antisemitischen Blätter predigen unausgesetzt die Losung: „Kauft nicht beim Juden!" Dem gegenüber soll es wohl ausgesprochen werden, daß man zu den ausgesprochenen Judenfeinden nicht sein gutes oder, wie sie sagen, sein „jüdisches" Geld hinzutragen braucht. Denn durch welche Brille immer gesehen, das Vorgehen der Optikerfirma Kleemann ist nichts anderes als versteckter Antisemitismus. Das zu verkennen, wäre optische Täuschung. Oskar H i r s c h t e 1 d. Merkwürdige Methoden. Die „Wiencr Morgenzeitung", die sich erst vor ganz kurzer Zeit an „die österreichischen Juden" mit der dringenden Bitte gewendet hatte, sie durch finanzielle Unterstützung vor dem Zusammenbruch zu bewahren, eben diese Zeitung glaubt ihre, Existenzberechtigung dadurch beweisen zu müssen, daß sie gegen alles, was nicht dem jüdischen Nationalismus ergeben ist, einen wütenden Kampf führt. Besonders zur Zeit der ungarischen Jubiläumsfeierlichkeiten, als es die der „Union" angehörigen Mitglieder des Kultusvorstandes als ihre Pflicht erkannt hatten. Vertreter nach Budapest z>u entsenden und so den durch die Jüdischnationalen, gefährdeten guten Ruf des jüdischen Wiens zu retten, erreichten die Angriffe der „Morgenzeitung" ihren Höhepunkt. „Die Wahrheit" hat sich wiederholt eingehend mit dieser aufs tiefste beklagenswerten Entartungserscheinung im Körper der österreichischen Judenschait beschäftigt und die Kampfmethoden der Jüdischnationalen im allgemeinen und ihrer Presse im besonderen aufs schärfste verurteilt. Ja selbst Männer, denen ihr Amt und ihre Stellung innerhalb der österreichischen Judenschaft eine gewisse Mäßigunghätte auferlegen müssen, ließen sich, angesteckt durch das Treiben der jüdischnationalen Presse, dazu hinreißen, durch unrichtige Behauptungen die Haltung, die die „Union" anläßlich der ungarischen Festlichkeiten eingenommen hat, herabzusetzen. Dies war unter anderem auch der Fall bei der Rede, die der ehemalige Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde und derzeitige Kultusvorsteher Dr. Desider Friedmann auf dem „Zionistischen Partei rat" gehalten hat und mit der sich „Die Wahrheit" bereits ausführlich beschäftigt fiat. Dr. Friedmann sagte in dieser Rede u. a. wörtlich, daß „die Pester und Ofuer agudistische Gemeinde ander Feier nicht teilnähme n." Wir konnten nicht sofort auf diese uns von allem Anfang an unwahrscheinlich klingende Behauptung erwidern, da wir uns zunächst von ihrer Stichhältigkeit an authentischer Stelle überzeugen wollten. Heute können wir feststellen, daß Herr Dr. Friedmann sich zu dem Zwecke, die Haltung der Budapester Gemeinde und der „Union" als mißbilligenswert erscheinen zu lassen, einer falschen Information bedient hat. Es ist nicht wahr, daß die Budapester orthodoxe Gemeinde sich von den Jubiläumsfeierlichkeiten ferngehalten habe. Wahr ist vielmehr das Gegenteil von dem, was Dr. Friedmann behauptet hat. Als Bestätigung für die Richtigkeit dieser Behauptung lassen wir die Antwort folgen, die der Präsident der Budapester Kultusgemeinde, Herr Dr. Alexander L e d e r e r auf eine diesbezügliche Anfragedes Präsidenten der „Union" Dr. Jakob Ornstein erteilt hat: Hochgeehrter Herr Präsident! In höflicher Beantwortung Ihres hochgeschätzten Briefes habe ich die Ehre. Ihnen mitzuteilen, daß die ganze ungarische Judenschaft an unseren Festlichkeiten in brüderlicher Liebe teilgenommen hat. Was soeziell unsere Brüder orthodoxer Schattierung anbetrifft, übersende ich anbei in wortgetreuer deutscher Uebersetzung die Begrüßungsbriefe der Budapester autonomen orthodoxen Religionsgemeinde. Da in dieser Gemeinde sämtliche Juden orthodoxer Schattierung der Hauptstadt Budapest inbegriffen sind, ist es erwiese n, daß an unseren Festlichkeiten die ganze ungarische Judenschaft teilgenommen hat. Gestatten Sie, daß ich auch bei dieser Gelegenheit betone, wie sehr wir uns durch Ihre und Herrn Dr. Tichos Anwesenheit geehrt fühlten, und bewahren wir daran die schönste brüderliche Erinnerung. Mit ganz besondrerer Hochachtung Dr. Alexander L e d e r e r, Präsident. Die Begrüßungsschreiben der „Budapester Autonom- Orthodox-Israeütischen Religionsgemeiude" haben folgenden- Wortlaut: An den löbl. Vorstand der Pester isr. Religionsgenteinde in Budapest. Mit Dank und Freude haben wir die Einladung zur Feier der 125. Jahreswende des Bestandes der Pester israelitischen Religionsgemeinde erhalten. Auch diese Einladung ist ein glänzender Beweis für jene Liebe und Achtung, welche die beiden Gemeinden, trotz ihrer Abgesondertheit, sich gegenüber hegen. Die Budapester autonom-orthodox-Religionsgemeinde ergreift mit Freude diese Gelegenheit, um Ihnen ihre Grüße und Glückwünsche am heutigen Tage zum Ausdruck bringen zu können. Wir wollen bei dieser Gelegenheit der rapiden Entwicklung Ihrer Institutionen gedenken, in erster Reihe Ihrer Schulen, welche so viele biedere und berühmte Bürger unserem Vaterlande erzogen haben. Ihrer Kranken-, Waisen- und Siechenhäuser, in welchen so viele unserer .leidenden Brüder Genesung gefunden haben, ferner Ihres segensreichen Wirkens, weiches Sie im Interesse der Armen und Verlassenen entfaltet haben. Mit dem Ausdrucke unserer Hoffnung, daß Ihre von der heiligen Flamme der Vaterlandsliebe durchdrungene weitere erfolgreiche Tätigkeit auf die Entwicklung Ihrer Institutionen und aiuf das Emporsteigen der Würde Ihrer Gemeinde eine wohltätige Wirkung ausüben wird, zeichnen wir mit glaubensgeuössischem Gruße: Der Vorstand der Budapester-Autonom- Orthodox-Religionsgemeinde: Abraham Freudiger de Öbuda. m. p., Gemeindepräsident. Budapest, den 19. November 1925. * Hochwohlgeboren Herrn Präsidenten Dr. Alexander Lederer in Budapest. Verehrter Herr Präsident! Aus dem Anlasse, daß die Pester isr. Religionsgemeinde die 125. Jahreswende ihres Bestandes feiert, wollen Sie, verehrter Herr Präsident, nuf diesem Wege den Ausdruck der Hochachtung, welche ich für Ihre Person hege, und meine herzlichen Glückwünsche entgegenehmen. Glücklich muß die Pester isr. Religionsgemeinde gepriesen werden, die in Ihrer Person einen u n v e r g I e i c h I ic h fleißigen und unermüdlichen Präsidenten besitzt, an dessen Namen sich eine lange Reihe der Schaffungen von bleibendem Werte knüpfen, durch die Sie Ihre Religionsgemeinde groß und mächtig geschaffen haben. Ihr conciliantes Verhalten und Ihre edle Gesinnung ermöglichte es in der Vergangenheit, daß die beiden Gemeinden — trotz ihrer Abgesondertheit — in vielen sozialen Angelegenheiten zusammenwirken konnten. Wolle der Allmächtige, daß Sie, verehrter Herr Präsident, noch durch lange, lange Jahre Ihre gemeinnützige Tätigkeit fortsetzen können und ich wünsche es vom Herzen, daß Sie die Früchte Ihres Schaffens noch sehr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.