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Die Wahrheit · 1926-02-12 · Heft 7 (12.2.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 3 im ganzen drei politische Parteien gibt, von welchen zwei antisemitisch orientiert sind, während die dritte — sie beweist es immer wieder — auch nicht gera.de als judenfreundlich bezeichnet werden kann, wird man die Erscheinung verstehen, aber auch den Wunsch aller wahrhaft fortschrittlichen Elemente nach einer liberalen und demokratischen Partei des österreichischen Bürgertums. Diese wäre dann auch der wichtigste Sammelpunkt aller nationalen oder klassenkämpferischen Schlagwörter! abholden Juden. Im kaiserlichen Deutschland verstand es sich von selbst, daß die Juden der Opposition angehörten. Denn wenn sie die papierene Gleichberechtigung in eine tatsächliche umwandeln wollten, mußten sie sich notwendigerweise jenen Parteien zuwenden, die das Wort von .der Gleichberechtigung aller Staatsbürger im Schilde führten. Auch heute wählt die Mehrheit der deutschen Juden die Parteien der Linken und zwar, wie Hellmut von Gerlach sehr richtig bemerkt, im wesentlichen deshalb, weil sie durch den Antisemitismus, der heute im Reiche herrscht, von rechts nach links getrieben werden. Es macht sich also auch hier die bereits erwähnte Erscheinung der politischen Verschiebung geltend, weiche die wahre Mentalität zu verschleiern geeignet ist. Erst die wahre Gleichberechtigung wird den Juden die Möglichkeit geben, eine wirklich weltanschauungswürdige Politik zu betreiben und auf die Entwicklung des staatlichen Lebens im Sinne der hohen ethischen Auffassung der jüdischen Religion Einfluß zu nehmen. Dann wird auch das Märchen von der destruktiven Tendenz der jüdischen Politiker zerflattern wie Spreu im Winde. verlangt und deren Wesen darin besteht, daß sie mit der Seltenheit dem Menschen wertvoll und köstlich, mit der Häufigkeit ihres Vorkommens gleichgültig, ja wertlos wird. Das Verdienst des Judentums besteht darin, daß es durch diese ihm eigene Einrichtung des Kiddusch sozusagen die satanische Macht, die im Weine steckt, gebändigt hat. Wein und Freude sind •unzertrennliche Begleiter: wo Freude herrschen soll, tritt auch der Wein in seine Rechte. Festtage und Sabbate sollen die Freude bringen, die wir im Leben brauchen, die unsere Kräfte und Fähigkeiten fördert. ..Die Herrlichkeit Gottes weilt weder bei Trübsal noch bei ausgelassener Freude, sondern bei der Freude über eine gute und gottgefällige Tat." Der Sabbat lehrt den Juden, diese Freude suchen. Durch den Kiddusch wird Israel zum richtigen Verständnis des Ruhetages erzogen. Das Haus, in dem am Freitagabend und am Eingange der Feste der Segen über den Becher Wein gesprochen wird, ist frei von der bösen Macht, die in diesem Freudenbringer verborgen ist. Der Hausvater, der den Becher mit dem Segen Gottes weiht, erzieht sich und seine Familie zw Mäßigkeit und Nüchternheit im Weingenusse. Wenn dem Juden das Lob der Nüchternheit gespendet wird, so dankt er es der Erziehung durch den Kiddusch. Ein Wort des Talmud verheißt auch dem ewigen Lohn, der bei Sabbatausgang den Scheidegruß, die Habdala, über den Wein spricht, weil die Weihe des Sabbat in den Werktag und das Alltagsleben fortwirken soll. Es gibt ein altes jüdisches Wort: „In drei Dingen erkennt man den Menschen; beim Geld, im Zorne und beim Weine." So kann man den Juden erkennen, seelisch, sittlich und menschlich bewerten durch sein Verhalten bei dem Becher Wein, mit dem er Sabbat und Festtag und Feierstunden weihte. Darum wird in dem Mischeberach ein besonderer Segen Gottes auf diejenigen herabgefleht, die den Wein für Kiddusch und Habdala spenden, denn sie fördern das Heil, das die Weihe der Religion aus dem Freudebringer Wein ausströmen läßt. K. PESSACB Kaffee-zusaft in braunen Schachteln laut Attest Sr. Ehrwurden des Heim Ober- Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau ngft werlüOliclm lc«»scl*«r nttft auch heuer wieder in garantiert reiner und ausäiebl^er Quallittl zu haben bei Heinrich Franch Söhnt in Kosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern so daß sämtliche Erzeugnisse verläßlich Koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Interesse recht genau die braune Farbe der Schachtel die Schutzmarke KAFFEEMÜHLE und die Unterschrift Heinrich FRANCK söhne Rassentheorie und Wissensehaft.1) Von Dr. Friedrich Hertz. Es mutet befremdend an, daß auch viele Gelehrte der Rassensuggestion zum Opfer gefallen, ja, daß in manchen politisch rückständigen Ländern gerade gewisse akademische Kreise Hauptsitze von Rassenvorurteilen geworden sind. Die Ursache liegt im Ueberwuchern der Spezialisierung und des Technischen an vielen Hochschulen, was schon Kant ironisch als fabriksmäßigen Betrieb bezeichnete3), sodann aber in der Uebermacht von politischen Traditionen und wirtschaftlichem Egoismus. Die größten und universalsten Meister der Natur- und Geisteswissenschaften haben dagegen den Wahn, daß die Menschheit durch tiefe, unabänderliche Wesensunterschiede getrennt sei, mit seltener Einmütigkeit und Entschiedenheit verworfen. Hierin stimmen, um nur einige der bedeutendsten Forscher (mit Ausschluß von Lebenden) zu nennen, J. G. Herder, A. von Humboldt, K. E. von Baer, .loh. Müller, J. C. Prichard, Ch. Darwin, Th. Huxley, Th. Buckle, J. St. Mill, H. Spencer, Rud. Virchow, M. Schleiden, A. de Tosqueville, E. Reclus, A. de Quatefrages, A. Bastian, Th. Waitz, Fr. Ratzel, F. von Luschan, Joh. v. Ranke überein. Alexander von Humboldt sagte: „Indem wir die Einheit des Menschengeschlechtes behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niedrigeren Menschenrassen. Es gibt bildsame, höher gebildete, durch geistige Kultur veredelte, aber keine edleren Volksstämme." (Kos- 1) Aus dem wertvollen und gediegenen Buche von Hofrat Dr. Friedrich Hertz, „Rasse und Kultur, Eine kritische Untersuchung der Rassetheorien" — dritte gänzlich neubearbeitete und vennehrte Auflage (Philosophisch-Soziologische Bücherei, Bd. 34), Alfred Kröner Verlag in Leipzig, 1925, Preis: Geheftet 9Mk., gebunden 11 Mk.. dem Regierungsrat J.Kreppel in einer unserer letzten Nummern eine eingehende Besprechung gewidmet hat. Wir geben aus dem Werke das Kapitel „Rassentheorie und Wissenschaft" wieder, das im Hinblick auf die leider sich auch in wissenschaftlichen Kreisen geltend machenden antisemitischen Strömungen heute ganz besondere Beachtung zu beanspruchen hat. 2) Vergl. Kant, Der Streit der Fakultäten (Einleitung).

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