Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 bin* Wahrheit te. 6 Bürger eines christlichen oder überhaupt nichtjüdischen Staates zu sein befähigt sei. Auch hier fehlt selbst der Versuch eines Beweises. Gewalt gegen die Juden lehnt Hundt zwar ab, aber er wird nicht müde zu versichern, daß sie auch vergeblich sein würde, und daß anderseits die Juden sich ja den Christen gegenüber mit der Forderung auf Verzicht gewisser religiöser Dogmen revanchieren könnten. Denn auch bei diesen gebe es Dogmen, welche einfach unertragbar seien. Die Gründe für die angebliche Schlechtigkeit der Juden sieht Hundt nicht in ihrer menschlichen Natur, die ebenso der Besserung fähig sei, wie die der Menschen überhaupt, und Gott habe das jüdische Volk keineswegs verflucht, wie gewisse Christen annehmen, sondern sie „liegen in der Schlechtigkeit ihrer Vorväter Abraham, Isaak und Jakob, deren schlechte Beispiele wie schleichendes Gift weiter wirke und geistige Ausbildung und Sittlichkeit zerstöre". Sie werde verstärkt durch „die jüdische Religion, die den Begriff des rachgierigen blutdürstigen Gottes geschaffen und ein Gesetz der Nächstenliebe erzeugt habe, welches äußerst engherzig und gegen alle Nichtjuden gerichtet sei, indem es diese von der Nächstenliebe ausschließe." Die Priesterkaste habe nichts für die Veredelung getan, und auch die Kunst sei leer ausgegangen, „nur der hochmütige Dünkel, das auserwähite Volk zu sein, rühre von ihnen her, und der allein erhielte das jüdische Volk überhaupt noch". „Nicht in einem angeblichen Fluche des pottes Israels, sondern in den religiösen, bürgerlichen und sittlichen Vorschriften und Hinrichtungen, weiche Moses, iliskia und andere den Israeliten gegeben, muß man folglich einen Hauptgrund ihres gegenwärtigen im ganzen genommen äußerst verderbten Zusiandes suchen." (S. 163.) Ohne Zweifel aber hätte auch das gegen die Juden von den nichtjüdischen Regierungen und Volmern angewendete Veriabren zu dieser Verderbnis oeigetragen. Die häungen Verfolgungen, Bedrückungen und Quaiereien mußten dies Volk erbittern; statt die Juden durch Gründe oder Spott von '.hren Torheiten abzuleiten, schlachtete man oder briet man sie oit zu Hunderten, denn man wollte durchaus, sie sollten sich taufen lassen und Schweinefleisch essen. Das waren ebenso verkehrte Mittet w.c die Judenmissionen und die Ausschließung von der GeWerbetätigkeit. Handel und Schacher ist so ihnen geradezu autgezwungen worden. Demgegenüber sei eine treisinnige Erziehung erforderen, wie sietdie Württembergische Regierung in ihrem neuesten Judengesetze beabsichtige. Der Jude muü lernen, „einer Denk- und Handlungsweise zu entsagen, die ihn zur Erfüllung der bürgerlichen unu menbcmienen Fmcnten in emem nichtjüdischen Staate untanig macht. Der Christ muß hingegen den Juden, der sich durch Gesinnungen und Handlungen der Acntung seiner Miteinwoliner wert zeigt, gerne und willig den Vollgenuß alier, mit dem Bürgertum in einem christlichen Staate verbundenen Rechte und Freiheiten zugestehen. Ueberhaupt sollte man gar nicht einmal unter vernünftigen Leuten von christlichen Staaten mehr sprechen . . . Die kirchlichen Einrichtungen sind ibloße Privatanstalten unter dem Schutze des Staates . . . Jedem Einwohner muß es freistehen; ob er eine und welche dieser Anstalten benutzen will." Hier taucht also die .heute so stark vertretene Ansicht zutage, die sich noch immer nicht durchgesetzt hat, trotz aller Trennung von Kirche und Staat. Dennoch ist es ein eigenartiger Vorschlag, die Verleihung der staatsbürgerlichen Rechte vom Wohlverhalten abhängig zu machen. Zum mindesten muß man solcher Kurzsichtigkeit gegenüber fragen, weshalb denn Hundt nicht die gLeiche Vorsicht gegenüber allen Angehörigen der anderen Konfessionen anwenden will, die durch ihr Uebelwollen ebenfalls den Staat schädigen und sittlich minderwertig sind1. Und deren gibts auch heute noch genug, wie es sie damals gab. Auch darf man sich die Frage erlauben, wer denn die Entscheidung über das erforderliche Wohlverhalten fällen soll? In welchem Alter soll das Wohlbetragenszeugnis denn zugestanden werden? Welcher Art soll die Prüfung sein, die vorherzugehen hat? Die ganze beschränkte Auffassung gewisser damaliger liberaler Kreise spricht aus dieser Engherzigkeit, die sich mit dem Merkmal des Wohlwollens drapiert. Dennoch: Hundt nimmt eine vollkommene Zwischenstellung ein zwischen den» Juden und den Christen. Er tadelt nämlich, daß die Religion Jesu von Verschnörkelungen und Dogmen verunstaltet worden sei; „eine solche Religion mit polytheistischen Schnörkeln und Lehrsätzen, die dem alten Testament ebenso sehr wie der gesunden Vernunft und sogar dem Einmaleins Hohn sprechen", anzunehmen, kann man von den Juden nicht erwarten, ebensowenig daß „sie dagegen ihren weit vernünftigeren Monotheismus aufgeben" sollen. Dazu käme, daß sich die Christen untereinander vielfach schlimmer betrügen, als die Juden. Die Forderung, welche die Abgeordneten Pfleiderer und von Abel in der Württembergischen Kammer aufgestellt hatten, den Talmud aufzuheben^ also abschwören zu lassen, wenn den Juden die vollen Staatsbürgerinnen Kecnte verlienen werden sollten,-halte auch -er (rmnot; rür notwendig, aber das sei Aufgabe der Juden selbst, denn sie würden sich einer von außen kommenden Aufhebung widersetzen. Und Gewalt lehnt nundt in jedem Falle ab. Er will vielmehr durch bessere Lehr- und Unterrichtsanstalten sie „von dem Glauben an die Göttlichkeit jener für sie so verderblich gewordenen Religions- und Sittenlehre zurückbringen, wozu gewiß viele aufgeklärte und helldenkende Männer aus ihrer, Mitte gern die Hand bieten werden". Das württembergische Gesetz haoe sie von Handel-, Geld-, Wecnsei- und Maklergeschäften entwöhnen wollen, wogegen ihnen jetzt aer Betrieb last aller andern Gewerbe gestattet werde. Der nandel war nämüch den Juden duren dieses württembergische Gesetz nicht untersagt, er war aber bezüglich des -Kleinhandels auf eine gewisse Zanl besenrankt, auch waren gewisse Vorscnniten vorgesehen, durch die den Juden der Betrieb von Handelsgeschäften etwas erschwert wurde. Dieser Judenspiegel trägt alle Kennzeichen der damaligen kulturellen Engherzigkeit an der Stirn. Onne irgend weicne Beweise aus dem wirklichen Leben wird das Märchen von der Schlechtigkeit des jüdischen Stammes weiter getragen und der Versuch gemacht, die Mitwelt daran glauben zu lassen. Es muß fast kindlich anmuten, eine ganze deutsche