Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 DIE WAHRHEIT Seite 3 dien, an welchen jede Konfession ihren verhältnismäßigen Anteil haben muß, so kommt auch niocn die ganz beträchtliche Kopfzahl der jüdischen Bevölkerung in Betracht, iderenMehrheit sich ja durch besondere Befähigung und Intelligenz für Staatsgeschäfte auszeichnet." Im November 1880 äußerte er sich weiter (nach Poschinger, Fürst Bismarck, neue Gespräche S. 113): „Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden, sei es, daß er sich auf konfessioneller oder gar auf der Grundlage der Abstammung1 b e w e er e. Mit erteil Rechte könnte man eines Tages über Deutsche von polnischer oder französischer Abstammung herfallen wollen und sagen, es seien keine Deutschen. Daß die Juden mit Vorliebe sich mit Handelsgeschäften befassen, daß ist Geschmacksache; durch ihre'frühere Ausschließung von anderen Beruf sarten mag das wohl begründet sein. Aber sicherlich berechtigt es nicht, über ihre größere Wohlhabenheit jene aufreizenden Aeuißerungen zu tun, die ich durchaus verwerflich finde, weil sie den Neid und die Mißgunst der Menge erregen. Ich werde niemals darauf eingehen, daß den Juden die ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rechte in irgendeiner Weise verkümmert werde n." Moritz Busch gegenüber behauptete einst Fürst Bismarck: „Die Juden waren in ihrer Polemik gegen mich nie so gemein wie meine christlichen Gegne r." Diese Proben dürften genügen. Sie ließen sich leicht vermehren. Wenigstens ein paar Aussprüche sollen aber doch noch hier Platz finden. Sehr kräftig drückte sich Theodor M o m m s e n 1894 in einem Interview Hermann Bahr gegenüber Schärfen, aber kein Bisen soll geschwungen werden, diese Steine aneinanderzufügen. Die Religion Israels will die Menschen nicht mit Gewalt zum heiligen Dienste zwingen. Sie verwirrt die Eiferer, die die menschlichen Herzen und Gesinnungen wie kalte, tote Steine mit Schwert und Eisen geichmachen wollem. Diesen Gedanken hat der Midrasch zum Ausdruck gebracht, indem er Moses in der Sterbestunde zu Gott beten läßt: „Wedtenherr, Dir ist bekannt und offenbar, was jeder Mensch auf Erden denkt. Du weißt, daß die Gedanken deiner Kinder auf Erden einander nicht gleichen; wenn ich von ihnen scheide, so g!üb ihnen einen Führer, der gegen ihre verschiedene Ansichten duldsam ist." Auch an Pinehas, den Eiferer, hat das Gotteswort eine feinsinnige Mahnung gerichtet. Mit dem Satze: „Siehe, ich gebe ihm meinen Bund zum Frieden' wollte Gott den Pinehas lehren, d!aß die Welt nur friedlich regiert werden kann und die ganze Thora den Frieden bezweckt. So lehrte R. Josua ein treffliches Gleichnis. Als Gott dem Volke Israel seine Thora geben wollte, zögerte er, da viele mit Fehlern und Gebrechen von der ägyptischen Knechtschaft her behaftet waren. „Es ist nicht recht," sagte Gott, „daß ich meine Thora Fehlerhaften, mit Gebrechen Beladenen gebe." Gott fand einen Ausweg. Er ließ seine Engel zu jenen Unglücklichen hinabsteigen, damit sie diese heilen. Die Religion verlangt nicht nur die Vollkommenen und Untadeligen, sondem gehört auch denen, die Fehler haben. Mit der sanften Engelsmacht der liebe soll sie Schäden, Fehler und Gebrechen heilen, nicht mit Schwert und Kampf ausrotten. Darum vergleicht der Prophet Maleachi den, der ein Priester Gottes sein will, mit einem Engel Gottes, daß er wie ein Engel Gottes hele, was Fehler und Gebrechen hat Die Gott Altäre aufbauen wollen, müssen 'die schwere Kunst lernen, Steine aneinanderzufügen, ohne daß Hammer oder Axt oder der Schall des tötlichen Eisens gehört wird. Wer das nicht beherzigt, darf nicht zum Dienste Gottes zusammenfügen Steine und Menschen. K, ff IJ1 111T1TFI PESSücn waffee-zosati in braunen Sdiatiitem laut Mtest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober- Rabbiüer Simon Schreiber aus Erlau 1Ü3 verlüßliifi Scostlier *raD auch heuar wieder in garantiert reiner und aus^iebifgerQuolliatf zu haben bei Heinrich French S®Hn€ in Ko&ce Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern so daß sämtliche Erzeugnisse YerläßUch hosdier sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucnt werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Int resse recht genau die braune Farbe der Sdiatütel Sfflnizuiarhe KArmttiMf: und die Unterschrift Heisridi f&ANU& Söhste Jl^j^^j^j^^^^^l^^^^^^^^yjjy^jy^j^j^^^^^^^y^^^^ aus. Er sagte: „Sie täuschen sich, v.enn Sie elauben, daß ich da was ausrichten kann. Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, daß man da überhaupt mit Vernunft etwas machen kann. Ich habe das früher auch gemeint und immer und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestiert, welche Antisemitismus heißt. Was ich Ihnen sagen könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Haß und den eigenen Neid, auf die schändlichsten Instinkte. Alles andere ist ihnen gleich. Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub, Man kann nicht auf sie wirken. Was soll man auch einem sagen, der dem „Rektor aller Deutschen" folgt? Der ist nicht mehr zu retten. Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz — ob es nun der Pöbel auf der Straße oder der Pöbel im Salon ist, das machtkeinen Unter-« schied: Kanaille bleibt Kanaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille. Er ist wie eine schauerliche Epidemie, wie die Cholera — man kann ihn weder erklären noch heilen. Man muß geduldig warten, bis sich das Gift von selber austobt und seine Kraft verliert." Rosegger hat sich (April 1893) geäußert: „Im übrigen aber verbieten es mir Geschichte, Philosophie und Christentum, zwischen Menschen und Menschen einen Unterschied! grundsätzlich zu machen und glühend hasse ich die heute besonders in großen Städten so gewissenlos und abscheulich betriebeneJudenhetze,