Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Nr. 5 Als Präsident dieses Bundes aber wurde immer — der Landespolizeichef Nädossy genannt. Der Zusammenhang ist klar. Nädossy hat einfach Befehl gegeben, daß seine Bundesbrüder in den in Betracht kommenden Staatsämtern den ihnen unterstehenden Apparat für die Francfälschungen zur Verfügung zu stellen hätten, und seinem Befehl wurde restlos Folge gegeben. Der Doppelkreuzbund ist aber nichts anderes als eine Zusammenfassung der ehemaligen Weißgarden, die, seit in Ungarn die äußerliche Konsolidierung ihren Anfang genommen hat, in Form von Geheimorganisationen ihr Treiben fortsetzen. Es gibt deren mehrere. Ueber allen steht als Generalstab und sozusagen als Bundesregierung der Blutbund Doppelkreuz. Dieser Gesellschaft unterstehen auch die öffentlich tätigen „gesellschaftlichen Verbände, deren es siebenundvierzig gibt. Diese Verbände gehören wohl nicht korporativ dem Blutbund an, doch da ihre Führer durchwegs Doppelkreuzer sind, unterstehen sie mittelbar doch dem Nädossyschen Generalstab. Aus ihren Reihen rekrutierte sich das Fraiicvertriebsdetachement. Sie sind das vollziehende Organ des Doppelkreuzes. Zusammenfassend wird die ganze Gesellschaft mit dem Namen „Rassenschützler" bezeichnet. Sie hat sich nämlich zu ihrer Hauptaufgabe den Schutz der „ungarischen Rasse" gegenüber der jüdischen gemacht. Ihr sonstiges Programm ist Irredentiswius und letzten Endes natürlich ein neuer Weltbrand. Es wird nicht uninteressant sein, hier wieder einmal die Namen der Akteure in Erinnerung zu bringen, soweit sie eine wesentliche Rolle gespielt haben: W.indischgr ätz, Jankovics, Manko v i c s, Marsovszky, Zadravec, Haits, Gero, Kurz und Trstyansky, wie Nädossy früher geheißen hat. Unter neun Namen nur zwei ungarische! Und von diesen zweien klingt Gero sehr nach Gutmann oder Oniher nder sonst einem nichtmagyarischeii Namen., denn er gehört zu denen, die zur Zeit der Namensänderungen besonders in Mode waren. Und Raba ist getaufter Jude und hieß früher sicher Rotberger. Lauter Janitscharen. Mit Hilfe ihrer hohen Verbindungen genossen die Rassenschützler lange Zeit die ausgiebigste materielle Unterstützung von seilten der offiziellen Staatsgewalt. Die reichdotierten Dispositionsfonds standen sozusagen ganz zu ihrer Verfügung. Doch dann kam Jeremia Smith, der Generalkommissär des Völkerbundes, der für Rassenschutz gar kein Verständnis zeigt und die Geldquellen der Patrioten rücksichtslos verstopfte. Ihm gegenüber war selbst der Doppelkreuzbund ohnmächtig. Man mußte also Umwege nehmen und sich mit indirekten staatlichen Unterstützungen zufrieden geben. Diese flössen gerade in der letzten Zeit — ungefähr parallel mit den Francfälschungen — in sehr reichem Maße, so daß die Informationen, die von einer u nmittelbar geplanten großen Aktion der Rassenschützler sprechen, nicht von der Hand zu weisen sind. Mitte Dezember wurde bekannt, daß der Innenminister Ivan v. Rakovs k y die Herstellung des Amtsblattes der P4*ts,.i*^:«tes»!*^^S<* Druckerei der Rassenschützler anvertraut hatte, womit er dem in tiefster Agonie liegenden Organ Gömbös' neue Lebenskräfte einhauchte; achtundfünfzig Jahre lang war das Blatt in der Athenäumdruckerei hergestellt worden, die Eigentum des liberalen „Est"-Konzerns ist. Gleichzeitig drangen die ersten Nachrichten von einer Tombolakonzession in die Oeiffentlichkeit, die zwei Exponenten des Verbandes der „gesellschaftlichen" Vereinigungen erhalten hatten. Während alle anderen Verlosungen von privater Seite aufs engste begrenzt wurden, bekamen die Rassenschützler ein großzügiges, auf fünfzig Jahre anberaumtes Lotteriegeschäft in die Hand. Sie verkauften die Konzession alsbald (an einen jüdischen Unternehmer), was wieder als Beweis für ihr dringliches Geldbedürfnis kommentiert wird. Bezeichnend ist, daß auch die Tombolaaktion von der Postsparkasse finanziert wurde, die statutenmäßig überhaupt keine Privatkredite geben darf. An der Spitze dieses staatlichen Unternehmens steht eben auch einer von den Blutsbrüdern, der Präsident des Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen, Gabriel B a r o ß. Für ihn war der Auftrag des Blutbundkommandos eben bindender als das Statut der Postsparkasse. Erinnern wir uns. nun auch noch an den O ktoberkongreß der ungarischen, rumänischen, österreichischen und bayerischen Antisemiten, über den seinerzeit berichtet wurde, und halten wir uns daneben die von Sauer we in im „Matin" veröffentlichten Tagebuchaufzeichnunigen Jankovics4 vor Augen, wonach an den Beratungen über die Francfälschungen der Hofsekretär des Erzherzogs Friedrich (des Vaters Albrechts) teilnahm, so finden wir leicht die Antwort auf die Frage nach den Zielen und ausländischen Verbindungen der Fälscher. Diese Antwort, die sich aus dem Neben- und Nacheinander der Vorgänge und aus den allbekannten Zielen der Akteure logisch von selbst ergibt, sei hier a u i Grund positiver Informationen des näheren entwickelt: Die Internationale der Antisemiten betrachtet seit Jahren Ungarn, wo ihre Organisationen am besten ausgebaut sind, als die Avantgarde ihrer Bestrebungen. Ihm ist eine ähnliche Rolle in der weißen Welt zugedacht, wie sie Rußland in der roten Welt spielt. Noch im Jahre 1926 sollte in Ungarn offen die weiße Diktatur ausgerufen werden, und zwar unter dem Szepter des jungen Albrecht, der — wieder ein verdächtiges zeitliches Zusammentreffen — Ende des vergangenen Jahres zum Gouverneurpräsidenten aller Rechtsverbände ausgerufen wurde. Für Albrechts Kandidatur machte in Rumänien Professor Cuza unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Budapester Antisemitenkongreß lebhaft Propaganda. Vom antisemitisch-weißen Ungarn sollten dann zunächst Rumänien, das am meisten für derlei inkliniert, Bayern und Oesterreich angesteckt werden. Daß man von Ungarn und nicht vom fascistischen Italien die Initiative zur Erhebung der Nationalisten aller Länder erwartete, hat seinen Grund in der ablehnenden Haltung des Fascismus der antisemitischen Internationale und überhaupt dem Antisemitismus gegenüber und in den wiederholten Erklärungen führender Fascisten, daß der Fascismus eine spezifisch italienische Sache sei, die sich nicht internationalisieren lasse. - mini ■ rrmrr-*u*mami*tt~<»'*»*nKnM&s****a^™