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Die Wahrheit · 1926-01-29 · Heft 5 (29.1.1926) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5_________________________ DIE WAHRHEIT _ _________Seite j> liegt gerade darin, daß diese Sonderstellung allzu leicht zu einer Isolierung, zu einer Pariasstellung führt. Denn wir sind in allen Ländern nur eine kleine Minderheit. Isolieren können wir uns bald, wir haben es aber diann nicht mehr in der Hand, unserer Gemeinschaft im Staatsleben noch die Stellung zu sichern, die sich die Zionisten erträumen, dazu sind unsere eigenen Kräfte viel zu gering. Die Nationalitätsspielerei der Zionisten ist daher keine harmlose Sache. Die zionistischen Führer haben — viel zu spät — die Gefahren, die ihren» Bestrebungen in Palästina drohen, erkannt. Auf dem letzten Kongreß hat Weizmann die nationalen Forderungen weit zurückgesteckt und manche Illusionen zerstört. Heute sprechen nur noch einige radikale Oppositionelle von Militärforderungen oder Judenstaat. Ganz anders ist es aber in den Ländern der „Diaspora". Man hätte meinen sollen, daß das Streben, nichtzionistische Juden im Keren Hajessod und der Jewish Agency zur Palästinaarbeit heranzuziehen, die Zionisten veranlaßt hätte, die nationalistischen Bestrebungen außerhalb Palästinas zurückzustellen. Das Gegenteil ist der Fall! Um die Opposition, die aus der Mitarbeit von Nichtzionisten eine Verwässerung des nationalen Gedankens befürchtet, zu beruhigen, will raanden Nationalismusin denLändern der Diaspora immer radikaler gestalten. Hier besteht eine Gefahr, die die Stellung der Judenschaft in allen Ländern aufs schwerste bedroht. Genügt nicht das palästinensische Beispiel? Soll überall der Haß vertieft, die Isolierung verstärkt werden? Wer das Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unserer jüdischen Gemeinschaft in sich trägt, muß die Gefahren der jüdisch-nationalistischen Bestrebungen erkennen und diese Bestrebungen nicht nur ablehnen* sondern sich mit ihnen beschäftigen, um sie zu bekämpfen. Die Budapester Francf älschungen. Von N. N. Die Budapester Francfälschung e n haben in der ganzen Welt der Beteiligten, der politischen Zusammenhänge und ihres Umfanges wegen gewaltiges Aufsehen erregt Wir sind in der Lage, von besonderer Seite, die sich aus naheliegenden Gründen nicht nennen kann, die folgenden Mitteilungen zu veröffentlichen, die in deutlicher Zeichnung die großen politischen und internationalen Zusammenhänge der Angelegenheit würdigen. Die Bedeutung dieser Mitteilungen wird jedem unserer Leser sofort klar erkenntlich sein. So große Sensationen die Francfälschungsaffäre schon gebracht hat, ist man doch noch immer weit entfernt von ihrer restlosen Aufdeckung, denn die große Oeffentlichkeit kennt wohl die Namen von 25 Fälschern, die inneren Zusammenhänge des Skandals, die Organisation der Fälscher, ihre eigentlichen Ziele und ihre ausländischen Beziehungen werden aber noch streng geheimgehalten. Als die Untersuchungsbehörde an diesem Punkte rührte, kam sie mit der hohen Politik in Konflikt. Daß dem so ist, geht schon daraus hervor, daß in der Francfälschungsaffäre ausschließlich der Ministerpräsident, also das oberste politische Forum, der Polizei und der Staatsanwaltschaft Weisungen gibt. Die Francfälscher arbeiteten ein Jahr lang mit großem Apparat immilitärgeographischen Institut (das mit Rücksicht auf den Trianon-Vertrag jetzt kartographisches Institut heißt und budgetmäßig dem Finanzministerium untersteht). Von der Arbeit der Fälscher hatte General H a i t s, der Leiter des Instituts, Kenntnis, und als er in Pension ging, übergab er mit dem ganzen Institut auch die Fälscherwerkstätte seinem Nachfolger, dem Obersten Kurz. Die Fälscherarbeiten aber leitete Major Gero, der selbst das Papier aus der in Deutschland gekauften rohen Papiermasse herstellte und mit dem Wasserzeichen versah, die Klischees zeichnete und Tag und Nacht in der „Notendruckerei" anwesend war. Zur Durchführung der maschinellen Arbeiten wurde ein Teil des Personals des kartographischen Instituts kommandiert. Man kann also sagen, die Noten wurden von Amts wegen gemacht, wie man etwa Landkarten herstellte. Oberst J a n k o v i c s, der im Haag beim Wechseln falscher Noten ertappt wurde, war, da er in der Slowakei ansässig ist, bis vor kurzem tschechoslowakischer Staatsbürger. Ehe er die falschen Noten ins Ausland schaffte, wurde er — was sonst Monate in Anspruch nimmt — im kurzen Wege nach Ungarn repatriiert und in den Ruhestand der ungarischen Armee aufgenommen; er erhielt einen Kurierpaß, sein Gepäck mit den falschen Noten wurde amtlich als Kuriergepäck versiegelt (rtota bene: Kurierpost hat er überhaupt nicht mitgeführt). Die Falschmünzer wurden vom Feldbischof Zadravec, dem obersten Priester der ungarischen Militärgeistlichkeit, in Eid genommen und zum Schweigen verpflichtet. Finanziert aber wurde das Unternehmen von der staatlichenPostsparkasse. Und über dem Ganzen waltete die schützende Hand des obersten Hüters der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, des Landespolizeichefs Nädossy. Man flüstert noch von anderen hohen Staatswürdenträgem, die an der Sache beteiligt sein sollen. Schon aus dem, was bisher bekannt ist, geht deutlich hervor, daß den Fälschern ein nicht unwesentlicher Teil des Staatsapparates zur Verfügung gestanden hat. Diese Feststellung erfordert scheinbar den logischen Schluß, daß es sich also um eine Regierungsaktion handle. Dieser Schluß würde vielleicht anderwärts zutreffen, in Ungarn nicht. In Ungarn steht der Staatsapparat nämlich nicht unbedingt und nicht ausschließlich der offiziellen Regierung zur Verfügung. Aus einer Reihe von Parlamentsdebatten ist bekannt, daß es in Ungarn einen Geheimbund gibt, dem viele Staatsbeamte — bis hinauf in ganz hohe Positionen — und sogar Richter angehören, und daß die Mitglieder dieses Bundes — er nennt sich Blutbund Doppelkreuz — einen Eid leisten, der jeden früher geleisteten Eid — also auch den Diensteid — entkräftet und sie zum unbedingten Gehorsam den Bundesoberen gegenüber verpflichtet. Wer den Eid bricht, verfällt dem Femegericht

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