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Die Wahrheit · 1926-01-29 · Heft 5 (29.1.1926) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 5 diese bösen Folgen eingetreten waren, urteilte selbst die „Jüdische Rundschau" (1925 Nr. 21): „Es war zu erwarten, daß die lärmenden Vorbereitungen zur Eröffnung der jüdischen Universität in Palästina die arabischen Mitbürger in Aufregung versetzen würden. Wenn man heute übersieht, was in den letzten Monaten für ein Lärm und — sit venia verbo — für eine Reklame um die Eröffnung deT Universität auf dem Skopus sich erhoben hat, so fragt man sich, ob das notwendig so hat sein müssen. Es ist sicher nichts dagegen einzuwenden, daß man der Eröffnung dieses Instituts, .... einen feierlichen, würdigen Charakter zu verleihen sucht .... Aber es ist unverständlich und es war vor allem unnötig, der . Sache eine demonstrative und damit ungewollt und unbewußt fast provokatorische Form zu geben. Wir hatten genug Gelegenheit, zu erfahren und zu * lernen, wie eine solche Aufmachung auf das arabische Lager wirken muß .... Die ganze Aufregung wäre zu vermeiden gewesen, sie ist unnötig." Ich habe die Entstehung des Judenhasses bei den Arabern so ausführlich beschrieben, weil es sich hier um eine leicht übersehbare Entwicklung von wenigen Jahren handelt. Die unkomplizerten sozialen und politischen Verhältnisse Palästinas lassen in deutlicher Weise die psychologischen Ursachen der plötzlich auftauchendenFeinschaft der Araber erkennen. Gewiß, neben dem jüdischen Nationalismus haben auch andere, besonders gegen England gerichtete Strömungen mitgewirkt, deren Quellen wohl in Paris und Moskau liegen dürften. Jedoch lassen alle Tatsachen keinen Zweife 1 darüber und die zionistischen Zeugnisse bestätigen es, daß der rasche Gesinnungsumschwung, der in wenigen JahrendieAraberausFreundenzuden erbittertsten Feinden der jüdischen Kolonisation gemacht hat, erst einsetzte, als die zionistische Arbeit in Palästina begann, und daß er in der Hauptsache nur eine Reaktion auf die chauvinistische Politik der Zionisten ist. Die Ursachen des modernen Judenhasses in den europäischen Ländern lassen sich natürlich nicht auf eine so einfache Formel bringen. Hier hat Judenhaß seit jeher bestanden, einmal stärker, einmal schwächer. Der jüdische Nationalismus war nicht die ursprüngliche Ursache, sondern — was ich schon einleitend bemerkte — viel eher die Folge des Antisemitismus. Auch muß beachtet werden, daß der jüdische Nationalismus keineswegs überall gleiche Formen zeigt. In Palästina steigert er sich bis zur Forderung des Judenstaates und eigener Militärmacht, im europäischen Osten verlangt er wenigstens verfassungsrechtliche Anerkennung der jüdischen Nationalität mit eigenen autonomen Rechten, in Mittel- und Westeuropa wird als Mindestforderung die kulturelle Autonomie verlangt. Grundsätzlich ändert dies aber wenig. Denn überall fordert der Zionismus den WeltkongreßalsdiepolitischeVertretung der über alle Landes- und Staatsgrenzenhinweg einheitlichen- Nation. Und überall will der jüdische Nationalismus sich in einen Qegensatz stellen zur nichtjüdischen Bevölkerung, indem er die Eigenart im Uebermaß betont, die Besonderheiten, das Trennende fördert und eine Sonderstellung der Gesamtj u d e n s c h a f t erstrebt. In diesem Streben trifft der jüdische Nationalismus mit den Forderungen der antisemitischen Nationalisten zusammen. Auch diese betonen die Besonderheiten und das Trennende und verlangen unter diesem Vorwand1 eine Sonderstellung der Juden, Die Ideologie des jüdischen und des antisemitischen Nationalismus hatdiegleichenAusgangspunkte. Beide erblicken als Grundlage des Nationalen die Rassenabstammung; weil Juden und Nichtjuden verschiedener Rasse seien, könnten sie nicht Volksgenossen sein. Daher könnte genau so gut im „Völkischen Beobachter" gestanden haben, was z. B. einmal in einem Leitartikel der „Jüdischen Rundschau'1 stand: „Was wir unter national verstehen, ist die geburtsmäßige Stammeszugehörigkeit .... Nationalität ist keine Sache der freien Wahl, sie ist das unveränderliche Faktum der Geburt. Geborene Juden (aus jüdischem Stamm geborene) können nur jüdischnational sein. Deutscher Nation, d. h. deutschen Stammes, sind wir nicht und können es nicht sein. Deutscher und jüdischer Nation — was manche sein möchten — sind sehr wenige: nämlich Kinder aus Mischehen zwischen Deutschen und Juden." Es ist kein Zufall, wenn antisemitische Schriftsteller sich immer und immer wieder auf derartige zionistische Zeugnisse berufen können. Sehr bedenklich wird diese Gegenwirkung aber, sobald politische Folgerungen gezogen werden. Wie gerne greifen die Antisemiten) die zionistische Phrase auf, wir seien nur Gäste im deutschen W i r t s v o 1 k, um daraus die Folgerung zu ziehen, daß wir als Fremde behandelt, also unter Fremdenrecht gestellt werden müßten. Die zionistische Forderung nach eigener nationaler Autonomie wird1 von den Antisemiten in Rumänien, Ungarn und Oesterreich beispielsweise mit der Forderung beantwortet, daß auch die Universitäten nach nationalistischen Grundsätzen verwaltet, daß Numerus clausus und Prozentuaren eingeführt werden müssen, die sich dann allerdings nur gegen d i e J u d e n r i c h t4e n. Noch vor kurzem hat der Deutsche Akademikertag in Elberfeld jüdisch-nationale Forderungen zum Anlaß folgenden Beschlusses gemacht: Auf Grund der Tatsache, daß die Juden ein eigenes Volk bilden, das über die ganze Welt zerstreut, doch die Weltverbindung unter sich, sogar mit eigener politischer Spitze, durch den jüdischen Staat in Palästina, unterhält, ist die deutsche Staatsleitung aufzufordern, unverzüglich die Juden als nationale Minderheit im deutschen Reich zu erklären und die sich daraus regelnde Rechtsstellung zu schaffen." Gewiß, diese Konsequenzen haben die Zionisten wohl nicht gewollt. Aber in der praktischen Politik macht die Entwicklung einer Idee nicht immer dort Halt, wo der Urheber es wünscht. Der Politiker muß daher gewillt sein, auch sämtliche Konsequenzen zu akzeptieren* die aus dem ersten Schritt folgen. Die außerordentliche Gefahr des zionistischen Strebens nach einer Sonderstellung der Judenschaft

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