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Die Wahrheit · 1926-01-22 · Heft 4 (22.1.1926) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Wahrheiten vom Tage Unbestechlich. Wie ein erratischer Felsblock in der Wüste, wie ein einsames Riff mitten im brausenden, wogenden und schäumenden Meere, so ragt ein Name empor aus dem ungarischen Chaos: Dr. Wilhelm Väzsonyi. Wie ein heller Stern sein klares, reines Licht über dem finsteren Nachthimmel ausstrahlt, so erleuchtet der helle Glanz seiner Persönlichkeit die Finsternis der Reaktion, des Rassen- und Re« ligionshasses. die Nacht der Korruption und politischen Verwilderung, die jetzt im ungarischen Lande wahre Orgien feiert. Auf ihn setzen daher alle demokratischen und. freiheitlichen Ungarn, alle, denen die Schmach und Schande ihres Vaterlandes tief zu Herzen geht, ihre Hoffnungen; besitzt er doch neben vielen anderen guten Eigenschaften vor allem eine, die für jeden Politiker vielleicht die wichtigste ist: Unbestechlichkeit. Dieses Zeugnis wird ihm von einem Mann ausgestellt, der, was Bestechungen betrifft die denkbar größte Erfahrung besitzt, einem Manne, der sowohl in der gebenden als auch in der nehmenden Form als ein Meister im Bestechungswesen bezeichnet werden muß. Wofern das Lob, das von diesem so erfahrenen Manne Dr. Väzsonyi gespendet wird, überhaupt ein Lob sein kann, wiegt es um so höher, als es das Ergebnis einer ganzen Reihe mißglückter diesbezüglicher Versuche sein dürfte. Denn derjenige, der die Unbe* stechlichkeit Väzsonyis pries, ist kein Geringerer als der edle Prinz derer von und zu Windischgrätz, dessen Name jetzt in aller Munde ist Windischgrätz war einstmals ein Freund Väzsonyis, zu einer Zeit nämlich, als er noch nicht den rassenschützenden Antisemiten mit Haut und Haar verfallen war. Damals nahm er auch, wie er in seinen Memoiren „Vom roten zum schwarzen Prinzen" erzählt, die Hüfe Väzsonyis in Anspruch, um General Auffenberg, der gleichfalls ein Freund Windischgrätz war, aus den Klauen der Müitärjustiz zu retten. Auffenberg hatte sich nämlich der verhängnisvollen Führung des Krieges durch das Armeeoberkommando widersetzt, er sagte bereits damals — im Jahre 19151 — daß wir, wenn das so weitergeht den Krieg verlieren müßten. Er wurde abgesägt, des Verrates von Staatsgeheimnissen beschuldigt, in den Kerker geworfen und vor ein Kriegsgericht gestellt. Und nun schreibt Windiscfigrätz in obgenanntem Werke wörtlich folgendes: „Da fuhr ich nach Budapest und suchte meinen Freund Väzsonyi auf. Dr. Wilhelm Väzsonyi ist Budapester Advokat und Abgeordneter; der hervorragendste Rechtsanwalt Ungarns. Er hatte sich seinerzeit die Sporen errungen, als er im Gemeinderat einen erbitterten, unnachsichtigen Kampf gegen jegliche Korruption führte. Er. selbst ist absolut nicht zu bestechen, auch nicht durch Liebenswürdigkeit. Ein faszinierender Redner, dessen Temperament alle Zuhörer und ihn selbst mitreißt. Er ist klein, dick, hat eine Knollennase und wasserblaue intelligente Augen; prononciert jüdischer Typus; von souveräner Ungeniertheit die die Hochtories des Budapester Nationalkasinos nicht immer salonfähig nennen, aber an innerer Noblesse übertrifft er sicherlich die Adeligsten unter uns. Er ist vielleicht der gescheiteste Mensch, den Ungarn derzeit besitzt, und der ehrlichste Demokrat Diesem Mann übergab ich die Akten Auffenbergs. Er hielt im Abgeordnetenhaus eine aufsehenerregende Rede. Er deckte das ganze Komplott auf und — Auffenberg, der Sieger von Komarow. wurde freigesprochen." So bezeichnend auch der Vorfall, von dem übrigens damals außer den wenigen Eingeweihten kein Oesterreicher ein Sterbenswörtchen erfahren hatte, für das frühere Regime sein mag, uns interessiert vor allem die Charakterisierung Väzsonyis durch Windischgrätz. Wenn dieser behauptet, daß „Väzsonyi an innerer Noblesse die Adeligsten des Nationalkasinos übertrifft", so ist dies allerdings keine so hohe Auszeichnung, da wir ja besonders in jüngster Zeit zu beobachten Gelegenheit hatten, daß Geburtsadel und Seelenadel nicht inrmer miteinander verbunden sind und daß 'einer, mag er noch so hoch ■geboren sein, nicht davor gefeit ist noch so tief zu fallen. Uns gilt es als eine viel, viel höhere Auszeichnung, wenn Windischgrätz von Väzsonyi behauptet daß er der „ehrlichste Demokrat" ist. Jawohl, das ist Väzsonyi, ein Demokrat vom Scheitel bis zur Sohle, ein offener und ehrlicher Charakter, der, mag es auch Herr Ing. Stricker nicht wahr haben wollen, sein Judentum nie und nimmer verleugnet hat und mutig und unter Einsatz seines Lebens für seine verfolgten Glaubensbrüder eingetreten ist Unkorrumpierbar in einem Land, in welchem die Korruption bis an die höchsten Stellen emporreicht unbestechlich in einer Zeit der größten politischen Verlotterung, wartet Väzsonyi auf die Stunde, in der ihn das Volk ruft damit er 'es aus dem Sumpfe herausführe. Dann aber wird er gleich unserem Lehrer Moses sprechen: „Hineni" — „Hier bin ich". Nationalseife. Das ist nicht wie man glauben könnte, ein deutschnationales Produkt, wie etwa die „Zigarettenhülsen mit dem Hakenkreuz", sondern hier handelt es sich um einen jüdischnationalen Gebrauchsgegenstand. Es ist die echte jüdische „Nationalseife mit dem Ziönsstern", zu deren Verwendung die Zionisten in ihrem Parteiblatt aufgefordert werden. Dortselbst befindet sich nämlich eine auffallende Annonce, in der es allen überzeugten Zionisten wärmstens ans Herz gelegt wird, ausschließlich die .neue Nationalseife zu benützen. Ob wohl diese Annonce in jüdischnationalen Kreisen beherzigt werden wird und die 'Jüdischnationalen reichlichen und ausgebreiteten Gebrauch von dieser Seife machen werden? Der Papst und die Bekehrung von Juden. Der Sekretär der „Israelsgilde", einer auf Seelenanfang unter den Juden berechneten Organisation von Missionären veröffentlicht in der katholischen Presse eine Mitteilung, wonach der Papst dem Segensspruch am Ausgang des „heiligen Jahres" (31. Dez.) den folgenden Anhang zugefügt habe: „Wirf, o Herr, einen mitleidsvollen Blick auf die Nachkommen desjenigen Volkes, das einst dein auserwähltes war!" Die jüdischen Katholiken werden aufgefordert dem Papst für diese ihnen erwiesene große Gunst Danktelegramme nach Rom zu schicken. In diesem Zusammenhang sei auch noch eine Meldung des Jerusalemer arabischen Blattes „Jarmuk" erwähnt wonach die christlichen Missionsgesellschaften beschlossen hätten,8 Palästina im laufenden Jahr mit offenen und verkappten Missionären zu überschwemmen. Es sollen hunderte Missionäre ins Land kommen. Diese Nachrichten sind bisher unbestätigt, nicht einmal die „Reichspost" nahm noch von ihnen Notiz. Eine Denkschrift kommt vom Denken her. So sollte man meinen. Daß dies nicht immer der Fall ist, zeigt eine Denkschrift, deren Verfasiser Wilhem der Zweite ist und in der sich der Halbgott in Pension gegen das Judentum und vor allem gegen den „jüdischen Gott Jave" wendet. Exkaiser Wilhelm kann es noch immer nicht verschmerzen, daß er nicht mehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht, daß seine Reden und Gesten nicht mehr jenen gewaltigen Eindruck auf Freund und Feind machen wie einst. Darum macht sich der noch immer von persönlicher Eitelkeit ganz und gar .erfüllte ehemalige Selbstherrscher von Zeit zu Zeit bemerkbar, sei es, daß er sich filmen läßt und so durch den Glanz seiner äußeren Erscheinung (Hurra! Hurra! Hurra!) wirken möchte, sei es, daß er durch die Tiefe seines Geistes Eindruck machen will. Im letzten Falle verfaßt er einfach 'eine Denkschrift, in der er längst wiederlegte Unrichtigkeiten wieder aufwärmt und durch eigene „Gedanken" vermehrt Die erwähnte Denkschrift wurde in der rechtsstehenden „Weltrundschau" veröffentlicht und beschäftigt sich mit der Neugestaltung des Glaubenslebens. Wir wollen unseren Lesern eine Kostprobe hiervon nicht vorenthalten und veröffentlichen eine Stelle, die sich mit dem Judentum beschäftigt: „Es wird jetzt viel geschrieben und gestritten über die Quellen des Urchristentums; über die Rolle des Judentums in unserer Religion . . . Auch des Herrn Person wird in den Streit gezogen. Die einen weisen nach, er sei unzweifelhaft ein Semit, müsse es sein. Die anderen verweisen, er könne kein Semit gewesen sein, sondern ein Arier . . . Ich für meinen Teil denke etwa wie folgt: Vor allem muß gründlich gebrochen werden mit dem Glauben, der Jave der Juden sei unser Herrgott. Das ist der Grundfehler, daß Luther ihn mit „Herr" übersetzte, statt einfach Jave zu lassen . . . Als die Juden durch die Gefangenschaft nach Babylon kamen, da haben sie als Monotheisten ein Greuel an dem dort blühenden Götzendienst gefunden. Eine große Freude (!) mußte es ihnen sein, als sie mit den Persern bekannt wurden und von diesen die monotheistischen (!) Lehren Zarathustras erfuhren . . . Das faßte Jesaias auf und schuf nunmehr den alten, streng jüdischen Spezial- und Lokal-Gott (!) mit all seinen rein jüdischen Eigenschaften des Zornes, Rachsucht usw., den alten Jave um in ein Gebilde, nach dem des Zarathustra diesen Gottvater Jave nennend. Aber der wichtigste Grundsatz in der Lehre des Zarathustra . . . war der Glaube an das Kommen des Heilands — oder der Heilande. Des Sohnes der Jungfrau . . . Darum sind, die Juden nicht unsere Religionsvorläufer, sondern Zoroaster mit den Persern, also Arier!"

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