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Die Wahrheit · 1926-01-22 · Heft 4 (22.1.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 DIE WAHRHEIT Seite 3 er besaß vor Gericht die gleichen Rechte mit den übrigen Bewohnern des Landes und in ihren eigenen Angelegenheiten durften sie sich selbst ihre Vorsteher wählen. Aus dem Freibrief .ist auch ersichtlich, daß damals bereits mehrere jüdische Gemeinden im Lande bestanden. Dieser Freibrief B61as wurde bis nach der Mohäcser Katastrophe in Geltung belassen und äußerte insbesondere seine wohltätige Wirkung um die Mitte des 14. Jahrhunderts, als nach der in ganz Europa wütenden Epidemie, der sogenannten schwarzen Pest (1348), die Juden vieler Länder unter der Beschuldigung der Brunnenvergiftung unschuldig hingemordet wurden, welches barbarische Vorsehen in Ungarn keine! Nachahmung fand. Hier fanden sogar die aus anderen Ländern geflüchteten Juden eine Zufluchtsstätte und trugen zur Vermehrung der jüdischen Bevölkerung im Lande bei. Allerdings währte dieser erträgliche Zustand nur kurze Zeit, denn schon im Jahre 1354 forderte der ungarische König Ludwig der Große von den Juden entweder den Uebertritt zum Christentum oder ihre Auswanderung aus dem Lande. Und wenh auch diese Verordnung nicht strenge durchgeführt wurde, weil zahlreiche Bannerherren und Adelige den Juden gegenüber finanzielle Verpflichtungen hatten und diese daher in Schutz nahmen, so mußten doch viele Juden daraufhin das Land verlassen und wandten sich zum großen Teile auch nach Wien. Als im Jahre 1421 in dieser Stadt eine blutige Judenvertreibung stattfand, die „Wiener Geserah", wandten sich wiederum viele Wiener Juden, zum Teile Nachkommen der seinerzeit aus Ungarn vertriebenen Juden, nach ihrer alten Heimat, insbesondere nach Preßburg und Oedenburg, wo sie unter dem den Juden wohlgesinnten und vielleicht auch klug berechnenden König Sigismund aus dem böhmischen Herrsoherhause der Luxemburger Wohnstätten und Schutz fanden. Schlimme Zeiten brachen für die ungarischen Juden eigentlich erst heran, als nach dem Tode des jungendlichen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohäcs und der nunmehr folgenden Thronbesteigung der Habsburger der Freibrief König Belas seine Geltung verlor und die Juden, welche vielfach des Einvernehmens mit den Türken geziehen wurden, nur mehr als geduldetes Volk betrachtet und behandelt wurden. Immerhin war die rechtliche Stellung der Juden in Ungarn eine bessere als in den österreichischen Ländern. Als im Jahre 1670 Kaiser Leopold I. die Vertreibung der Juden aus Wien verfügte, insbesondere aus dem ihnen dortselbst von Kaiser Ferdinand II. zugewiesenen Stadtteile, welcher seither nach ihm Leopoldstadt heißt, wandte sich ein Teil der Emigranten nach Ungarn, speziell nach den „sieben Gemeinden" des jetzigen Burgenlandes. Aber auch aus den bömischen Ländern erfolgten Zuwanderungen jüdischer Bevölkerung nach Ungarn» hauptsächnioht mehr sieht, keine Rücksicht auf den Nächsten nimmt. Man sieht sozusagen nur sich selbst Wer sitzen will, setzt sich, wer stehen will, steht auf. Jeder sucht seinen Vorteil, seine Stellung, seine Bequemlichkeit, ohne Rücksicht auf den Nachbar. Dem Zustand folgt notwendig der zweite. Zum Schlüsse kann sich keiner mehr rühren, für keinen ist Platz, für niemand Bewegungsfreiheit. Alles stößt sich an allen Ecken. Das Leben ist zur Hölle, zur Qual für alle ohne Unterschied geworden. „Die ägyptische Finsternis," so sagen unsere Alten weiter, „brachte Gott über Pharao und Aegypten, weil vor Gott kein Unterschied von Person und Ansehen besteht." Die Gerechtigkeit trägt eine Binde vor den Augen, damit sie auch keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch mache. Aber sie darf nicht wie ein Blinder herumtappen, ohne den rechten Weg zu wissen und zu finden. Gott sieht und wird nicht gesehen. König und Richter dürfen keinen Unterschied machen zwischen Menschen und Menschen, wenn es sich um Rechte und Pflichten handelt, sonst wird das Auge des Gesetzes hinter seiner Binde nicht sehend bleiben, sondern ägyptische Finsternis wird alle Augen dunkel machen. Pharao hat ein ganzes Volk zu Sklaven gemacht, hat nicht die Arbeit, nur Fron und Knechtung gekannt. Wer die Menschen zu Sklaven macht und ihnen keine Lichtblicke gönnt, darf sich nicht wundern, wenn ägyptische Finsternis über sein Land kommt. Aber immer würd es so kommen, wie es in der Schrift heißt: „Allen Kindern Israel war Licht in ihren Wohnsitzen," daß das Geschenk des Lichtes denen zuteil wird, denen1 es finstere Pharaonen vorenthalten haben, während ihre Strafe eine Finsternis aus der Hölle ist, der die zehnte Plage, das Sterben folgt. Die anderen das Licht verwehren, enden schließlich selber in Finsternis! K. PCSSüCn Kaffee-Zusatz in braunen Sdiadileln laut Attest Sr. Ehrwüiden des Herrn Ober- Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau "TOS *W3 werlllOlldi kosdtei auch heuer wieder in garantiert reiner und austflcbltfer anollllll zu haben bei nelnridt franch Söhne in KoSice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehern, so daß sämtliche Erzeugnisse fertäßlkh hosdier sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe im eigenen Interesse recht genau die braune rarfte der Schachtel die Schatimarke KAFFEEPlCnir und die Unterschrift Heinrich FDANCK Söhne lieh na^h der Slowakei, weil dort die Juden nicht jener Beschränkung bezüglich ihrer Höchstzahl und bezüglich der zulässigen Eheschließungen ausgesetzt waren wie in Böhmen, Mähren und Schlesien, wo immer nur der älteste Sohn eine staatlich gültige Ehe eingehen durfte (Hofdekret des Kaiser Karl IV. vom 24. Oktober 1726). Infolgedessen wanderte die „überschüssige" jüdische Bevölkerung meist nach der Slowakei aus, insbesondere in die ehemaligen Komitate Preßburg, Neutra und Trentschin und trug dort zur Vermehrung der noch heute verhältnismäßig zahlreichen jüdischen Bevölkerung bei. Der Beginn der geistigen und politischen Befreiung der Juden erfolgte erst im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, als nach den freiheitlichen Deklarationen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auch auf dem europäischen Festlande liberalere Auffassungen Platz griffen. Insbesondere war es Kaiser Josef IL, welcher als erster mitteleuropäischer Monarch im Juden den Menschen erblickte und seinen jüdischen Untertanen die im Toleranzedikte vom 13. Februar 1782 festgesetzten Rechte einräumte. Allerdings kamen die freisinnigen Grundsätze dieses Herrschers nach seinem allzu früh erfolgten Ableben nur langsam zur Geltung und es bedurfte erst einer neuerlichen Freiheitswelle, welche die Revolution des Jahres 1848 über Europa brachte, um auch in Ungarn, ebenso wie in den österreichischen Ländern, die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz und die Beseitigung der für die Juden bestehenden Beschränkungen zu statuieren. Aber auch diese Erfolge waren nur von kurzer Dauer; mit der Niederwerfung der revolutionären Bewegung erfolgte wieder eine Reaktion, allerdings war diese nicht mehr in jeder Weise durchführbar, daß sie sämtliche freiheitliche Errungenschaften über den Haufen hätte werfen können. Erst die Niederlagen Oesterreichs auf den itahenschen und böhmischen Schlachtfeldern sowie der denselben folgende Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn brachte den jüdischen Bewohnern des wiedererrichteten ungarischen Königreiches die gesetzmäßige Gleichberechtigung in bürgerlichen und politischen Rechten. Und trotzdem die Juden Ungarns es nachher zu den höchsten Stellungen im politischen und wirtschaftlichen Leben des Landes gebracht hatten und trotzdem sie selbst in hohem

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