Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 DIE WATOHEIT Seite 11 Von Woche zu Woche Trauung. Sonntag, den 10. Jänner, um Kl Uhr mittags, fand im großen Leopoldstädter Tempel däe Trauung des anmutig schönen Fräulein" Pauly Landesberger, Tochter dies Herrn Kommerzialrates Alfred Landesberger und seiner Gattin Mima, geb. Luftig, mit Herrn Dr. Paul Geiger, Sohn des Ehepaares Wilhelm und Mina Geiger, geb. Blau, statt. Zu dem feierlichen Akte hatte sich eine ebenso illustre als zahlreiche Gesellschaft aus den besten jüdischen Kreisen eingefunden, die für die Beliebtheit, der sich beide Familien im hohen Grade allgemein erfreuen, Zeugnis gab. Demgemäß gestaltete sich die Trauung zu einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges und konnte das festlich beleuchtete und mit Blumen reich geschmückte Gotteshaus, für dessen Wiederaufbau die Eltem der Braut Hervorragendes geierstet haben, trotz seiner Größe die zahlreichen Anwesenden kaum fassen. Es waren erschienen: In Vertretung der Kultusgemeinde Präsident Prof. Dr. Alois Pick, Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n, sowie die Vorstandsmitglieder Dr. E. Bader, D. D o h a n, Direktor S. E p 1 e r, Dr. D. Friedmann, Bezirksrat Edm. Hofmann, Baurat W. Kempler, Dr. I. KI a b e r, Kommerzialrat Max Markus, S. Meister, Gustav Moritz, Regierungsrat Dr. H. Oppenheim, Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Josef Tic ho; für den Bethausvorstand: Präsident A. B e c k, Vizepräsident Dr. E. Münz, Bezirksrat Julius Berger, S. Ernst, Direktor I. Halber, Direktor A. -L ö f k o v M s , U S p i t z m> a m ni. Ernst Vogel, Medizinalrat Dr. J. Weiß und L. Winter; für die Ghewra Kadischa Hof rat K o b 1 e r, S. Grüner, Eduard H e r 1 i n g e r, Friedr. Wechsler. Eine Vertretung der Verwaltungsbeamten der israelitischen Kultusgemeinde mit Amtsdirektor G.Fuchsgelb an der Spitze. Der Gesamtvorstand des „Vereines der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels" unter Führung der Vizepräsidenten 0. T o n e 11 o, Redakteur L. Hirschfeld und des Schriftführers Dr. H. T h a 1 e r sowie der Kassiere W. Herzka und 0. Oblatt; für den Verein „Wohlfahrt" die Herren Bezirksrat S.Weiner, M. Oesterreicher, I. Müller und S. Kornmehl. Der Gesamtvorstand des Vereines „Nächstenliebe" mit Ehrenpräsidenten M. Rosenblatt und Obmann A. Reich an der Spitze; für die Bezirkskommission XII bis XV Obmann Arthur A1 b e r s, Rektor Prof. Dr. Schwarz, Prof. Dr. S. Kraus. Sekr. L ö w e; für den Tempelverein „Aeschel Awrohom, Vizepräsident I. Schönherz und die Vorstandsmitglieder Franz Engel, S. Leenmann, Albert Körner. S. Wachsmann und S. Wechsler, für den Brigittenauer Tempelverein I. Freund, der Vorstand des humanitären Vereines .JVlontefiore" mit Ehrenpräsidenten Paul Schwarzstein an dler Spitze, für den Verein,, Kurfürsorge" Obmann Dr. I. Braun und Michael S t e i s s e I, «ine Deputation des österreichischen Kantorenverbandes unter Führung des Präsidenten Oberkantor I. Löwit, für den Verein .Jiinheit" Herr Max Hofbauer, für den Bund jüdischer Eltern im II. Bezirk Obmann Dir. Gustav K o 1 m i n, für den Hietzinger Tempelverein Präsident H. K u n e r, des weiteren erschienen Deputationen der verschiedenen jüdischen Wohlfahrtsanstalten, die in Kommerzialrat Alfred Landesberger den wärmsten Freund ihrer Bestrebungen schätzen, ferner sah man die Herren Baron Otto G u 11mann, Präs. Arthur Kola, die Schriftsteller Siegfried Trebitsch und Hans Müller, Regierungsrat Lothar Müller, Leopold S a t o r i, Kammersänger Adolf Piccaver, Opernsänger Ernst Fischer. Die meisten Festgäste waren in Begleitung ihrer Frauen erschienen und so boten auch die Reihen, in denen die den besten jüdischen Kreisen angehörenden Damen Platz genommen hatten, ein erlesenes Bild. Man sah unter anderen Frau Prof. Pick, die Gattin des Präsidenten der Kultusgemeinde, sowie Frau Hofrätin Oser, die Witwe des bekannten Hochschullehrers. Frau Dr. M ü n z, Frau Bezirksrat S. Berger. Frau S. Pessl. Frau Bethausvorsteher Ernst, Frau Dr. M. Grunwald, die in Begleitung der Damen Stephanie Schein, Selma Klaar und Henriette Schwarz für den Vorstand des Leopoldstädter jüdischen Frauenvereines erschienen war; für den Frauenjubiläumsverein erschienen die beiden Präsidentinnen Glenbelr und Wie'-jmwufm sowie dfe Damen Steiner und Nathansohn; Frau Johann Strauß und Tochter, Emma Grünfeld, die Malerin Olga Tauber, Redaktrice Elsa Tauber, Frau Generaldirektor J o 11 e s s Frau Pscherhofer. Unter den Klängen des Harmoniums, welches von Herrn Fuchs?:elb meisterhaft srespielt wurde, und begleitet von den herrlichen Weisem, die Professor Zimbl er auf der Geige, Prof. Payr auf der Harfe und Herr Theo Salzmann auf dem Cello erklingen ließen, hielten das bräutliche Paar und zirka zwarazlg Kramzelpaare ihrem feierliche!» Entzug zu dem herrlich dekorierten Altar. Nach einem eindrucksvollen Instrumentalvortrag mit Harmoniumhegleitung sang der verstärkte Tempelchor unter Leitung des Chordirigenten Rudolf Hei mann einen wundervollen Choral. Oberkantor Heinrich Fischer brachte, unterstützt vom Chor, das „Ma Tauwu" in einer Weise zum Vortrag, daß er sich selbst übertraf. Sodann erfolgte die eigentliche Zeremonie der Trauung, die von Rabbiner Dr. M. Grunwald und Oberkaritor Fischer in äußerst feierlicher Form durchgeführt wurde. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Grunwald an das neuvermählte Paar eine aus tiefem Herzen kommende Ansprache, in der er zunächst den Bräutigam an die heiligen Pflichten erinnerte, die der Herr eines jüdischen Hauses zu erfüllen habe und für deren vorbildliche Erfüllung ihm das eigene Elternhaus ein mustergültiges Beispiel biete. Indem er sich nun der Braut zuwandte, sagte Dr. Grunwald in sichtlich innerer Erregung: „Ich finde nicht die Worte, um zu sagen, was mich in dieser Stunde bewegt Wenn unsere Weisen sagten: „Wo Menschen schweigen müssen, da werden Steine reden", hier ist es zur Wahrheit geworden. Was Ihre Eltern sind, liebe Braut, das sagen diese Steine, davon erzählt dieses Gotteshaus, mit welchem der Name Ihrer Eltern unauslöschlich verbunden ist. Nur einer kann ihnen danken für das, was sie geleistet haben, und das ist unser aller Vater. Möge Er Seine Vaterhand schützend breiten auch über dieses junge Paar und über den Bund, der jetzt in Seinem Namen geschlossen wurde." Dr. Grunwald beendete seine ergreifende Rede mit dem Priestersegen, den er den Neuvermählten spendete und mit den Worten: „Friede im Hause und Friede im Herzen!" Die ganze Festgemeinde aber sagte hierzu „Amen!" Unter dem Klange des Harmoniums zogen nun das Brautpaai und die Festgäste in feierlichem Zuge aus dem Tempel. ~ Nachmittags fand im Hotel Imperial eine festliche Gratulation statt, bei welchen die Verwandten und nächsten Freunde des jungen Paares und beider Eltern erschienen waren. Hierbei hielten Rabbiner Dr. Bach und Prof. Nasch6 geistvolle Reden. Tausende Telegramme überbrachten die Glückwünsche der vielen Freunde und Verehrer aus nah und fern, darunter ein eigeiiihändiges Gratulationsschreiben des Bürgermeister S e 11 z, sowie von Gräfin Kinsky-Wil cz ek, Baronin Plener, Hof rat Dr. Po Hak vom Polizeipräsidium, Schriftsteller Jak' Bauer, Direktor Hubert Marischkai. Frau Kopäcsl und sämtlichen Rabbinern Wiens. Für das Arrangement der wirklich schönen Hochzeitsfeier gebührt Herrn Tempelverwalter Max Schwager besonderes Lob. Chewra Kadischa der Bezirke XII bis XV. Sonntag, den 10. d. M. fand im Jüdischen Vereinsheim, XV., Herklotzgasse 21, die feierliche Aufnahme von 43 Mitgliedern statt, welche schöne Feier ein erfreuliches Bild von dem Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Glaubensbrüder in diesen Bezirken gab. Unter den Festgästen fanden sich ein: Rabbiner Dr. David Feuchtwang in Vertretung des durch einen Trauerfall in seiner Familie am Erscheinen verhinderten Bezirksrabbiners Dr. I. T a g 1 i c h t, Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Jakob O r n s t e i n mit Rechnungsdirektor Josef Peterselka und Sekretär Heinrich H o 1 z e r, der Obmann der Bezirkskommission für die Bezirke XII bis XV Arthur A1 b e r s, der Obmann des Bethausvorstandes Fünfhaus S. Bernhard, die Vertreter der Vereine Xhesed Schel Emes", „Emunas Aves" und „Gemiluth Chesed". in Vertretung des Österreich. Kantorenverbandes die Oberkantoren Heinrich Fischer, Gerson M a rgulies, S. Postolow und I. Schleifer sowie Kantor I. Hirsch, ferner sah man die Redakteure A b e 1 e s und Hirschfeld, Prof. N a s c h 6 und den Gesamtvorstand der Chewra Kadischa mit Herrn Präsidenten Oskar Goldschmied an der Spitze. Dieser begrüßte die Anwesenden im warmen. Worten, legte die heilige Mission hn Dienste des Judentums dar. welche die Chewra Kadischa zu erfüllen habe, und nahm den neu eintretenden Herren durch Handschlag das Gelöbnis der Brudertreue ab. Hierauf brachten die anwesenden Kantoren einen der Bedeutung der feierlichen Stunde entsprechenden Psalm in meisterhafter Form zum Vortrag. Rabb. Dr. Feuchtwang schilderte in geistvoller Weise Werden und Wirken der Chewra Kadischas in Wien und erwähnte hierbei die interessante Tatsache, daß die erste Wiener Chewra Kadischa im Jahre 1673 von jüdischen Jünglingen gegründet wurde, und zwar von solchen, die später, wie Oppenheim, Wertheimer u. a. im jüdischen Leben der nachfolgenden Zeit eine hervorragende Rolle spielen sollten. Dr. Feuchtwang schilderte dann das Wirken dieser Männer hn Dienste der Wiener Judengemeinde und bedauerte es, daß ihre Nachkomkommen sich vom Glauben ihrer Väter losgesagt haben. Diese Bemerkung verarilaßte Herrn Präs.. Dr. Jakob Ornstein im Rahmen einer ausgezeichneten und mit großem Beifall aufgenommenen Rede die hocherfreuliche Tatsache festzustellen, daß ein direkter Nachkomme gerade jenes Oppenheim, den