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Die Wahrheit · 1926-01-15 · Heft 3 (15.1.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT -Nr. 3 Dr. Feuchtwang erwähnt hatte, nämlich Regierungsrat Dr. Hermann 0 pp e n h e i m, als Finanzrat des jetzigen Kultusvorstandes sein großes Wissen und Können im Dienste der Wiener Judenschaft betätigt und somit den Traditionen seiner Familie treu geblieben ist. Sodann brachte Oberkantor Fischer einen in klassischem Hebräisch gehaltenen Segensspruch zum Vortrag, der bei allen Anwesenden helle Begeisterung auslöste. Der Obmann der Bezirkskommission Arthur A1 b e r s sowie der Obmann des Bethausvorstandes S. Bernhard appellierten in tiefempfundenen Reden an das jüdische Herz der Anwesenden, die Ausspeiseaktion in diesen Bezirken zu unterstützen. Namens der neu aufgenommenen Mitglieder dankte Herr Ortsschulrat Armin Klein dem verdienstvollen Präsidenten Herrn Oskar Goldschmied für die ihnen gewordene Ehrung und versprach, den Präsidenten in sedner ersprießlichen Tätigkeit kräftigst zu unterstützen. Als letzter Redner sprach Prof. Nasch6 einige geistvolle Worte. Die hierauf folgenden ausgezeichneten Biozelvorträge der Öberkantoren iMargulie|s und .Posto/lo'w beschlösse dife erhebende Feier. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk veranstaltete Dienstag, den 5. Jänner in Stahleners Lokalitäten einen Unterhaltungsabend, dessen Reingewinn den so überaus wohltätigen Zwecken! des Vereines zufließt. Der Verein erhält nämlich ein eigenes Heim (XVI., Wurlitzergasse 4), in welchem täglich 120 arme jüdische Schulkinder und auch eine größere Zahl mittelloser Erwachsener ausreichende und bekömmliche Mahlzeiten erhalten. Diese Leistung einer auf wahrhaft jüdischer Wohltätigkeit beruhenden Vereinigung, die bereits seit 27 Jahren ihr mildtätiges und frommes Werk vollführt, verdient speziell in den heutigen trostlosen Zeiten die größte Bewunderung!, da diejenigen, die hierzu beitragen, selbst nicht mit Glücksgütern allzu reichlich gesegnet sind. So ist das Heim, das sich gerade in einem Bezirke befindet, in dem auch das jüdische Elend unermeßlich ist. ein Haus des Segens und des Trostes für unglückliche Kinder und schwer geprüfte Glaubensbrüder. Mancher unserer Leser wird sich die Frage volegen, wie ist ein solches Werk, das so ungeheure Mittel erfordert und so viel Energie in Anspruch nimmt, in den heutigen schweren Zeiten in einer Vorstadt überhaupt möglich? Die Antwort auf diese berechtigte Frage hätte er empfangen, wenn er bei genanntem Fest zugegen gewesen wäre. Da zeigte es sich wieder, wie das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das tatkräftige Einstehen des einen für den anderen für die Gesamtheit von Bedeutung ist. Man hatte nicht das Gefühl, in einer zufällig zusammengekommenen Gesellschaft zu sein, sondern in einer großen Familie, einer Familie, die auch ihre armen Familienmitglieder nicht hungern, sondern sie an dem wenigen, das sie selbst besitzt, Anteil nehmen läßt Unter solchen Auspizien ist es kein Wunder, daß das Fest den denkbar schönsten Verlauf nahm. Dieser Erfolg ist zunächst den rührigen Mitgliedern des Vorstandes zu danken, vor allem dem Präsidenten Direktor Benno Kahane, den beiden Vizepräsidenten Samuel Fischer und Josef S al a m o n. Unter den zahlreich erschienenen Festgästen sah man den Bezirksvorsteher für den XVI. Bezirk Anton Heidi in Begleitung der Gemeinderäte Anton Wim m er und Anton Jentschik, für den Bethausvorstand des Bezirkes Ottakring die Herren Siesrmund Weiler und O. K a t z. in Vertretung der Bezirkskommission der Kultusgemeinde für den XVI. Bezirk Herrn Leopold Sitzmann und Dr. S. Bohin, Herrn Kommerzialrat Siegmund N i s s e 1, für den jüdischen Verein der ,.Kinderfreunde" die Herren Rudolf Urbach, Max Werter und Leopold R e i s s, für den Verein ..Traumland" Herr Feix. Das Arrangement des gelungenen Abends lag in den Händen des Herrn Ignaz Engel, der von den Damen Wegner und Ungvary sowie den Herren Donath, E. Kotanyi. Trost, Dr. Paschkes und S. Reis s wirksam unterstützt wurde. Das Tanzarrangement hatte Herr Dworel inne. Ein besonderes Lob gebührt Herrn Cafetier Isidor Tausend sowie den Herren Steiner und S. Klavier. Bis in die frühen Morgenstunden blieben die' zahlreichen Gäste in angeregter Unterhaltung beisammen und trennten sich in dem Bewußtsein, gleichzeitig auch ein gutes Werk für die Armen des Bezirkes vollbracht zu haben. Todesfälle. Montag, den 11. d. M. wurde unter außerordentlich großer Beteiligung Herr Jacques S c h w a r z, der Nestor der jüdischen Gastwirte, ein im Bezirke Leopoldstadt 'überaus geschätzter Mann, begraben und zu der ihm vor 9 Monaten im Tode vorausgegangenen Gattin, mit der er in 40jäfcriger überaus glücklicher Ehe gelebt hatte, beigesetzt. Der Verblichene, der sechs Jahrzehnte dem Gastgewerbe angehörte und sich durch Fleiß und Intelligenz eine geachtete Stellung erworben hatte, war bereits in seiner Jugend als Oberkellner in den vornehmsten Etablissements der österreichischen Kurorte tätig. Das von ihm geleitete Restaurant genießt in den weitesten Kreisen unserer Stadt wegen seiner erstklassigen Darbietungen den besten Ruf. Treu, bieder und edelsinnig im Umgange, genoß der Verstorbene allgemeine Verehrung durch sein Wirken von seiner frühesten Jugend bis zum Lebensende. Die große Beteiligung an dem Leichenbegängnisse gab Zeugnis von der Wertschätzung, deren sich der Verstorbene in weiten Kreisen erfreute. Unter anderen waren erschienen der Gesamtvorstand des Verbandes jüdischer Gastwirte. Hoteliers und verwandter Betriebe unter Führung des Präsidenten Oskar Tone 11 o, Obmann Oskar Schramek mit dem Kassier S. W e c h s 1 e r für den Tempelverein „Aeschel Awrohom", dessen langjähriges Mitglied der Verblichene gewesen, in Vertretung der Chewra Kadischa Herr Restaurateur S. Grüner, der Vorsteher der Gastwirtegenossenschaft Wien, Komm.-Rat Holzmann, eine Abordnung des Krankenunterstützungsvreimes „Montefiore". An der Bahre erwähnte Herr Rabbiner Dr. S. Funk die hohen Verdienste des Heimgegangenen, schilderte seine überaus große Liebe und Treue zu seinen in Gott ruhenden Eltern und zu seinen Geschwistern, beleuchtete sodann das vorbildliche Familienleben des Verblichenen, dessen Hingabe für das Wohl und Wehe seiner Kinder als einzig dastehend bezeichnet werden kann. Die kantorale Funktion versah Oberkantor J. Müller unter Assistenz des I. Kantors A. Stift und wurde von den Funktionären für die obgenannten Vereinigungen am offenen Grabe ein ergreifendes El mole rachamim angestimmt. An der Bahre trauern die Kinder Ing. Alfred Schwarz, Hildegarde Schiffres, geb. Schwarz, Schwiegerkinder Wilma Schwarz, geb. Neumann, Norbert Schiffres, die Geschwister Netti Schwarz und Cafetier Max Schwarz, die Enkel Kurt Schwarz und Ernst Schiffres. — Rabbiner Dr. J. T a g 1 i c h t hat einen schweren Verlust erlitten. Seine in der Blüte ihres Lebens stehende Tochter M i n n i e, die Gattin eines New Yorker Arztes, ist ihm durch ein unerbittliches Geschick entrissen worden. Mit den gramgebeugten Eltern trauert seine ganze Gemeinde sowie die zahlreichen Freunde und Verehrer des hochgeschätzten Seelsorgers um den unersetzlichen Verlust. — Hoftrat Rudolf T a u s s i g ist nach langem schweren Leiden im Alter von 63 Jahren in Baden bei Wien gestorben. Hofrat Taussig wurde in Brünn geboren und war einer der bedeutendsten Vertreter des stenographischen Dienstes nicht nur im alten österreichischen Parlament, sondern auch im Nationalrat der jungen Republik. Seine fachliche Tüchtigkeit, sein großes Wissen, seine ungeheure Erfahrung auf parlamentarischen Gebiete machten ihm. man kann wohl sagen, zu einer Stütze einer Reihe von Parlamenten, denen er hingebungsvoll gedient hatte. Aber seine Tätigkeit erstreckte sich nicht allein auf sein berufliches Gebiet, eT strebte darüber hinaus und widmete sich mit der ihm eigenen Hingebung und unvergleichlichen Pflichttreue den Aufgaben, die ihm sein edles, für alles Gute und Schöne schlagende jüdische Herz stellte. Als Vertreter der Jüdischnationalen gehörte er dem früheren Kultusvorstande an und befaßte sich daselbst vorwiegend mit Wohlfahrtsangelegenheiten, insbesondere förderte er den Verein jüdischer Kinderfreunde, den Verein jüdische Volksküche und das israelitische B1 i n d e n i n s t i t u t. Sein fortschreitendes schweres Leiden zwang ihn immer mehr und mehr, sich vom öffentlichen Leben zurückzuziehen und nun hat auch dieses wahrhaft edle Herz zu schlagen aufgehört — Fern von der Heimat ist am 30. Dez. v. J. Herr Franz Deutsch, Sohn des Herrn Kultusvorstehers Medizinalrates Dr. Jakob Deutsch und seiner Gattin Melitta, geb. Weishut, nach kurzem Leiden in Amsterdam, wo er sich auf der Durchreise befand, verschieden und dortselbst am 3. Jänner 1926 zur letzten Rühe gebettet worden.. Den schwer geprüften Eltern, welche durch den jähen Verlust ihres einzigen Sohnes in tiefste Trauer versetzt wurden, wendet sich die allgemeine Teilnahme aller Bekannten und Freunde zu. Jubiläumsfest. In Ergänzung unserer in der vorigen Nummer veröffentlichten Mitteilungen über das schöne Fest, das der orthodox israelitische Bethausverein „Emunas Aves" anläßlich seines 60jährigen Bestandes gefeiert hatte, teilen wir mit, daß die 92jährige Frau Regine K r e i s 1 e r zu ihrem vor sechzig Jahren gespendeten Vorhang für die Bundeslade nunmehr zum Andenken an ihre sechzigjährige Andacht in diesem Bethiaius eine in der gleichen Ausführung gehaltene gestickte Decke für das Betpult spendete.

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