Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1926-01-15 · Heft 3 (15.1.1926) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063973-3063976--14272-3081821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 3 DIE WAHRHEIT Seite 9 fall als früher. Aber auch diese Andlachtsübungen wurden untersagt und Mannheimer kehrte nach Kopenhagen zurück. Seit ungefähr % Jahren ist er in Wien, wohin er als Lehrer von der jüdischen Gemeinde daselbst berufen wurde. Im kurzen glaube ich der Wahrheit getreu sagten zu können, daß der Mannheimer eine reiche wissenschaftliche Ausbildung besitzt, dabei tüchtige Kenntnisse in dem Hebräischen und Talmudischen hat und daß ihm eine besondere Fertigkeit eigen ist, seinen Unterricht faßlich zu machen. Er besitzt ferner einen überaus moralischen Charakter und viele Liebe für alles Gute. Es steht zu wünschen, daß dieser Mann eine seiner würdige Stellung irgendwo, besonders als Lehrer für die Juden erhalte. Wie ich sagte, dürfte ich E. E. innerhalb weniger Tage auch noch Abschriften von Zeugnissen von de» Mannheimer, welche, wie ich glaube, sich hier befinden, untertänig überreichen können. Mit der größten Devotion beharre ich E. E. untertäniger Rubo. Berlin, den 12. Jänner 1826. Mannheimers Amt konnte auf Grund des letzten Berichtes als gesichert gelten und* nun schritten die Vertreter wie Mannheimer selber daran, die Vorbereitungen für die offizielle Einweihung des Stadttempels zu beschleunigen. Dieser bildete seitdem ein sichtbares Zeichen sowohl für die Wiener Judenheit als auch für die Außenwelt. Daß aber dieser äußere Erfolg dem ideal gesinnten Mannheimer nicht genügte, ist einem reizenden Schreiben zu entnehmen, das Lisette Mannheimer, seine Frau, an Adelheid Zunz, die Gattin des berühmten Gelehrten, am 31. Oktober desselben Jahres (1826) gerichtet hatte: „. . . Was meinen Aufenthalt hier betrifft, so werde ich hier doch nachgerade einheimisch. Mannheimer findet für sein Streben und für die gute Sache immer besseren Erfolg; es geht hier so langsam nur, ehe sich die Leute an etwas Neues gewöhnen. Die Wiener sagen selbst, daß die Wiener eine Eisrinde haben, die erst erweicht werden müsse und wozu Zeit gehöre. ..." Diesem Schreiben schloß Mannheimer einen Brief an Zunz selber bei, in dem sich die Aeußerung befindet: „. .. Ich bin mun, was ich eben nicht sein wollte, ein handwerksmäßiger Prediger, der nur immer genug hat, wenn seine Lehren und Reden augenblicklich ein verstopftes Ohr öffnen, oder ein hartes Herz erweichen .... ... Sie kennen es aber, Freund, das Mehr und das Bessere, das einem jeden von uns ehemals vorschwebte, als wir uns dem Streben hingaberi und auf ungebahnten Wegen ohne Leitung und Stütze einem fernen Ziele nachgingen . . . ." (Siehe „Monatschrift für Geschichte u. Wissenschaft des Judentums", Breslau, 1917: Brann—Rosenmann, Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer und Leopold Zunz, S. 296 ff.) Nadosfcy, der Antisemit. Wie sehr viele andere antisemitischen Häuptlinge hat auch der als einer der Hauptschuldigen in der ungarischen Francsfälscheraffäre entlarvte Landespolizeichef Emmerich Nadossy seine Karriere einem Juden zu danken. Wie bereits kurz gemeldet, wurde "Nadossy vom seinerzeitigen jüdischen Justizminister Wilhelm Vazsonyi zum Präsldialisten des Justizministeriums ernannt. Er war die Vertrauensperson des Juden Vazsonyi, nicht nur im Ministerium, sondern auch in den Privatangelegenheiten des Ministers. Diese Stellung hat den magyarischen Gentleman nicht gehindert, auch in amtlicher Stellung seine antisemitische , Ueberzeugung zu betonen und in seinen offiziellen Handlungen fühlen zu lassen. Bekannt ist, daß er zur Zeit der antisemitischen Ausschreitungen und des nächtlichen Legitimierungsunfugs die ihm unterstellte Poizeimannschaft mit den Worten: „Wir werden diesen Handvoll Judenbankerts mit gelocktem Haar schon unsere Macht zeigen" geradezu zu Gewalttätigkeiten und Scharfmacherei aufmunterte. Dieser Ausspruch wurde seinerzeit im Parlament zur Sprache gebracht und Nadossy redete sich damals darauf aus, daß er damit die Kommunisten gemeint habe. Alle Bemühungen der Opposition, den Landespolizeichef von seiner diktatorischen Machtstelle zu entfernen, blieben erfolglos, denn seine festeste Stütze war der Reichsverweser Horthy selbst. Nadossy war auch derjenige, der die Masseninternierung mißliebiger Menschen und hauptsächlich von Juden gefordert und auch durchgesetzt hat. Die unmenschliche Ausweisungsaktion erfolgte nach seinen Direktiven und er ist auch der Verfasser jenes Geheimerlasses, in welchem die strenge Handhabung der Ausweisungsverordnung gegenüber Juden unter Androhung von Disziplinarstrafen gefordert wurde. Nebenbei bemerkt, war er es auch, der seinerzeit Siegmund Breitbart, für den sich nicht nur die Artistenvereinigung, sondern auch politisch hochstehende Persönlichkeiten verwendet hatten, die Einreisebewilligung verweigerte, weil er „polnischer Jude" war. Zur Zeit des Karl-Putsches befand sich sein alter Protektor und Gönner Wilhelm Vazsonyi in Budapest. Ohne daß hierzu Grund vorgelegen wäre, ließ Nadossy Dr. Vazsonyi Tag und Nacht in seiner Wohnung durch Detektivs bewachen und verbot — wie er damals sagte — dem jüdischen Legitim i s t e n das Verlassen seiner Wohnung. Dieser Roheitsakt wurde damals selbst von reaktionären Politikern verurteit. Jüdische Weltkonferenzen. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Rabbiner Dr. Diene mann, Offenbach a. M., in der letzten Nummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung" einen Aufsatz, in welchem er, anknüpfend an die vor kurzem in Stockholm abgehaltene Kirchen-Weltkonferenz, die Anregung zu einer Weltkonferenz der jüdischen Religion gibt. Der Verfasser führt ungefähr aus: „ . . . Nicht ohne einen starken Neid, zum mindesten ein Gefühl starker Scham konnte man als Jude die Verhandlungen auf der Stockholmer Veranstaltung verfolgen. Ob wirksam oder nicht, ob erfolgreich oder nicht, es wurde dort ein Versuch gemacht, als offizielle Vertretung des Christentums die gegenwärtige Ordnung der Welt, Wirtschaft, Politik, soziales Leben an den Forderungen des Christentums zu messen und die Forderungen deutlich zu Anmerkungen zu dem „Mannheimer"-Artikel: Der in den Briefen erwähnte D. J. Rieß war ein ebenso reicher wie vornehmer Juwelier, der sich Mannheimers in väterlicher Weise annahm und ihn an Michael Lazar Biedermann in Wien empfohlen haben dürfte. Doktor Rubo gehörte dem jung-jüdischen Kreis in Berlin an, der zu seinen Mitgliedern ebenso Heinrich Heine und Eduard Gans, wie Leopold Zunz und Moses Moser zählte. (Vgl. Strudtmann A., H. Heines Leben und Werke: Band I.; Das junge Palästina.) Zuletzt wurde Rubo Syndikus der jüdischen Gemeinde in BenHn. Berichtigungen: „Die Wahrheit", Nr. 51, ex 1925, S. 7, Spalte 1, Zeile 9 soll es heißen:... k. k. (statt: k. u. k.); Nr. 1 ex 1926, S. 7. Spalte 1, Zeile 32 soll es heißen: ...hierher vorgelegten Gesuches der Vertreter (statt: an den Vertreter).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.