Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 DIE WAHRHEIT Seite 7 stehen, hat man bei der Frankenfälscheraffäre gesehen. Da ging ein Schrei der Entrüstung, der leidenschaftlichsten Erbitterung durch die Welt, der v. Hopthy in die Ohren gellen dürfte. O, Herr v. Horthy hat Recht behalten; das Morden der Juden hat die Kulturstaaten kühl gelassen, sonst hätte man Herrn v. Horthy längst den Spaß verdorben, die p. t. Herren Mörder zu begnadigen. * * * Ein ehrlicher Dialog. (In der Redaktion eines Wiener Blattes.) Chefredakteur: Neue Berichte aus Budapest? Mitarbeiter: Entsetzliche! Ich habe mir da Notizen gemacht.... Chefredakteur: Schnell, schnell, lesen Sie! Mitarbeiter: Wieder einige hochangesehene ' Mitglieder der Rassenschützler verhaftet .... dann .... gräßlich .... Einer der ersten Führer der Partei, der intimste Freund Sr. Durchlaucht des Reichsverwesers .... der .... der Bischof Zadrawetz hat ein furchtbares Geständnis abgelegt .... Chefredakteur: Weiter, weiter! .... Mitarbeiter: Es ist klargestellt, daß Se. Durchlaucht Prinz Windischgrätz längst kein Legitimist ist, sondern in vertrautestem Verkehr mit den rassenschützlerischen Führern stand .... Chefredakteur: Noch was? Mitarbeiter: Ulain hat laut und öffentlich erklärt, daß alle Verhafteten und Verdächtigen nicht nur edle Angehörige der Rassenschützlerpartei sind, sondern verehrungswürdige Patrioten, die man bewundern muß. Chefredakteur: Noch was? Mitarbeiter: Nein .... nur weitere Enthüllungen sind angekündigt.... Dazu die gestrigen authentischen Nachrichten .... Nadossys Geständnis und .... Ach____es ist zum verzweifeln, wieder nur Anklagen und Beschuldigungen der Rassenschützler ganz wie bei den Mordtaten bei Kecskemet, wie bei den Bombenprozessen .... Wenn das unsere Leser erfahren! Was sollen die denken? Chefredakteur (ruhig): Also fertig? Schreiben Sie einen scharfen Artikel, in welchem Sie ausführen, daß alle Nachrichten aus Budapest entweder erlogen oder tendenziös aufgebauscht sind. Deuten Sie an, daß Prinz Windischgrätz leider vor Monaten schon mit einem Rabbiner in Verkehr stand, kurz, daß der eigentliche Skandal, an dem jetzt das edle, unter dem antisemitischen Regime stehende Ungarn leidet, nur das Werk der jüdischen verlogenen Presse ist. Mitarbeiter (entsetzt): Aber .... Herr Chefredakteur .... wie kann ich das schreiben? Es ist ja alles wahr, was aus Budapest berichtet wird... ja, wir selbst wissen noch viel mehr____und müssen zittern, daß es auch noch publik wird .... Und da soll ich, was wahr ist, als Lüge und Erfindung bezeichnen? Mein christliches Gewissen sträubt sich dagegen ____ Chefredakteur (kühl lächelnd): Mein Lieber, wie oft soll ich es Ihnen noch sagen: Wir sind kein christliches, sondern ein antisemitisches Blatt. Wenn wir Ihren Sentimentalitäten Rechnung tragen, können wir morgen zusperren . . Also gehen Sie ruhig an die Arbeit und schreiben Sie den Artikel unter dem Titel „Der wahre Skandal"! * * * Der Papst hat neulfch in einer Rede ausgeführt, daß in der Gegenwart die Presse ein wichtiges Mittel zur Förderung der Religion sein muß. Er sei überzeugt, daß der heilige Paulus, wenn er heute lebte, ein Journalist wäre. Das kann schon sein, aber wer die heutigen sogenannten christlichen Blätter kennt, wird sich wohl fragen müssen, ob der heilige Paulus, wenn er heute lebte, nicht gezwungen wäre, ein Anstellung bei einem sogenannten — Judenblatt anzunehmen. * * * Herr Marffy ist bekanntlich von der Anklage, bei dem Bombenattentat im Elisabethstädter Klub (dem neun Menschenleben zum Opfer fielen) beteiligt gewesen zu sein, freigesprochen worden. Er muß nur ein paar Monate sitzen, weil er schuldig befunden wurde, das Bombenattentat auf das französische Gesandtschaftsgebäude ausgeführt zu haben,, bei dem keinem Menschen ein Haar gekrümmt wurde. Aber mit Frankreich kann man auch in Horthy-Ungarn nicht spassen. Wer weiß, wie der Marffy-Prozeß ausgegangen wäre, wenn der LandespoJizeichef Herr v. Nadossy schon damals Bewegungsfreiheit einigerv. Nadossy schon damals in seiner Bewegungsfreiheit einigermaßen gehemmt gewesen wäre! Vielleicht denkt sich sogar Marffy: „Wie sonderbar ist das Leben! Man kann nie wissen, wovon es abhängt, daß einer freigesprochen oder — gehängt wird!" Ego. Diplomatische Berichte über Tsak Äoa Mannheimer anläßlich seiner Anstellung in Wien. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. (Schluß.) Fürst Metternich erhielt bald darauf nachfolgenden Bericht aus Berlin: Berlin, dien 22. Jänner 1826. Durchlauchtig hochgeborener Fürst! Ueber die Verhältnisse des vor einigen Jahren hier angestellt gewesenen israelitischen Lehrers Isak Noa Mannheimer vermag ich Euer Durchlaucht in den Anlagen die aus zwei verschiedenen Quellen geschöpften authentischen Auskünfte vorzulegen. Das erste Stück ist ein Auszug aus -den bei dlem Berliner Polizeipräsidium über Mannheimer geführten Vormerkungen, welche mir unter der Hand und vertraulich mitgeteilt worden sind. Das zweite ist eine Aeußerung des dler hiesigen Judenschaft als Rechtskonsulenten beigegebenen Dr. Rubo. Aus beiden geht als Hauptresultat hervor, daß der Mannheimer zwar als ein Beförderer der schon vor ihm eingeführten neuen gottesdienstlichen Formen bei den Juden hier aufgetreten ist, sich aber sonst auf eine besondere Weise weder bemerkbar noch verfänglich gemacht und Berlin aus freien Stücken verlassen hat, nachdem der jüdische Gottesdienst in deutscher Sprache von der Regierung ferner nicht gestattet wurde.