Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Malbim 1× ep/1002711
- Rashi 1× ep/1002670
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Seite b DIE WAHRHEIT Nr. 3 wissen. Damit fällt jede Annahme, die den Psalm in seiner Ganzheit auf die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil bezieht, die während dieser Zeit als Irrende, Leidende, Gefangene und Hungernde geschildert werden, während der Schluß die Veränderungen des Staates und Volkes, die glückliche Wertung nach der schweren Exilszeit betrachten will. Die übertragene Bezeichnung wäre in solchem Falle sehr gesucht und kaum verständlich. Die Hervorhebung des Ewigen soll nicht etwa die Hilfstaten des Nationalgottes betonen, sondern die aus den gedachten Gefahren Erlösten heißen die Erlösten des Ewigen, weil sie die ihnen gewordene Hilfe nicht einem Zufall, nicht sich selbst, sondern eben dem persönlichen Schutz des allmächtigen Gottes zuschreiben. Die Sprache, insofern ihre Worte der göttlichen Macht gelten, bleibt sich in allen Teilen, auch in dem großen Schlußabschnitt gleich, nur in den Stücken, die von Gefahren sprechen, ist sie anders denn in V. 33 ff., wo eben von Not und Gefahr gar nicht die Rede ist. IV. Bemerkungen zu den einzelnen Abschnitten: Für die vier Gruppen, die von den Wenigen in gewissen Situationen sprechen, werden kleine Bilder entworfen, die den Umständen durchaus angemessen sind. Der Dichter typisiert also, daher kann er so gleichmäßig seine Verse bauen. Die Wüste ist immer öde und einsam, Hunger und Durst sind Erscheinungen, die leicht mit ihr verbunden sind. Der Ausweg bedeutet, eine bewohnte Stätte finden, Durst und Hunger stillen zu können. Nur diese ganz allgemeinen Dinge stehen in den Versen 4—8 (9). — Eine besondere Note erhält die zweite Gruppe durch V. 11, denn in ihm soll wohl die Ursache des Schicksals der Gefangenen ausgesagt werden. Im übrigen aber treffen wir auch hier nur allgemeine, auf die Situation passende Wendungen, wie Finsternis und Todesschatten und das Lösen der Fesseln, davon reden die Verse 10—16. — Bei der dritten Gruppe verfährt der Dichter ähnlich wie bei der zweiten. Er setzt hier sogar den sündigen Wandel als Ursache ganz an den Anfang in V. 17. Sonst aber ist gerade nicht von individuellen Dingen die Rede. Kranke verschmähen oft Nahrung, und fühlen sich rasch den Pforten des Todes nahe, Heilung ist ihnen gleichbedeutend mit der Rettung aus dem Verderben. So lesen wir es in den Versen 17—21 (22). Diese beiden mittleren Gruppen werden somit vom Dichter nicht ohne Absicht charakterisiert als die Schmäher des Gesetzes (v. 11) und die Unweisen, die auf die Bahn des Unrechtes gelangt sind. — Mit der vierten Gruppe kehrt der Dichter ganz zu der Art der ersten zurück. Die Gefahr der Meeresfahrer wird durch einen heftigen Seesturm hervorgerufen. Der Sturmwind wühlt das ganze Meer auf, die Wogen oder vielleicht auch das Fahrzeug wird bald in die Höhe, bald in die Tiefe geschleudert, so daß die Schiffsleute oder die Schiffe selbst wie Trunkene wanken und taumeln. Aber der Orkan wird zu einem sanften Säuseln, die Wogen beruhigen sich, Freude kann auf dem Schiffe herrschen, denn es wird an den Ort seiner Sehnsucht und Bestimmung gelangen. Dieses erregende Gemälde des Sturmes kann nicht ein eigenstes Erleben gerade unseres „Erlösten", es könnte das Motiv jedes anderen Sturmes sein, so sprechen die Verse 23—32. — Ströme und Wüste, Wüste und Wasserquellen, Fruchtland und salziger Boden, Felder und Weinberge, reiche Erträge und Viehbesitz, gesättigte Hungrige, Edle und Verarmte, Redliche und mit böser Zunge, solcher Wechsel, der auf großen Strichen sich vollzieht schon Völker und Menschenmassen betreffen muß, davon reden die Verse 33—42. V. Sprachliche und sachliche Einzelnotizen: Der Psalm beginnt wie Ps. 106, der wohl ein Dankgebet der Gemeinde ist. In diesem Verse ist das Resultat des Gedichtes, das sich aus den refrainartig wiederkehrenden Versen 8 usw. ergibt, bereits vorweggenommen, eine Erscheinung, die in den Psalmen häufig ist V. 2. Die Formel „Erlöste des Ewigen" steht auch in J e s. 62, 12. Mit diesem Sammelbegriff kann der Dichter gut die folgenden Gruppen zusammenfassen. — V. 3. Umijom kann nicht vom Meere her bedeuten, denn wir dürfen doch alle Himmelsrichtungen erwarten, wie bei Jes. 49, 12 ist es im Gegensatz zum Norden gebraucht, auch das Targum J. übersetzt so. — V. 6 für beten ist hier Zak gewählt ein Wort, das stärker ist als das spätere zuk, dementsprechend heißt es hier auch „er errettete sie", später dagegen „er half ihnen". — V. 7 ist vollkommen das Gegenstück zu V. 4, sie fanden den Weg nicht aber Gott führte sie, sie kamen nicht zu einer bewohnten Stadt, aber Gott leitete sie dorthin. — V. 8 will betonen, daß die übernatürliche nur in den Augen der Menschenkinder eine Wundertat genannt werden kann. — V. 9. Schaukekoh, eine lechzende Seele in dieser Verbindung nur hier und Jes. 29, 8. — V. 10, die Fesseln des Elends, das sind die Qualen und Peinigungen, die mit einer Haft verknüpft sind, während die eisernen Fesseln eben die Ketten sind, die eine Flucht verhindern sollen. — V. 11 will nach Raschi lehren, daß die Strafe nur eine Folge der Versündigung ist, daß aber damit gesagt werden soll, oaß die eben aus der Wüste erretteten, weil sie ungehorsam waren, sogleich eine zweite Uefalir erleben müssen (wie der Malbim behauptet), ist nicht erwiesen und würde der talmudischen, wie auch der so naheliegenden Gruppeneinteilung widersprechen. — V. 14 entspricht völlig V. lü, die Fesseln von Elend und Eisen werden hier durch „Bande" umschrieben, während die obige Wendung sich im Verse 16 widerspiegelt, der Anfang dieses Verses bringt aber mit den „Türen" ein neues Bild hinein. — V. 17. Die Verbindung Tor-Frevler ist dem Spruchbuche besonders eigentümlich. Auch hier dürfte es vergeblich sein, einen Zusammenhang mit den vorangegangenen Text zu suchen, etwa dergestalt daß der in der zweiten Gruppe Gefährdete, weil er die überirdische Hilfe nicht anerkennt, von einem neuen Mißgeschick betroffen wird. V. 20 mischchisansom schechisch, vgl. Klagelieder 4, 20. Der Zusatz in V. 23 (und ähnlich in V. 32 will vielleicht die Pflicht nahelegen, von den erlebten Wundertaten in der großen Oeffentlichkeit zu erzählen, damit auch diese dadurch belehrt und zum Nachdenken veranlaßt werde, daher das Erzählen, die Versammlung des Volkes und der Rat der Alten. V. 27 wird auf die Kunst angespielt, Herr der Wogen und des Sturmes zu werden. In V. 28 ist hier ein neuer Ausdruck gewählt „er zog sie heraus". V. 29. Ende entspricht. V. 25. Ende (in der Gruppe ist von dieser Entsprechung der Verse nichts zu spüren); mit V. 30 Ende dürfte das Gegenstück zu 23 Ende gemeint sein. — Die Verbalformen des letzten Absatzes haben durchwegs erzählende Bedeutung. In diesen Sätzen sind die Anklänge an J e s a j a s besonders starK. V. 33 enthält Wendungen aus Jes. 50,2 und 35,7; V. 35 deckt sich sehr mit Jes. 41, 18. Mit V. 39 vgl. Jes. 2, 9 und 53, 8. Andere Teile ähneln wieder Stellen aus H i o b, so V. 40 ist aus Hi. 12, 21 und 24 zusammengesetzt, der Vergleich „wie die Schafe" steht auch in Hi. 21, 11, V, 42 ist ein wenig gegen Hi. 22, 19 geändert. VI. Zusammenfassender Ueberblick: Der Psalm macht einen außerordentlich ruhigen Eindruck. Da die in den Gefahren Schwebenden nicht selbst die Erzählenden oder Dankenden sind, so treten die persönlichen Momente stark zurück. Leser wie Hörer sind nicht imstande, mit den Leidenden so mitzufühlen, wie es vielleicht der Wille des Dichterswar. Aber durch diese objektive Darstellungsform wird die einzelne Situationsschilderung eine genauere, zwar unbewegtere, aber klarere, dadurch kommt es auch, daß der Psalm einen sehr klaren Aufbau hat und seine Disposition Versteile und Verse deutlich machen. Die Lyrik ist damit wohl aus dem Psalm ge- schwunden, aber sein belehrender Charakter hat darunter nicht gelitten. Die Bilder werden immer noch fesselnd und anziehend wirken, wenn auch der ganze Wurf des Psalmesi Erschlaffung und Müdigkeit hervorrufen könnte. Die übliche Form des Dankpsalmes hat der Dichter hier absichtlich verlassen (vgl. darüber mein Buch: „Die Psalmen — das Religionsbuch der Menschheit", s. 25ff.). Glossen. Se. Durchlaucht, der Reichsverweser von Ungarn hat eine glänzende,. seinem hohen Rang entsprechende Satisfaktion erhalten. Wie jämmerlich beschämt stehen jetzt die „jüdischen" Blätter da, die sich erdreisteten, Sr. Durchlaucht es zu verübeln, daß er seine schützende, rettende Hand über die Häupter von Mördern breitete, die er vor dem Galgen bewahrte, obwohl, oder vielmehr weil sie Juden ermordet hatten. Wie lächerlich da eigentlich der Hinweis auf die Meinung der westlichen Kulturstaaten war, ersieht man erst jetzt in voller Klarheit. Sie schwiegen alle zu den Morden wie zu den Begnadigungen der Mörder und die Auslegung des Schweigens war immerhin eine etwas problematische Sache. Wenn Horthy den Standpunkt vertrat, daß man nicht viel Aufhebens wegen eines Menschenlebens machen müsse, so war das Schweigen der westlichen Kulturstaaten zwar noch keine Zustimmung, aber sicherlich auch kein Protest. Daß die Kulturstaaten auch der tiefsten sittlichen Empörung lauten und verständlichen Ausdruck zu geben verj-drMftunäSRwsdBB \£9ü-',>&*i<**-'