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Die Wahrheit · 1926-01-08 · Heft 2 (8.1.1926) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DHL WAHRHEIT _ SeiteU Nr, 2 Theater, Kunst u. Literatur 1 Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat am 19. Dezember v. J. einen Vortragsabend abgehalten, in welchem Herr Ludwig Bato einen kurzen Ueberbldck über die hebräische Poesie des spanischen Mittelalters gab, und Fräulein Tilly Freund einige besonders schöne Proben aus derselben in Uebersetzung rezitierte. Sehr richtig wurde eingangs seiner Auseinandersetzungen vom Vortragenden bemerkt, daß die arabische Epoche, die doch in wissenschaftlicher Hinsicht die Voraussetzung für die geistige Bildung des Abendlandes gewesen, von der Schule zu Unrecht arg vernachJässtgt wird. Die Juden waren freie Bürger In den arabischen Staaten. Ihr© Dichter waren zumeist Gelehrte und Philosophen; während sie ihre wissenschaftliche Werke in arabischer, ihrer Landessprache veröffentlichten, dichteten sie in der Sprache der Bibel, wohl weil sie auf alle ihre in der ganzen Welt zerstreuten Glaubensbrüder einwirken wollten. Allerdings wurde es ihnen seitens orthodoxer Rabbiner übelgenommen, daß sie die heilige Sprache außer zu religiösen Motiven auch zu Wein- und Liebesliedern benützten und damit profanierten. Nach einigen kurzen biographischen Daten über Gabirol, Moseibn Esra und Jehuda Halevi brachte Fräulein Freund eine Reihe der schönsten Perlen ihrer Poesien zu ebenso reizwie effektvoller Wiedergabe, wozu auch die gelungene Auswahl der besten Uebersetzer, wie Mich. Sachs, Saul Kämpf, Emil Bernhard und Kr istall er das Ihrige beitrug. Die Rezitation wurde m£t verdientem Beifall belohnt Med.-Rat Dr. Haase. Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz", das seit vielen Jahren eingeführte Organ der Schweizerischen israelitischen Bevölkerung, beging am 1. Jänner sein 25jähriges Jubiläum. Das Blatt wurde 1901 begründet von Rabbiner Dr. L i 11mann in Zürich, welcher noch jetzt in der Redaktion mitwirkt, sowie von Lehrer Dr. S t r a u ß. Späterhin wurde es herausgegeben von Herrn David W e i n b a u m, dessen Familie den Verlag weiterführt; die Redaktion führt zurzeit Herr Dr. Erich M a r x - Weinbaum. Anläßlich seines Jubiläums gibt das Blatt eine reich illustrierte, besondere Jubiläumsnummer heraus, an der hervorragende Vertreter des schweizerischen Judentums mit Beiträgen beteiligt sind und in der die Geschichte der wichtigsten jüdischen Gemeinden der Schweiz dargestellt wird, die zumeist um viele Jahrhunderte zurückreicht. In einem Artikel des Herrn Emil Dreyfuß kündigt dieser 85jährige Schriftsteller, welcher seit Beginn des Blattes zahlreiche geistvolie Beiträge zur Geschichte der schweizerischen Israeliten veröffentlicht hat, eine neue Serie von Artikeln an, welche die Bedeutung der schweizerischen Israeliten für das Kultur- und Wirtschaftsleben der Schweiz darstellen werden. Gesellschaft für jüdische Familienforscbung Berlin. Soeben hat die Gesellschaft für jüdische Familienforschung das vierte Heft ihrer „Mitteilungen" herausgebracht In den beiden ersten Artikeln werden recht interessante Einzelheiten beigebracht über den legendarischen Eintagskönig Saul Wahl, den die polnischen Schlachzizen 1588 für eine Nacht zum König von Polen wählten! Max Wollsteiner, selbst ein Nachfahre jenes Saul Wahl, berichtet über seine langjährigen Forschungen und Dr. C z e 11 i t z e r gibt Ergänzungen hierzu aus seinem seit 1884 gesammelten Material. Dr. K1 i b a n s k i und Oberbibliothekar Stern setzen ihre Artikel fort über die im Jahre 1812 in FTankfurt/Main heimatberechtigten Juden, respektive über die Berliner Familie Ephraim, die Nachkommen des bekannten Münzjuden Friedrichs des Großen. Arturo B a b aus Rivera in Argentinien macht uns bekannt mit einem kulturhistorisch interessanten spanischen Semigotha, d. h. einem 1612 in Lima-Peru erschienenen Adelalmanach, der auch eine Anzahl Marannen enthielt. Die Inquisition hat deshalb diesen Almanach auf den Index gesetzt, aber nicht verhindern können, daß ein Exemplar sich bis heute erhalten hat. Der Schluß der Dinkelspiel'schen Familienchronik von Carl Simon, Notizen von L Moses über jüdische Namensethymologie sowie das übliche Suchblatt mit zahlreichen Fragen und Antworten aus dem Leseirkreise runden den Inhalt des Heftes ab. Allen Interessenten ist der Eintritt in die Gesellschaft für jüdische Familienforschung um so mehr zu empfehlen, *=■==■ ■-—■==■ ■==■===■ als dfe Vierteljahreshefte allea Mitgliedern unentgeltlich zugehen. 70t Geburtstag. Wie wir erfahren, feiert Herr Saul Hornstein, der Verfasser des Werkes „Gibeatli Saul", am 10. Jänner (24. Tewes) seinen 70. Geburtstag. Herr Hornstein, der sich in den Neunzigerjahren sehr intensiv schriftstellerisch betätigt hat und dessen erwähntes Werk seinerzeit die Aufmerksamkeit aller interessierten Kreise für Palästina erweckte, entstammt einer der vornehmsten Rabbinerfamilie» Rußlands. Im Jahre 1881 kam er nach Berlin zu Dr. Hildesheimer, studierte später in Amsterdam und Antwerpen, und nachdem ihn die russischen Behörden nach Vollendung seiner Studien trotz des in seinem Besitze befindlichen kaiserlich russischen Privileg-Patentes nicht über die Grenze zurück in die Heimat lassen wollten, kam er nach Wien, wo er seinen Haushalt gründete und sich an allen jüdisch-philantropischen Aktionen als gutsituierter Kaufmann sehr rege beteiligte. Seine Frau, geborene Thumin-Frenkel, stand ihm jederzeit sowohl ia seinen literarischen Arbeiten, als auch in seiner gesellschaftlichen Betätigung zur Seite, und sie war es auch, die das Werk „Gibeath Saul" ins Deutsche übersetzt und so der großen Oeffentlichkeit zugängig machte. Im Jahre 1883 gab Herr Hornstein ein prächtig gelungenes Panorama Palästinas heraus, welches die Bewunderung der berühmtesten deutsche« Geographen hervorgerufen hat. Auch den Reinertrag dieses Werkes wendete Herr Hornstein seinerzeit zur Gänze philantropischen Zwecken zu. Herr Hornstein lebt heute bescheiden und zurückgezogen mit seiner Familie und seiner propalästinensischen Idee und wird sicherlich anläßlich seines 70. Geburtstages allerseits wärmstens beglückwünscht werden. Ein Geschenk von unvergänglichem Wert ist die G r o B e Jüdische National-Biographüe von S. Wininr g e r. Dieses Nachschlagewerk enthält in 5 Bänden Lexikonformat über 8000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder und darf als erste und einzige jüdische Nationai-Biographie in keinem jüdisches. Haus fehlen. Das Werk kostet 5.50 Dollar per elegant gebundenen Halbfranzband, oder 4.50 Dollar per broschierten Band oder 0.60 Dollar per Lieferung (jeder Band enthält 8 Liderungen) und ist durch S. Wininger. Cernauti, Bukowina zu beziehen. Künstlerischer Abend des Verbandes der Fachpresse. Der am 25. v. M. im Festsaale des Hotel Continental veranstaltet© künstlerische Abend wurde eingeleitet von der jugendliche» Tanzkünstlerin Annemarie Schweeger, welche, von Arthur Kleiner trefflich am Flügel begleitet, mehrere Charaktertänze mit größtem Liebreiz und ungewöhnlicher Virtuosität tanzte. Die Opernsängerin Frau Myra deFintes sang mit üppiger, sympathisch timbrierter Stimme mehrere Arien und fand lebhaften Beifall. Am Flügel der tüchtige Kapellmeister Rudolf Neu mann. Herr Dr. Edmund Wengraf, Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" brachte "eigene Gedichte äußerst wirkungsvoll zum Vortrag und wurde stürmisch gefeiert Das heitere Quartett des Wiener Schubertbundes, die Herren Hans Komarek, Hans E x 1 e r, Otto R o n c a und Franz Koller sang, von Herrn Fritz J i 1 i n g am Flügel meisterhaft begleitet, ein überaus lustiges Programm, sorgte für heiterste Stimmung und erranj einen großen Erfolg. Fräulein Stella Kadmon von der Rolandbühne zeigte sich mit dem Vortrage heiterer Gedichte als Meisterin der Sprechtechnik und Charakterisierungskunst und wurde lebhaft akklamiert. Herr Lahis, Mitglied der Staatsoper, sang, von der Pianistin L o e w e in gewohnt meisterhafter Weise begleitet einige italienische Arien mit blühender, herrlicher Stimme und erhielt wohlverdienten anhaltenden Applaus. Herzlichst begrüßt wurde Grete Wittels, der Star des „Simplizissimus", die mit sprühender Laune und Temperament reizende Grotesken des Komponisten Wer au zum Vortrag brachte. Am Flügel: der Komponist Wer au. Ungemei« drastisch wirkte der Komiker und Parodist Carl Llbal auf die Lachmuskeln des erheiterten Publikums. Am Flügel waltete in vorbildlicher Weise die Pianistin Hilde L o e w e. Zum Schlüsse brachte Herr M a r t o n beifälligst aufgenommene Excentric Songs. Die vorzüglichen Darbietungen verliehen dem Abend eine besondere Note. Die künstlerische Leitung las in den Händen des Prof. Ludwig M a h 1 e r. Gedenket des jüdischen Frauenvereines Leopoldstadt und spendet bei Jeder passenden Gelegenheit für unsere unglücklichen Gtaubensbrüder I

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