Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 2 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ftr, 2________________J>IE_WAHRHEiT __________ ______________________Seite 7 der Umstand, daß eine so ansehnliche Anzahl von Mächten in unserer Person ihrer Vertreter an die Seite Ew. Durchlaucht entsandt hat, stellt eine Tatsache dar, zu der wir Ew. Durchlaucht mit Recht beglückwünschen können." Da Se. Durchlaucht Herr v. Horthv sich infolge der Nachrichten aus dem Haag ohnehin höchst unbehaglich fühlt, wird seine Stimmung durch diese Art der Begrüßung kaum gebessert worden sein. Auch die Diplomaten, an deren Spitze und in deren Namen der Nuntius gesprochen, werden Mühe gehabt haben, angesichts dieser Worte, die, wenn auch ungewollt, den blutigsten Hohn enthielten, ihre Verlegenheit zu verbergen. Herrn v. Horthy ist allerdings zu der überraschenden Tatsache, daß so viele ansehnliche Mächte ihre Vertreter zu seinem soeben verhafteten intimen Freunde dem Landespolizeichef Nadossy entsandten, zu gratulieren. Es ist nur auffallend, daß ihm das ein Diplomat so ohneweiters in Gegenwart noch anderer ins Gesicht sagte. # * '<? Die Hausdurchsuchung in der alten Aera. (Szene bei der Polizeidirektion in Budapest.) Polizeikommissär (unter tiefen Verbeugungen): Exzellenz verzeihen, daß wir Sie herbemüht . . . Natürlich, nur reine Formsache. Der große Herr (herablassend): Aber jetzt wünsche ich, da mein Name^einmal in der Sache genannt worden — ich glaube*es war vor vier oder fünf Tagen —, ich verlange es, daß bei mir eine Hausdurchsuchung vorgenommen werde. Die Welt soll erfahren, ob bei mir kompromittierende Briefe oder Schriften zu finden sind, die auf die Spur der gefälschten Francs führen könnten! Polizeikommissär (lebhaft abwehrend): Aber, aber, was denken denn Exzellenz! Wie werden wir uns so was erlauben! Ausgeschlossen, ausgeschlossen! Der große Herr (streng): Ich bestehe darauf! Polizeikommissär: Wenn Exzellenz befehlen .... dann freilich .... also wenn Exzellenz gestatten, vielleicht heute Nachmittag zwischen 5 bis 6 Uhr? Der große Herr (nachdenklich): Na . . . heute paßt es mir doch nicht so ganz . . . also sagen wir morgen, oder übermorgen vormittags zwischen 11 bis 12 Uhr. Polizeikommissär (sich tief verbeugend): Ganz richtig, übermorgen Vormittag, ganz wie Ew. Exzellenz befehlen! * Beginn der neuen Aera. Manverhaftet großeHerren. * * * Erster Bomben werfe r: Was sagst du, Freund, zu der Haager Geschichte? So dumm, sich mit den falschen Francs erwischen zu lassen! Zweiter Bombenwerfer: Red' nicht so! Erwischt haben sie auch uns, aber uns hat nichts geschehen können! Wir waren ja die echten! Ego. | Oesterreichs Jüdische Jugend Wir deutsch-österreichischen Jnden. Von Oskar H i r s c h f e 1 d. In einer Zeit, in der so viele an der Arbeit sind, die ältesten Lügen aus Haß gegen die Juden durch ihre Wiederholung aufs neue zu beleben und zu stärken, darf man es sich nicht verdrießen lassen, immer wieder auch den Kampf gegen diese Lügen aufzunehmen. Kann es etwas Absurderes geben als die Behauptung, daß die Juden in Oesterreich nicht das Recht haben, sich ais echte Deutsche und treue Oesterreicher zu bekennen? Daß sie die Anführer und Förderer bei jedem verderbenbringenden Umstürze, die Aufwiegler und Hetzer der alles bedrohenden und zerstörenden Revolutionen seien? UndN wie oft begegnet man selbst den böswilligen Anklagen, daß man in einem Atem die Juden als die alieinigen Vertreter des volksfeindlichen Kapitalismus verdammt und sie gleichzeitig als die ausschließlichen Verkünder und Schöpfer des mörderischen Kommunismus denunziert? Die Juden müssen sich also gegen schändliche Beschuldigungen wehren, die eigentlich sich selbst gegenseitig aufheben. In Wahrheit bilden die Juden im allgemeinen, in welchem Staate und Lande immer sie leben, ein im besten Sinne des Wortes konservatives Element, als solches bewährten sie sich in vielleicht noch erhöhtem Maße gerade in Oesterreich. Es liegt dies nicht nur in der Wesensart der Juden allein, die unterstützt wird, durch das Religionsgebot. Treue dem Staate zu bewahren, in dem sie leben, durch dessen Gesetz sie geschützt werden. Es ist dies auch ein Ergebnis ihrer geschichtlichen Erfahrungen, die sie beiehrten, daß sie die ersten sind, die die Kosten gewaltsamer Umwälzungen, chaotischer Uebergangsverhältnisse zu tragen haben. Ja, die Juden in Oesterreich fühlten sich — von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, die nur die Regel bestätigen — in der Vergangenheit und wohl auch in der Gegenwart besonders berufen, die staatserhaltenden Parteien mit aller Kraft zu unterstützen, denn sie erkennen in der von fortschrittlichem Geist beseelten Wohlstand und Ruhe verbürgenden Arbeit auch die Bedingungen für ihr Wohlergehen. Es ist sicherlich kein Zufall, daß einer der besten Männer Oesterreichs, der mit weitausblickender, staatsmännischer Weisheit die Gefahr nicht nur erkannte, sondern auch schon vor nahezu sechs Jahrzehnten die richtigen Mittel zur Rettung empfohlen hatte, ein Jude gewesen. Es war dies Adolf r i s c h ho f, der an der Spitze seines im Jahre 1869 erschienenen und nachträglich so berühmt gewordenen Buches „Oesterreich und die Bürgschaften seines Bestandes" die goldenen Worte geschrieben hatte: „Keine der großen Nationalitäten Oesterreichs kann für sich allein den Bestand der Monarchie sichern, aber jede derselben vermag durch ihren Widerstand das Reich zu gefährden; destruktiv eingreifen kann jede einzelnen, knstruktiv vorgehen können nur alle ver-