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Die Wahrheit · 1926-01-08 · Heft 2 (8.1.1926) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 Tm WAHRHEIT Nr. 2 raitischen Meute, es hatte vielfach den Anschein, als ob man die Hetze und Lüge gar nicht so ungern sehe. Es kann dies hundertfach bewiesen werden, namentlich an gerichtlichen Erkenntnissen- Dabei handelt es sich nicht um zwei Nationen, die sizh vor kurzem noch aufs Leben bekriegten, wie Deutsche und Engländer, sondern um die eigenen Landeskinder, Mitbürger, die gleich allen ihre staatlichen Pflichten erfüllt, die ihr Gut und Blut von je fürs Vaterland geopfert wie alle, alle andern. Hindenburg führte bisher sein hohes Amt in korrekter Weise, wie auch seine Gegner anerkennen. Wenn bei seiner Wahl sich die Juden nicht für ihn erwärmen konnten, so waren nicht allein seine Schildträger, die Rechtsparteien, daran schuld, sondern vor allem auch das eisige Schweigen, in das er sich gehüllt, wenn die vaterländischen Verbände jüdische Helden verunglimpften, jüdische Heldengräber besudelten. Wie hätte da gerade ein Wort aus solchem Munde, zu rechter Zeit und am rechten Orte wie ein Keulenschlag wirken können. Es blieb aus. Man schwieg, ischwieg bis heute, trotz der Gefahr, daß man dies als beredtes Schweigen deuten könnte. In London konnte man reden. Es handelte sich dort nicht „nur um Juden". Im Parlamente sollten die Anwälte des Rechtes und der Gerechtigkeit, die Verfechter der Wahrheit nicht müde werden, auf dies zweierlei Maß hinzuweisen. Wenn man will, kann man Lügen bekämpfen. London zeigte das. Psalm 107. Von Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Kiel. Der Psalm 107 gehört zu den Dankliedern des Psalmbuches. Er nimmt unter ihnen eine besondere Stellang ein, weil er im engeren Sinne weder das Danklied des einzelnen Ich, noch das der Gemeinde ist. Aber darin liegt nicht eben seine Besonderheit. Sein andersgearteter Vorzug beruht auf der straffen Disposition, die das Verständnis hebt und schön wirkt, wiewohl doch eine so leicht kenntliche Gliederung dem poetischen Gewände rasch Abbruch tun könnte. Aufbau und Inhalt des Psalmes sollen hier einer erneuten Untersuchung unterzogen werden. Zuvor muß der Text in möglichst wörtlicher Uebersetzung folgen, er soll zugleich, durch die Druckart, die Einteilung zeigen. 1 „Danket dem Ewigen, denn er ist gütig, ja, ewig währet seine Gnade!" 2 So mögen sprechen die durch den Ewigen Erlösten, die er erlöst hat mitten aus der Not. 3 Und die er aus den Ländern gesammelt, aus Ost und West, aus Nord und Süd. 4 Irre gnngen sie in der Wüste, in der Einöde des Weges, eine Stadt zum Bewohnen fanden sie nicht. 5 Hungrig und durstig waren sie, ihre Seele verschmachtete in ihnen. 6 Da schrien sie zu dem Ewigen in ihrer Not — aus ihren Drangsalen errettete er sie. 7 Er ließ sie gehen graden Weges, daß sie kamen zu bewohnter Stadt. 8 Sie mögen danken dem Ewigen für seine Gnade und seine Wundertaten an den Menschenkindern. 9 Denn er hat gesättigt die lechzende Seele, und die hungrige Seele hat er mit allem Guten gefüllt. 10 Die da saßen in Dunkel und Todesfinsternis, die gefesselt waren in Elend und Eisen, 11 denn sie waren widerspenstig gegen die Worte Gottes, und den Ratschluß des Höchsten hatten sie verachtet. 12 Und er beugte in Mühen ihr Herz, sie strauchelten und niemand half. 13 Da schrien sie zum Ewigen in ihrer Not, — aus ihren Aengsten half er ihnen. 14 Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesdunkel und ihre Fesseln, zerriss er. 15 Sie mögen danken dem Ewigen für seine Gnade und seine Wundertaten an den Menschenkindern. 16 Denn er zerbrach die Türen von Erz, und die Riegel von Eisen zerhieb er. 17 Die töricht waren wegen des Weges ihres Unrechts, und geplagt waren wegen ihrer Vergehungen, 18 jede Speise verabscheute ihre Seele, und sie kamen nahe den Toren des Todes. 19 Da schrien sie zum Ewigen in ihrer Not,----und aus ihren Aengsten half er ihnen. 20 Er entsandte sein Wort und heilte sie und befreite sie aus Ihren Verderbnissen, 21 Sie mögen danken dem Ewigen seine Gnade und seine Wundertaten! an den Menschenkindern. 22 Und sie mögen schlachten Opfer des Dankes und erzählen von seinen Werken mit Jubel. 23 Die hinabstiegen aufs Meer auf Schiffen, Handel trieben . auf weiten Wassern. 24 Sie sahen die Werke des Ewigen und seine Wundertaten auf der Meerestiefe. 25 Und er sprach, — und er ließ erstehen einen Sturmwind, der hob in die Höhe die Wogen. 26 Sie stiegen empor bis zum Himmel, sanken hinab in die Tiefen, ihre Seele verging vor Weh. 27 Sie kreisten, taumelten wie ein Trunkener, und alle ihre Weisheit wurde verschlungen. 28 Da schrieen sie zu dem Ewigen in ihrer Not,---und aus ihren Aengsten half er ihnen. 29 Er brachte den Sturm zum Schweigen, und stille wurden seine Wogen. 30 Sie freuten sich, daß sie schwiegen, und er führte sie zum Hafen ihrer Lust. 31 Sie mögen danken dem Ewigen seine Gnade und seine Wundertaten an den Menschenkindern. 32 Und sie mögen ihn erheben in der Versammlung des Volkes und in der Ratssitzung der Alten ihn loben. 33 Er macht Ströme zur Wüste, und Wasserquellen zur Dürre. 34 Fruchtland zur Salzsteppe, ob der Bosheit derer, die darin wohnen. 35 Er macht Wüste zum Wasserteich, und das Land der Dürre zum Wasserquellen. 36 Und er ließ dort Hungernde wohnen, und sie richteten her eine bewohnbare Stadt. 37 Und sie besäten Felder und pflanzten Weinberge, und sie brachten Früchte des Ertrages. 38 Und er segnete sie, und sie wurden sehr zahlreich, und ihr Vieh verringerte sich nicht 39 Und sie wurden auch weniger und kamen herunter, unter dem Druck des Unheils und des Kummers. 40 Er goß Verachtung über die Edlen und ließ sie irren in unwegsamer Oede. 41 Er erhöhte den Armen aus der Pein und machte der Herde gleich seine Geschlechter. 42 Es sehen es die Rechtschaffenen und freuen sich, und alle Bosheit verschließt ihren Mund. 43 Wer ist weise? Er möge auf dieses achthaben tmd sie mögen merken die Liebestaten des Ewigen. I. Disposition. Die ersten 3 Verse geben sich deutlich als Einleitung, sie geben eine an die Allgemeinheit gerichtete Aufforderung zum Danke. Die Worte des Dankes werden hrtVers 1 in eine bestimmte Form gegossen, die nicht eine Schöpfung des Dichters ist, die vielmehr, wie andere Psalmen und Gebete wohl zeigen, bekannt war und übernommen sein konnte. Es ist also Vers 1 ein Zitat, sagen wir einmal, ein in einem Dankeshymnus stets wiederkehrender Satz. Die Sprecher dieses Dankverses werden im 2. Verse allgemein die von Gott Erlösten genannt. Auch dieser Vers umfaßt eine größere Gruppe von Menschen, denen das Erlöstwerden gemeinsam ist. In der sicheren Ueberzeugung, daß sie von Gott erlöst wurden, sehen sie eine Verpflichtung oder auch eine Berechtigung, das Volk zu einem Dank- und Loblied aufzufordern. Wir werden erwarten, daß beide Gruppen, die in Vers 1 gedachte Allgemeinheit und die in Vers 2 genannten Erlösten, genauer bestimmt werden. Mit der Kennzeichnung der Erlösten wird sogleich begonnen. Denn es folgen vier Klassen dieser Menschen, und zwar Vers 4—9 die Verirrten, V. 10—16 die Gefesselten. Diese beiden Unterabschnitte zeigen vollkommen gleichen Aufbau. Es wird mit der Gefahr Schilderung begonnen, dann die Tatsache des Gebetes um Hilfe (nicht der Wortlaut des Gebetes selbst) gebracht Hierauf folgt sofort die Mitteilung, daß das Gebet nicht unwirksam gewesen ist Nun ergibt sich daraus die Pflicht des Dankes, die in einem Nachverse nochmals begründet wird, man vergleiche: 4—5 und 10—12 die Gefahr, 6a und 13 a die Tatsache des Betens, 6b—7 und 13b—14 die gewordene Hilfe, 8 und 15 Aufforderung zum Danke, 9 und 16 eine nochmalige kurze Begründung Von zwei weiteren Klassen der Erlösten sprechen die Verse 17—32, und zwar 17—22 die Schwerkranken und 23—32 die gefährdeten Meeresfahrer. Hier wird die Aufforderung zum Danke um einen Vers erweitert, MKt :«Ü2MKBlätfMtt«S<i» ^WH».>iM^^äK^^^saomK^»^-*'^^j^^<MM^-,

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