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Die Wahrheit · 1926-01-08 · Heft 2 (8.1.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 DIE WAHRHEIT Seite 3 Das „deutsch" ist in diesem Falle dahingehend aufzufassen, daß nur der ein Recht besitzt, sich deutsch zu nennen, der den deutschvölkischen Mörderkreisen angehört. Als erwiesen .wird diese Behauptung in der Anführung von einigen großen Verlagshäusern und Zeitungen erblickt, wie die Verlagshäuser Ullstein und Rudolf Mosse, und Zeitungen wie das „Berliner Tageblatt", die „Vossische Zeitimg" und die „Frankfurter Zeitung". Als Beweis dafür, daß es dem literarischen Antisemitismus nicht darauf ankommt, über Presseerzeugnisse an sich zu urteilen, kann das Schweigen gegenüber Blättern angesehen werden, die auf deutschvölkischem oder deutschnationalem Boden stehen. Kein Wort der Kritik zu dem Verhalten dieser Blätter gegen die jungen Talente. An und für sich muß es ja jeder Redaktion überlassen bleiben, welche Stellung sie zu dieser angeschnittenen Frage einnimmt. Und es wird wohl überall so sein, daß ein wenig begabter Anfänger mit guter Verbindung zu den Redaktionen eher zu schriftstellerischer Betätigung kommt als ein begabter, der über diese Verbindungen nicht verfügt. Aber wenn schon etwas verurteilt wird, so soll man seine Verurteilung nicht einseitig treffen. Im übrigen wird schon jeder regelmäßige Leser von Adolf Bartels „Schrifttum" die Feststellung gemacht haben, daß hier ganz selten ein unbekannter Name auftaucht. Das gibt um so mehr zu denken, da ja bekanntlich gerade Bartels als der schärfste Ankläger auftritt. Man sollte diese Frage einmal ganz grundsätzlich aufrollen. Unseres Erachtens ist es nicht unwichtig, darüber Feststellungen zu treffen, was an den Behauptungen des literarischen Antisemitismus dran ist. Am Ende dürfte sich herausstellen, daß es sich mit diesem Argument genau so verhält, wie mit der sich weisen und zurechtweisen. Als Moses dies sah und erkannte, floh er in die Wüste. Dort rief ihn die Gottesstimme, Israel aus dem Elend Aegyptens zu befreien, aber er verzagte. Er traute sich die Kraft nicht zu, Israel aus Aegypten herauszuführen. Denn den Kastengeist Aegyptens kann niemand ausrotten und Menschen, die sich in ihn eingewöhnt und eingelebt haben, kann niemand freimachen. Gott muß viel reden, um Moses für seine Aufgabe zu gewinnen. Satz um Satz, Versprechung und Verheißung fügt sich in den Worten Gottes aneinander, aber Moses antwortet: „Siehe, sie werden mir nicht glauben und auf meine Stimme nicht hören!" Er weigert sich; denn ein Volk aus einem Lande, das nicht nur versklavt worden ist, sondern — was noch schlimmer — Mannesmut, herzliche, brüderliche Gesinnung für einander verloren hat, herauszuführen, ist eine allzuschwere Aufgabe für einen Menschen. Das kann nur Gott! Mit Gottes Hilfe ist es Moses gelungen. Israel hat den Weg aus Aegypten gefunden, aber die Spuren des Kastengeistes lassen sich hie und da noch erkennen. Mancher baut sich mit seiner Lebensarbeit eine ägyptische PjTamide auf. Es ist ein großes, gewaltiges Werk, steht aber einsam in der Wüste gleich der Grabkammer eines ägyptischen Pharao. Er hat nie den Weg zu seinen Brüdern gefunden. Der Kastengeist Aegyptens hat ihn Gemeinschaft und Verbindung mit der Gemeinde seines Volkes nicht suchen und finden lassen. Es gibt eine Segensverheißung und einen Fluch. Beide stehen in der Thora. Jene lautet: „Gott wird entfernen vor dir alle bösen Krankheiten Aegyptens." Dieser heißt: „Gott wird über dich bringen alle Krankheiten Aegyptens!" Die böse Krankheit Aegyptens ist der Kastengeist. Als die letzte Plage, das Sterben der Erstgeburt über Aegypten kam, so wird berichtet stand Pharao von seinem Throne auf, durcheilte alle Straßen und Plätze seiner Hauptstadt und rief: „Wo ist Moses und Aron? Moses suche ich!" Für manchen, der sich ein Pharao, ein König auf seinem Throne dünkt, kann es so kommen, daß er noch Moses und Aron. suchen wird. „Nach der Art und Weise Aegyptens sollt ihn nicht tun!" K. anderen Behauptung, daß an Deutschlands Zusammenbruch eigentlich und im Grunde genommen der Jude Schuld ist. Man würde zweifellos zu der Feststellung gelangen, daß diese Behauptung aufgestellt worden ist, um einigen geschäftstüchtigen Literaten daran ein nettes Stückchen Geld verdienen zu lassen. Damit wäre dann der Jude aber einmal gründlich übertroffen. Jakobs Heimgang. Nun da er eingegangen zu den Vätern Erfüllten wehe Klagen laut die Luft. Und hin mit königlichen Ehren Führt man den Leichnam zu der Gruft Der Ahnen. Dort auch wollte ruhen Der lebenssatte, schlummermüde Greis. In Heimaterde weich und sanft gebettet Bei denen, die geliebt ihn tief und heiß. Doch Eine schläft fern seinem letzten Lager In Einsamkeit, in stiller Grabesruh. Und nur des Sommerwindes leises Rauschen Trägt ihm die Grüße seiner Rachel zu. Beate Baumgarten. Wie man Lügen bekämpfen kann. Von A. Mannheimer in D e 11 e 1 b a c h. Auf dem deutschen Volke lastete seit dem Weltkriege die sogenannte „Kadaverlüge". Man riß einen Absatz aus dem Tagesbefehl der deutschen Obersten Heeresleitung vom 21. Dezember 1916 aus dem Zusammenhang, und zwar so, daß die Interpretation des Wortes Kadaver zweifelhaft werden mußte. In jenem Tagesbefehl, gezeichnet „Braun", hieß es, „wenn Kadaver (das englische Won bedeutet hier Körper) zur Kadaververwertungsstelle befördert würden, so müßten bei jeder Sendung genaue Angaben über den Truppenteil, der sie übersandt, sowie weitere Einzelheiten über das Todesdatum usw. beigefügt werden." Aus diesem Tagesbefehl zog man den „Beweis", daß in Deutschland Menschenleichen zur Fettgewinnung Verwertung gefunden. Der Kampf gegen das lächerliche Märchen ruhte nicht und führte endlich zum Siege. Reichskanzler Dr. Luther und Minister Dr. Stresemann besuchten am 2. Dezember das britische Unterhaus und hörten den größten Teil der Debatte von der Loge für ausländische Ehrengäste mit an. Während ihrer Anwesenheit fragte Arthur Henderson im Auftrage Macdonalds den Außenminister Chamberlain, ob er bereit sei, eine Mitteilung über die während des Krieges entstandene Geschichte von der Leichenverwertungsanstalt zu machen. Chamberlain entgegnete: Der Kanzler des Deutschen Reiches hat mich ermächtigt, im Namen der Deutschen Regierung zu erklären, daß diese Angelegenheit jeglicher Grundlags entbehre. Mein Wunsch ist es, im Namen Seiner Majestät hinzuzufügen, daß ich diese Richtigstellung annehme. Ich hoffe, daß keine weiteren falschen Gerüchte entstehen mögen. — Diese Erklärung Chamberlains wurde vom Unterhaus mit lauten» Beifall aufgenommen. Die deutschen Juden nehmen an der Richtigstellung der blöden Verleumdung den gleichen Anteil wie alle übrigen deutschen Staatsbürger. Aber eine Parallele drängt sich uns unwillkürlich auf: Hätte man nicht schon längst mit dem gleichen Eifer regierungsseitig all den Lügen und Verleumdungen entgegentreten können, die sich wie eine Schlammflut über die deutschen Juden ergießen? Stehen sie nicht — mindestens — auf gleich tiefer Stufe wie die Kadaverlüge? Man denke nur an das Ritualmordmärchen, an den Xantener Prozeß (1892) und an Könitz (1902). Alle die wackeren Männer in Ehren, welche das scharfe Schwert der Wahrheit geschwungen. Ewiger Ruhm und nie erlöschende Dankbarkeit ist ihnen sicher. Aber es waren immer nur einzelne, die da für uns gekämpft. Eine offene, klare, ehrliche Stellungnahme seitens der Regierungsorgane, wie das in London geschehen, das fehlte, und damit auch die Wirkung. Man überließ die Juden riichi: nur ihrem Schicksal, bzw. der entfesselten antise-

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